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Die Presseschau von Dienstag, dem 27. Oktober 2026

27.10.202608:43
Brasiliens Präsident Lula bei einer Ansprache auf dem Parteitag seiner Arbeiterpartei am 2. August 2026
Brasiliens Präsident Lula bei einer Ansprache auf dem Parteitag seiner Arbeiterpartei am 2. August 2026 (Bild: Miguel Schincariol/AFP)

Die Titelseiten und Leitartikel befassen sich vor allem mit den Wahlausgängen in Brasilien und Serbien. Dabei wird auch deren Bedeutung über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus beleuchtet. Weitere Themen sind Ausgaben des Infrabel-Geschäftsführers und die Gesundheit von Vincent Kompany.

"Tag der Hoffnung in Brasilien und Serbien", titelt De Morgen auf Seite eins zu den Wahlausgängen in Südamerika und auf dem Balkan. "Lula stellt Bolsonaro in Brasilien bloß, Studenten stellen Vucic in Serbien bloß", so De Standaard. "Studentenliste gewinnt aus dem Nichts die Wahlen", hebt Het Nieuwsblad hervor. "Lula siegt, Brasilien bleibt gespalten: Der linke Präsident sichert sich eine vierte Amtszeit – Herausforderer Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an" und "Serbien steht vor einem Machtwechsel: Neue oppositionelle Studentenliste hat überraschend klar gewonnen", resümiert das GrenzEcho. "Wahlen in Brasilien: die Gründe für die 'Remontada' von Lula", schreibt La Libre Belgique.

Es sind aufregende Zeiten für die Demokratie, schreibt Het Belang van Limburg in seinem Leitartikel: In Brasilien hat Lula da Silva Flávio Bolsonaro geschlagen, den Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Und in Serbien hat Langzeitpräsident und -Premier Vucic den Kürzeren gezogen gegen eine Studentenbewegung. Ein bemerkenswerter Ausgang angesichts der Tatsache, dass es die Bewegung erst seit knapp zwei Jahren gibt. Vucic kontrollierte die serbische Justiz, die Medien und den Staatsapparat, er schien unbezwingbar. Bis ihm ein tödlicher Korruptionsskandal zum Verhängnis wurde, der Hunderttausende gegen ihn auf die Straßen brachte. Die Studentenbewegung, die ihn nun zu Fall gebracht hat, ist allerdings sehr heterogen und unerfahren – es verspricht also, ein holpriger Parcours zu werden. Dennoch bleibt es ein besonderer Sieg. Gerade in einem immer älter werdenden Europa, in dem sich junge Menschen stets seltener gehört fühlen. In Serbien ist eine Schlacht gewonnen worden. Der Krieg ist damit aber noch lange nicht gewonnen, mahnt Het Belang van Limburg.

Gute Nachrichten für Europa

Es ist nicht das erste Mal, dass uns dieses Jahr überraschende Wahlausgänge beschert hat, erinnert De Standaard: Im April haben die Ungarn Viktor Orban geteert und gefedert, nun muss sich Aleksandar Vucic aus dem Staub machen. In beiden Fällen eine gute Nachricht für Europa: Russlands Machthaber Wladimir Putin hat mit Orban und Vucic zwei Verbündete verloren, Ungarn scheint endlich wieder zu einem vertrauenswürdigen EU-Mitglied zu werden, Serbien könnte sich wieder der Union annähern. Man muss auch lobend hervorheben, dass sowohl Orban als auch Vucic ihre Niederlage anerkannt haben – ganz im Gegensatz zu Flávio Bolsonaro. Angesichts des Verhaltens von Bolsonaro Junior ist die Demokratie in Brasilien wohl einer Katastrophe entgangen, meint De Standaard.

Die "Trumpisierung" kann aufgehalten werden

Der Sieg von Lula ist nicht nur ein Sieg für seine Arbeiterpartei, kommentiert La Libre Belgique. Es ist ein Erdbeben, das ganz Südamerika erschüttert. Denn seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus ist die Region mit sieben neuen, Washington-hörigen Staatschefs massiv und extrem nach rechts gekippt. Lula machte seinen Widerstand gegen Trump und die Vereinigten Staaten zu einem wichtigen Element seines Wahlkampfs und warnte eindringlich vor den Risiken einer Rückkehr der Bolsonaros für die Demokratie des Landes. Denn hinter den Bolsonaros steht natürlich Trump. Lula erinnerte auch immer wieder daran, wie Bolsonaro Senior versucht hatte, die Institutionen zu zerstören. Die massive Mobilisierung der Bevölkerung Brasiliens beweist, dass die "Trumpisierung" der Politik nicht unausweichlich ist. Und dass dem politischen Extremismus, der oft als unaufhaltsam präsentiert wird, Einhalt geboten werden kann, ist La Libre Belgique überzeugt.

Lula steht für Demokratie, Bürgerrechte, erschwingliche Gesundheitsversorgung und Bildung, fasst De Morgen zusammen. Während Bolsonaro für Deregulierung, Annäherung an Trump, den Ausverkauf der brasilianischen Bodenschätze und die Zerstörung des Rechtsstaats steht. Kein Wunder also, dass man selbst außerhalb Südamerikas mit Erleichterung auf den Wahlausgang reagiert. Aber mindestens genauso wichtig sind die Folgen für den Amazonas-Regenwald, die grüne Lunge Brasiliens, die klimatechnisch und auch ökologisch weit über die Landesgrenzen hinaus von größter Bedeutung ist. Denn die Bolsonaros sind rabiate und rücksichtlose Klimaleugner: Vater Bolsonaro hat die Zerstörung des Regenwaldes hemmungslos vorangetrieben, sein Sohn hatte versprochen nach seinem Wahlsieg das Gleiche zu tun. Lula hingegen hat sich bereits in der Vergangenheit gegen die Abholzung engagiert. Allerdings wird es nicht reichen, auf die brasilianische Politik zu setzen, um den Regenwald zu retten. Die gesamte internationale Gemeinschaft ist hier gefordert, appelliert De Morgen.

Fragwürdige Ausgaben und Prioritäten

Het Nieuwsblad befasst sich mit Schienennetzbetreiber Infrabel beziehungsweise genauer gesagt mit kontroversen Ausgaben des Infrabel-Geschäftsführers Benoît Gilson. Anfang des Jahres hatte der alle Manager seines Betriebs zu einem Lady Gaga-Konzert eingeladen. Zweck: "Teambuilding", Kosten für Infrabel: 70.000 Euro. Was ihm eine Rüge von Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke einbrachte. Nun muss sich Crucke erneut mit Gilsons Ausgaben befassen, diesmal geht es um rund 160.000 Euro für professionelle Video-Macher. Weil Gilson steht auf Vlogs, also Filmchen, die ihn und seinen Betrieb porträtieren. Infrabel betont die Bedeutung dieser Videos für die Arbeitnehmer des Betriebs. Ein Hit auf Youtube sind sie jedenfalls nicht, das populärste Video ist seit Juli 2024 gerade mal 750 Mal abgerufen worden. Verglichen mit dem Gesamtbudget von Infrabel geht es hier natürlich um Kleckerbeträge. Aber das Ganze illustriert den fragwürdigen Umgang mancher föderaler Spitzenbeamter mit öffentlichen Geldern. Diese Art der Geldverschwendung muss angegangen werden, und da muss jeder Minister seine Hausaufgaben machen. Auch im Interesse aller anderen Beamten und ihres Rufs, unterstreicht Het Nieuwsblad.

La Dernière Heure kommt zurück auf den Zusammenbruch von Vincent Kompany: Verteidiger, Kapitän, Legende, Club-Gründer, erfolgreicher Trainer, jemand, der von klein auf keine Herausforderung und Verantwortung scheute – so kennen wir Kompany. Einen immer ruhigen und charismatischen Mann, der sich überall behauptet. Ihn beim Training des FC Bayern München in sich zusammensacken zu sehen, ist deswegen umso erschreckender gewesen. Glücklicherweise scheint er sich auf dem Weg der Besserung zu befinden. Aber dieser Zusammenbruch sollte uns allen in Erinnerung rufen, dass niemand unbesiegbar ist und jeder Mensch irgendwann an seine Grenzen stößt. Völlig zu Recht heißt es jetzt: Die Gesundheit zuerst. Ohne Druck und Kalender. Komm in guter Gesundheit zurück, Vince, der Fußball kann für ein Mal warten, so La Dernière Heure.

Boris Schmidt

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