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Die Presseschau von Mittwoch, dem 21. Oktober 2026

21.10.202608:44
US-Präsident Trump und Russlands Präsident Putin
US-Präsident Trump und Russlands Präsident Putin (Bilder: Alexander Nemenov/Elijah Nouvelage/AFP)

Die Leitartikel befassen sich heute vor allem mit drei Populisten: Zunächst einmal stehen Trump und sein Schmusekurs mit Putin im Fokus. Außerdem sorgen Aussagen von N-VA-Verteidigungsminister Francken zu Gewalt und Migration für Wirbel. Und schließlich geht es noch um Ryanair-Chef O'Leary.

"Trumps neue Kehrtwende in Richtung Putin hat eine ganz andere Größenordnung als alle seine früheren", titelt De Standaard. "Ist Trump bereit, die Ukraine zu opfern?", fragen die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. "Trumps Flirt mit Putin sorgt für Empörung: 'Er wirft unseren Verbündeten den Löwen zum Fraß vor'", liest man bei De Tijd. "'Verrat ist Trumps Markenzeichen'", so die Überschrift bei Het Belang van Limburg, Het Nieuwsblad und Gazet van Antwerpen. "Trump lässt die Ukraine immer mehr fallen, aber Selenskyj gibt nicht auf", hebt Het Laatste Nieuws hervor.

Russland hat sich ehrlich gesagt doch super verhalten gegenüber der Ukraine, falsch hat es da wenig gemacht, paraphrasiert De Standaard in seinem Leitartikel die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Damit scheint Trump sein Bündnis mit Europa und der Ukraine endgültig über Bord zu werfen und ins Moskauer Lager überzulaufen. Verschiedene amerikanische Analysten sagen schon, dass es in der Geschichte der Vereinigten Staaten noch nie einen Präsidenten gegeben hat, der Verbündete so betrogen hat, um mit Feinden gemeinsame Sache zu machen. Während Trumps und Putins Pläne für die Ukraine immer deutlicher werden, scheinen beide auch darauf zu setzen, dass die rechtsextremen AfD und Rassemblement National die Unterstützung für die Ukraine in ihren jeweiligen Ländern weiter von innen untergraben. Das Einzige, was die Europäer kurzfristig tun können, ist auf eine schwere Niederlage von Trump bei den Midterm-Wahlen zu hoffen. Und damit auf eine Machtverschiebung in den USA, resümiert De Standaard.

Für Europa geht es ums Überleben

Trump wird aus vielen Gründen in die Geschichte eingehen, kommentiert Het Nieuwsblad, allerdings sicher nicht positiv: Seine Zölle haben die Weltwirtschaft ins Chaos gestürzt, sein Angriff auf den Iran hat die Energiepreise explodieren lassen, seine Umfragewerte sind historisch schlecht, seine Verachtung für Frauen berüchtigt. Er hat wie kein anderer die amerikanische Demokratie ausgehöhlt, um sich die Taschen zu füllen, er hat das transatlantische Bündnis untergraben. Einen vergleichbaren autoritären Stil hat es in den Vereinigten Staaten nie gegeben. Er ist auch ganz sicher kein Retter westlicher Werte und Normen, nein, er ist eine Bedrohung für sie. In den Geschichtsbüchern wird auch stehen, dass Trump der erste US-Präsident war, der einem geschworenen Feind seines Landes geholfen hat. Was laut der Verfassung der Vereinigten Staaten Verrat ist. Selenskyj weigert sich trotzdem, in die Knie zu gehen. Die europäischen Führer hingegen zögern mal wieder und halten sich bedeckt. Eine feige Reaktion. Und ein Mangel an Mut gegenüber dem Diktator im Weißen Haus und seinen Träumen, wettert Het Nieuwsblad.

Die Vereinigten Staaten und Russland haben beschlossen, Europa zu zerstören, bringen es die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe auf den Punkt: Die Pläne des erbarmungs- und skrupellosen russischen Diktators kennen wir ja schon lang. Aber nun müssen wir auch endgültig einsehen dass die von einem senilen, nur an seinen Geschäften interessierten Soziopathen regierten USA nicht länger unsere Verbündeten sind. Sie sind, wie Russland, unsere Feinde geworden. Wir müssen uns so schnell wie möglich aus unserer Abhängigkeit von Washington befreien. Das wird nicht einfach werden oder schnell gehen. Aber für Europa geht es hier ums Überleben, unterstreicht Sudinfo.

Francken wandelt wieder auf Trumps Spuren

Le Soir greift kontroverse Aussagen von N-VA-Verteidigungsminister Theo Francken auf, der in Interviews mehrfach einen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Ausschreitungen und Migration hergestellt hat. Die Stoßrichtung kommt von der Trump-Administration, die ja schon lang versucht, in Europa Unruhe zu schüren mit rassistischen Narrativen von ausländischen, oft muslimischen Barbaren, die die europäischen Länder zerstörten. Eine gefährliche Vermischung, die Francken lieber den üblichen Verdächtigen bei den Rechtsextremen überlassen sollte. Denn erstens gibt es keine Daten, die belegen, dass die Krawallmacher in unseren Städten ausländischer Herkunft oder Ausländer sind. Und zweitens sind Menschen mit ausländischer Herkunft keine "Migranten", sondern belgische Bürger, nur um auch das noch mal klarzustellen. Ein Minister, ein Vertreter einer demokratischen Partei, sollte nicht solche Sachen sagen, prangert Le Soir an.

Blindflug im belgischen Luftraum

La Libre Belgique befasst sich mit den jüngsten Ankündigungen des ebenfalls mehr als umstrittenen Ryanair-Chefs Michael O'Leary: In seinem gewohnt ruppigen Stil hat er nun also wahrgemacht, womit er schon lange gedroht hatte – Ryanair wird seine Aktivitäten in Belgien deutlich reduzieren. Vor allem wegen angeblich unzumutbaren Steuererhöhungen. Sollte man der Arizona-Regierung Vorwürfe machen, weil sie den Erpressungsversuchen von O'Leary nicht nachgeben hat? Nein, sicher nicht. Aber man muss trotzdem auch festhalten, dass Ryanair die Runde nach Punkten gewonnen hat. Denn O'Leary hatte mit seinen Drohungen schon erreicht, dass diverse Steuern zurückgezogen beziehungsweise reduziert worden sind. Er wird sich also in seiner Taktik bestätigt sehen, so La Libre Belgique.

Die Ankündigung von Ryanair hat für gemischte Reaktionen gesorgt, merkt La Dernière Heure an: Einerseits stöhnen die Urlauber und andere Reisende. Von den Beschäftigten an den betroffenen Flughäfen ganz zu schweigen. Aber man hört auch immer wieder "Umso besser!". Zum Beispiel von Menschen, denen O'Learys Methoden sowieso schon lang ein Dorn im Auge sind, von Menschen, für die das ganze Low-Cost-Fliegen ein sozio-ökonomischer Holzweg ist, von Menschen, die unter dem Fluglärm leiden. Zu diesen miteinander unvereinbaren Interessen kommt dann noch Belgiens institutionelle Lasagne, siehe Brüsseler Flughafen. Die verhindert jede kohärente Luftfahrt-Politik. Dabei kann sich Belgien eigentlich nicht mehr erlauben auf Sicht und ohne klaren Kurs zu fliegen. Schon gar nicht, wenn es um mächtige Konzerne wie Ryanair geht oder enorme Herausforderungen wie die Volksgesundheit, meint La Dernière Heure.

Boris Schmidt

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