„GSK-O: 1.217 Arbeitsplätze bedroht“, titelt L’Avenir. „Die bittere Pille“, notiert Le Soir auf Seite eins. „Mit dem Pharmasektor befindet sich ein Wachstumsmotor unserer Wirtschaft in der Krise“, so der Aufmacher von De Standaard.
Das britische Pharmaunternehmen GSK hat angekündigt, über 1.200 Stellen an verschiedenen Standorten in Belgien abbauen zu wollen. Viele Zeitungen widmen diesem Thema ihren Leitartikel.
L’Avenir regt sich auf: Die Ankündigung kommt mit einer seltenen Brutalität. Denn GSK geht es gut, das Unternehmen macht kräftig Gewinn. Frage also: Darf man so viele Arbeitsplätze einfach streichen, obwohl man so viel Geld verdient? Natürlich braucht sich ein Unternehmen nicht dafür zu entschuldigen, wenn es Geld verdient. Aber es darf auch nicht so tun, als ob es keine Rechenschaft ablegen müsse. Gerade nicht gegenüber den Menschen, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen und die jetzt vor dem Aus stehen. GSK sagt, dass es sich anpassen müsse an neue Strukturen im weltweiten Pharmasektor. Okay. Aber ein Freibrief, um alles zu tun, was man will, ist das nicht, schimpft L’Avenir.
Rezept mit Nebenwirkungen
Auch La Dernière Heure gibt zunächst zu: Sicher, nicht alles ist gut gelaufen für GSK in den vergangenen zehn Jahren. Bei Covid-Impfstoffen hat das Unternehmen getrödelt, die Konkurrenz ist hart. Dazu kommen KI, Digitalisierung, Automatisierung und hohe Steuern in Belgien. Aber das kann keine Entschuldigung sein für ein Unternehmen, das Milliardengewinne einstreicht und im vergangenen Jahr 481 Millionen Euro Subventionen erhalten hat. Darf man dann im darauffolgenden Jahr einfach so jeden siebten Arbeitsplatz ohne Gegenleistung streichen?, fragt verärgert La Dernière Heure.
L’Echo erinnert: Belgien war eigentlich gewarnt. Ein Unternehmen mit steuerlichen Begünstigungen anzulocken und zum Bleiben zu bewegen, das hat seine Grenzen. Multinational aufgestellte Unternehmen wie ArcelorMittal und Caterpillar hatten auch zunächst von Subventionen profitiert, um dann doch ihre Werke bei uns zu schließen. Bei GSK passiert jetzt etwas Ähnliches. Die Regierung sollte das Rezept der steuerlichen Begünstigungen vielleicht mal hinterfragen. In Zeiten, wo Milliarden Euro für den Haushalt gesucht werden, wäre das eine Überlegung wert, findet L’Echo.
Strategie oder Kniefall?
Die Schwesterzeitung De Tijd bemerkt: Der Stellenabbau bei GSK hat viele Gründe: die schwache Performance des Unternehmens bei Impfstoffen – eine der wichtigsten Aktivitäten von GSK in Belgien –, die technischen Veränderungen, die großen Investitionen, mit denen die USA zurzeit Pharmaunternehmen in ihr Land locken und einige mehr. Das wird die Pharmalandschaft bei uns verändern. Bislang hat der Sektor bei uns geblüht. Jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass es so nicht weitergehen wird. Der Pharmasektor als eins der Zugpferde unserer Wirtschaft wird keine Selbstverständlichkeit mehr bleiben, prophezeit De Tijd.
Het Laatste Nieuws beschäftigt sich mit dem neuen Vorschlag für den Föderalhaushalt von Premierminister Bart De Wever und notiert: Dieser „Quick fix“ soll es jetzt also richten. Statt zehn Milliarden Euro sollen nur noch vier Milliarden gespart werden und der Haushalt nur für das kommende Jahr gelten. Die Mehrwertsteuererhöhung ist vom Tisch. Hat sich die MR damit durchgesetzt? Es ist ein riskantes Spiel, auf das sich De Wever da einlässt. Die MR erscheint jetzt als die Partei, die die Richtung in der Regierung bestimmen kann. Die große Frage ist, ob De Wever mit dieser Maßnahme einen geschickten Schachzug setzt oder sich selbst und seine N-VA, für die Haushaltssanierung und Wirtschaft immer die wichtigsten Themen waren, für schachmatt erklärt, grübelt Het Laatste Nieuws.
Zusammenarbeit als Potenzial
Het Belang van Limburg weiß: Unangenehmen Fragen zu seinem neuen Haushaltsentwurf wird De Wever heute in der Kammer ausweichen können. Denn er wird an den EU-Verhandlungen zum neuen EU-Haushalt teilnehmen. Dort sitzen nicht nur fünf Verhandlungspartner an einem Tisch, sondern 27. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es werden wird, sich auf etwas zu einigen. Einige Länder wollen kräftig sparen, andere nicht, und alle wollen, dass Europa ihnen immer hilft. Ohne Geld wird das schwierig. Vielleicht sollten sich die EU-Vertreter daran erinnern, dass auch in einer besseren Zusammenarbeit viel Potenzial zum Sparen liegt, rät Het Belang van Limburg.
Das GrenzEcho ist verstimmt über die mangelhafte Kommunikation der Armee und des Verteidigungsministeriums mit Blick auf eine Drohnenflugzone über Ostbelgien und fordert: Wer eine Flugzone für Drohnen über weite Teile Ostbelgiens plant, muss den betroffenen Menschen erklären können, was dort vorgesehen ist und was das für sie bedeutet. Schweigen schafft kein Vertrauen, kritisiert das GrenzEcho.
Kay Wagner