Die Presseschau von Donnerstag, dem 07. Februar 2008

Auf fast allen Titelseiten der belgischen Inlandspresse findet heute der amerikanische Vorwahlkampf seinen Niederschlag.

Clinton – Obama: Duell bis zum Ende

La Libre Belgique macht großformatig mit der Balkenüberschrift „Duell bis zum Ende“ auf. Der Super-Dienstag an dem in zahlreichen US-Bundesstaaten Wahlen zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten stattfanden habe keine definitive Entscheidung gebracht, notiert die Zeitung. Bei den Republikanern habe John McCain seinen Vorsprung aber ausgebaut. Bei den Demokraten stelle Barack Obama weiterhin eine ernste Konkurrenz für die im Wettlauf um den Einzug ins Weiße Haus bei den Demokraten in Führung liegenden Hillary Clinton dar.

Im Kommentar schreibt La Libre Belgique hierzu, dass der vergangene Dienstag den Amerikanern in Sachen Interesses und Spannung bereits einen Wahltag noch vor der eigentlichen Präsidentschaftswahl im November beschert habe. Bei den Republikanern habe John McCain inzwischen wohl alle Zweifel daran ausgeräumt, dass er am 4. November für seine Partei als Präsidentschaftskandidat um die Wählergunst werben wird. Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang, schreibt La Libre Belgique, dass John McCain gezeigt habe, dass es einem republikanischen Präsidentschaftskandidaten möglich ist, auch ohne die Unterstützung des rechts-konservativen Lagers seiner Partei ins Rennen geschickt zu werden.

Auch Le Soir widmet seinen heutigen Leitartikel dem US-Vorwahlkampf. Ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen von 2008, so kommentiert die Brüsseler Tageszeitung, schienen die Würfel bereits gefallen zu sein. Nach den Bush-Jahren im Weißen Haus würden die Demokraten mit Hillary Clinton einen triumphalen Einzug ins Weiße Haus nehmen. Jetzt, neun Monate vor dem Urnengang, sei nichts mehr sicher.

Derweil könne man in den Kommentaren zahlreicher US-Zeitungen bereits die Warnung heraus lesen, die als eine Reaktion auf den anhaltenden Kampf um die Präsidentschaftskandidatur innerhalb der demokratischen Partei zu verstehen ist. Die Härte, mit der diese Konfrontation zwischen Clinton und Obama ausgetragen werde und die viel mehr die Betroffenen, nicht aber deren Programm von einander trenne, würde Narben hinterlassen und dem republikanischen Kandidaten John McCain wieder besser Chancen einräumen. Für Le Soir sei das Beste, was man den USA und der Demokratie dieses Landes wünschen könne, ein schlussendliches Duell Obama/McCain.
Liège und Brussels South Airport wollen streiken

Vers L’Avenir macht heute mit der Frage nach einem möglichen Streik auf den wallonischen Flughäfen von Lüttich und Charleroi auf. Dort haben die Fluglotsen nämlich einen Arbeitsausstand angedroht. Und das an einem Wochenende, an dem mit einem hohen Verkehrsaufkommen wegen des starken Rückreiseverkehrs von Fluggästen aus den Karnevalsferien gerechnet wird. Sollte es tatsächlich zum Arbeitskampf, der nicht für Gehaltserhöhungen sondern für eine Anpassung der Lizenzen der Fluglotsen geführt wird, kommen, dann müsste in Bierset und Gosslies von Freitagabend bis Samstagabend mit Arbeitsniederlegungen und erheblichen Behinderungen gerechnet werden, schreibt Vers L’Avenir.

„Herr Onkelinx“ in der Kritik

Ein anderes Thema, das ebenfalls zahlreiche französischsprachige Tageszeitungen heute aufgreifen, ist das Vorgehen des Ehemanns der belgischen Sozial- und Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx. Der Anwalt soll, um genügend Klienten für seine Kanzlei zu finden, vor allem in Kabinetten von sozialistischen Mandatsträgern gelobbied und um Klienten geworben haben. Vers L’Avenir titelt hierzu „Wie Anwalt Uyttendaele die PS-Kabinette infiltriert“.

Flandern fehlt es an Einwanderern

De Morgen berichtet heute auf Seite 1 über die Notwendigkeit, Gastarbeiter zur Besetzung offener Stellen in Flandern heran zu ziehen. Unter dem Titel „Tausende Migranten gesucht“ informiert die Zeitung darüber, dass alleine im Baufach Flanderns 12.000 offene Stellen auf Besetzung warten. Der Strom von Fachkräften aus Mittel- und Osteuropa reiche in diesem Sektor bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, so De Morgen.

Hinzu käme, dass jetzt auch die Obstbranche einen Mangel an Erntehelfern befürchte. Hier stellt sich die Frage, so De Morgen, ob etwa polnische Arbeitskräfte noch bereit sind in Belgien bei der Ernte auszuhelfen, während sie zuhause aufgrund eines Wirtschaftsaufschwungs steigende Löhne erwarten können. Aus diesem Grund verlangt der belgische Bauernbund jetzt, dass Saisonarbeit steuerlich reizvoller gemacht wird.

Waffengesetzgebung: nicht alle mit Härte einverstanden

De Standaard titelt heute auf Seite 1 „Widerstand gegen strengeres Waffengesetz“. Die flämische Tageszeitung berichtet über die Bedenken in Kreisen der flämischen Regionalregierung gegenüber strengeren Regeln beim Export von Waffen ins Ausland. Eine Verschärfung der Exportregelungen könnten Jobs vernichten und der Wirtschaft schaden, schreibt die Zeitung.

Auch Prinz Philippe in der Kritik

Het Laatste Nieuws schließlich bringt heute eine neue Polemik um Kronprinz Philippe auf die Titelseite. Der Thronfolger sei erneut Grund einer Verstimmung geworden. Während eine Gruppe belgischer Unternehmer beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf den Kronprinz warteten, habe dieser es vorgezogen sich mit indischen Wirtschaftskapitänen zu treffen. Die belgischen Unternehmer reagierten hierauf mit Unverständnis. In einer ersten Reaktion des Königshauses wurde der Vorfall als Terminproblem geschildert.