Die Presseschau von Montag, dem 08. Oktober 2012

Ein betrunkener Fußballprofi rast in einen Tankstellenshop: Das berichten gleich mehrere flämische Zeitungen auf ihren Titelseiten. Weitere herausragende Themen der heutigen Inlandspresse sind der kritikwürdige Umgang der katholischen Kirche mit den Opfern der Missbrauchsskandale, die neue Popularität des öffentlichen Dienstes und die Aussicht auf den möglicherweise ersten Nobelpreis in Physik für einen Belgier.

Betrunkener Fußballprofi rast in einen Tankstellenshop: Jonathan Legear

Ein betrunkener Fußballprofi ist in einen Tankstellenshop gerast

“Betrunkener Fußballprofi rast ungebremst in Tankstellenshop“, titelt Het Laatste Nieuws. Auch bei Het Nieuwsblad und Het Belang van Limburg sorgt der 25-jährige Jonathan Legear für Schlagzeilen. Der Ex-Anderlecht-Spieler ist am frühen Sonntagmorgen mit seinem Porsche im limburgischen Tongern durch die Glasfassade eines Tankstellenshops gekracht und kam erst vor der Kasse zum Stehen. Dabei fuhr er einen Kunden über den Haufen, der verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Glück hatten 15 Menschen, die nur wenige Meter weiter beim Frühstücken waren.

Der Schaden ist beträchtlich, berichten die Zeitungen. Er könnte bis zu 300.000 Euro betragen. Nach Polizeiinformationen stand Legear unter Alkoholeinfluss. Den gestrigen Sonntag hat er in der Ausnüchterungszelle verbracht. Außerdem wurde ihm der Führerschein für 15 Tage entzogen.

Bereits 2009 hatte der Fußballprofi, der jetzt für den tschetschenischen Club RFK Terek Grozny spielt, ebenfalls unter Alkoholeinfluss einen ähnlich spektakulären Unfall verursacht. Damals war er nach einem Disco-Besuch mit seinem BMW-Geländewagen gegen eine Hauswand gerast. Het Nieuwsblad meint: Das gestern Morgen war kein Zufall, sondern eine Wiederholungstat. Legear muss für den Unfall schwer bestraft werden.

“Kirche macht Opfer mundtot“

De Standaard befasst sich mit den Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche und schreibt auf Seite eins: “Die Bischöfe kommen ihren Verpflichtungen nicht nach“. Der sozialistische Abgeordnete und Mitglied des zuständigen Parlamentsausschusses Renaat Landuyt erhebt schwere Vorwürfe in der Zeitung: “Die Kirche macht die Opfer sexuellen Missbrauchs mundtot“, so der Politiker. Und: Sie unternehme alles, um Prozesse wegen Vertuschung und Amtsmissbrauch zu verhindern.

Hintergrund sind zwei Klauseln in der Vereinbarung zwischen der Kirche und den Missbrauchsopfern. Darin werden die Opfer verpflichtet, nicht mehr über die Missbrauchsfälle zu reden. Außerdem wird ihnen untersagt, weitere Schritte gegen jegliche Instanz der katholischen Kirche zu unternehmen. Das stehe im krassen Gegensatz zum Gesetz, so Landuyt. Er wirft der Kirche vor, die Missbrauchswelle ein zweites Mal vertuschen zu wollen. Landuyt will den zuständigen Kammerausschuss so schnell wie möglich zu einer Sondersitzung zusammenrufen.

Junge Menschen müssen Katastrophe finanzieren

De Morgen warnt auf Seite eins vor den Folgen des demographischen Wandels: “Die Vergreisung der Gesellschaft wird unbezahlbar.“ Bereits 2060 rechnen Experten für Belgien mit Mehrkosten von zehn Milliarden Euro pro Jahr. Die bevorstehende Rentenwelle der Baby-Boomer sorgt für eine finanzielle Katastrophe. Der zuständige Föderalminister Vincent Van Quickenborne gibt außerdem zu bedenken: “Wir steuern auf einen Generationenkonflikt zu.“

Die Zeitung hält fest: Die jungen Menschen werden nicht allein mit weniger auskommen müssen, sondern dafür noch einen höheren Preis bezahlen. Jahrelang hat die Politik das Problem vor sich hin geschoben. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben davon profitiert und ältere Arbeitnehmer massiv in die Frührente geschickt. Die Kosten haben sie damit auf die Allgemeinheit abgewälzt. Während die Nachkriegsgeneration wahrscheinlich bis zu ihrem Tod Wohlstand genießen kann, stehen ihre Nachfahren vor einer ungewissen Zukunft.

Le Soir schreibt, dass der öffentliche Dienst in Belgien noch nie so viele Bewerber angezogen hat, wie im vergangenen Halbjahr. Auf die 4.000 offenen Stellen in den Ministerien des Landes haben sich von Januar bis August fast 87.000 Menschen beworben – knapp 20 Prozent mehr, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Als Grund dafür sehen Experten die Jobsicherheit, die gerade in Krisenzeiten viele Menschen anzieht.

Sarkozy als Gesetzgeber in Belgien?

L’Avenir fragt sich unterdessen, ob der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy Gesetze in Belgien gemacht hat. Hintergrund ist die am Wochenende entbrannte Polemik um die Möglichkeit zum Freikauf in einem Strafverfahren. Das Gesetz wurde im Frühjahr letzten Jahres in Belgien eingeführt – in aller Eile, was das französische Magazin Le Canard Enchaîné befremdlich findet.

Sarkozy soll bei seinen belgischen Politfreunden interveniert sein, um einem kasachischen Geschäftsmann zu helfen. Der stand wegen des Vorwurfs der Geldwäsche im Visier der belgischen Ermittler. Nach der Zahlung von 20 Millionen Euro wurde die Anklage im Sommer 2011 fallen gelassen – so, wie es das neue Gesetz ermöglicht. Wenige Tage später kaufte Kasachstan 45 Hubschrauber beim europäischen Flugzeugbauer EADS mit Sitz im französischen Toulouse. Offenbar soll der kasachische Präsident den Deal mit Sarkozy eingefädelt haben.

Nobelpreis für Belgier?

De Standaard fiebert der morgigen Bekanntgabe des Physik-Nobelpreisträgers entgegen. Möglicherweise geht die Auszeichnung zum ersten Mal an einen Belgier. Der Brüsseler Physiker François Englert hatte das so genannte Higgs-Teilchen in den 1960er Jahren in einem theoretischen Modell beschrieben. Physiker aus aller Welt hatten die Entdeckung des Teilchens, das als letzter unbekannter Baustein der Materie gilt, im Sommer weltweit gefeiert.

Bild: Nicolas Lambert (belga)

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