"Spanien erlebt neues Drama nach zweitem Zugunglück in diesem Jahr", titelt De Morgen. "Neues Drama in Spanien nach menschlichem Versagen", schreibt Het Belang van Limburg in seiner Schlagzeile. "Drei Warnungen und trotzdem stießen die Züge zusammen", so der Aufmacher von Het Laatste Nieuws.
Der Zusammenstoß von zwei Zügen in Spanien mit mehreren Dutzend Toten bestimmt zwar die Titelseiten fast aller Zeitungen, wird von den Kommentatoren in den Leitartikeln allerdings nicht aufgegriffen. Hier geht es vor allem um den Ausgang der Parlamentswahlen in Israel.
Gazet van Antwerpen stellt dazu fest: Das israelische Volk hat gewählt und es ist keine Wahl gegen den heutigen Premierminister Benjamin Netanjahu geworden. Als Tatsache muss das so akzeptiert werden. Aber Israel hat damit eine Chance verpasst, sein stark beschädigtes Bild wiederherzustellen, bedauert Gazet van Antwerpen.
Opposition hat die Wahl
De Standaard erinnert: Die jüdischen Oppositionsparteien von Rechtsaußen bis Linksliberal hatten sich für die Wahlen zusammengeschlossen, um Netanjahu zu stürzen. Das ist ihnen nicht gelungen. Netanjahus Partei hat sogar Stimmen dazu gewonnen. Nur weil seine Koalitionspartner kräftig Stimmen verloren haben, hat auch er jetzt die absolute Mehrheit eingebüßt. Das führt zu einer Pattsituation. Weder Netanjahu noch sein Herausforderer Eisenkot werden regieren können. Es sei denn, Eisenkot und sein Bündnis würden sich mit den arabischen Parteien zusammentun. Die haben viele Sitze dazu gewonnen. Sie stellen die Opposition jetzt vor die Wahl. Was ist euch lieber: weiter mit Netanjahu oder doch mit uns? Für die Opposition wird das eine schwierige Entscheidung, glaubt De Standaard.
Le Soir beobachtet: In der politischen Klasse Israels herrscht mit wenigen Ausnahmen Konsens bei der Palästinenserfrage. Auch bei diesen Wahlen haben die Unterdrückung der Palästinenser, die Besetzung palästinensischer Gebiete und die intensive Kolonisierung keine Rolle gespielt. Eine Zusammenarbeit mit den arabischen, sprich palästinensischen Parteien, haben sowohl Netanjahu als auch sein Herausforderer abgelehnt. Diese Parteien werden die Pattsituation also nicht lösen. Wahrscheinlicher ist, dass nach den Wahlen in den USA Israel zusammen mit den USA den Krieg gegen den Iran wieder aufnimmt. Das wird Israel politisch wieder einen, so dass Netanjahu weiter an der Macht bleiben wird, prophezeit Le Soir.
Grüße aus Miami
De Tijd bemerkt: Das Wahlergebnis zeigt, dass die gesamte israelische Bevölkerung deutlich nach rechts gerückt ist. Die Unterschiede zwischen Netanjahu und Eisenkot sind nicht sehr groß. Auch Eisenkot und seine Allianz sind für ein hartes Vorgehen gegen den Iran, wollen die Einsätze in Gaza und im Libanon fortsetzen und auch die Besetzung des Westjordanlands nicht beenden. Europa muss diese Tatsache zur Kenntnis nehmen. Selbst ohne Netanjahu als Premier wird es in Israel nicht zu einem wirklichen Kurswechsel kommen, behauptet De Tijd.
L'Avenir schaut auf den Wahlausgang in Brasilien: Der geschlagene Flavio Bolsonaro, der sich selbst als Wahlsieger sieht, hat das Land verlassen. Er fürchtet nämlich, dass er vor Gericht kommt wegen Korruption und Geldwäsche. Als Präsident hätte er Immunität genossen. Die hat er jetzt nicht. Also geht es schnell nach Miami, wo das US-Visum der Regierung Trump kein Problem war. Unter Freunden hilft man sich. Mal abwarten, wie lange er dort bleibt und ob er vielleicht dem Beispiel seines Vaters folgt, der letztlich freiwillig nach Brasilien zurückgekehrt ist, um sich seinem Prozess zu stellen, überlegt L'Avenir.
Cyberkrieg der anderen Art
La Dernière Heure kommentiert zum föderalen Haushalt: Bei seiner Suche nach zehn Milliarden Euro hat Premier De Wever jetzt die Menschen mit Burnout entdeckt. Maximal zwei Jahre sollen sie nur noch Leistungen erhalten. Eine ganz schlechte Idee, denn eine Krankheit wie Burnout kann man nicht mal so per Knopfdruck heilen. Niemand hat etwas davon, wenn Menschen mit Burnout vorzeitig wieder arbeiten gehen. Und wenn sie in die Sozialhilfe abrutschen, kostet das dem Staat auch weiter Geld, betont La Dernière Heure.
Het Laatste Nieuws beschäftigt sich mit den neuen Abgaben, die auf Päckchen von außerhalb der EU erhoben werden und führt aus: Die EU möchte sich mit dieser Maßnahme gegen die Päckchenflut vor allem aus China wehren. Millionen von Billigprodukten in Minipäckchen überfluten täglich und seit Jahren den europäischen Markt mit Konsumentenmüll. Eingangstor der Flughafen Lüttich. Seitdem ab Juli für diese Päckchen eine Gebühr von drei Euro bezahlt werden muss, ist deren Zahl um sage und schreibe 65 Prozent zurückgegangen. Am ersten November kommen nochmal zwei Euro zusätzliche Abgaben dazu. Hoffentlich kommen dann noch weniger Päckchen aus China zu uns. Denn mit diesem Schrott zu Dumpingpreisen macht China auch unsere Unternehmen kaputt. Auch das ist eine Art Cyberkrieg. Die EU hat vollkommen recht, sich dagegen zu wehren, applaudiert Het Laatste Nieuws.
Kay Wagner