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Die Presseschau von Mittwoch, dem 7. Oktober 2026

07.10.202609:10
Nicolas Ullens de Schooten
Nicolas Ullens de Schooten vor Prozessbeginn am 24. September 2026 (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Die belgischen Zeitungen beschäftigen sich heute mit dem Schuldspruch gegen Nicolas Ullens, dem Nobelpreis für den belgischen Physiker Francis Halzen und den anhaltenden Schülerprotesten. Außerdem geht es um die Frage, ob bzw. wie der Staat bei den föderalen Sparmaßnahmen gegen Steuertricks und Scheinselbstständigkeit vorgehen sollte.

"Des Mordes für schuldig befunden", titeln La Dernière Heure und L'Avenir. "Es war vorsätzlicher Mord", so die Schlagzeile von La Capitale. "Mit Vorsatz", schreibt lapidar Le Soir.

Auf vielen Titelseiten sieht man heute Nicolas Ullens. Der musste sich vor dem Schwurgericht von Nivelles verantworten, weil er im März 2023 seine Stiefmutter, die Baronin Myriam Ullens, erschossen hatte. Sie war die zweite Frau von Guy Ullens de Schooten, dem ehemaligen Direktor der traditionsreichen Zuckerfabrik von Tienen. Nicolas Ullens hatte immer angegeben, im Affekt gehandelt zu haben; ein Streit mit seinem Vater und seiner Stiefmutter sei eskaliert. Die Jury sah es jetzt als erwiesen an, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt hat. Für den Anwalt von Nicolas Ullens ist dieses Urteil aber nicht rechtens. "Der Verteidiger will einen Befangenheitsantrag gegen die Richter stellen", schreibt Het Laatste Nieuws.

Nicolas Ullens: Ein Wort verändert alles

"Ein Wort kann manchmal alles verändern", meint La Dernière Heure in einem nachdenklichen Kommentar. "Vorsätzlich", dieses Wort macht aus einem Totschlag einen Mord. Hier ging es nicht um die Schuldfrage: Nicolas Ullens hat immer zugegeben, dass er seine Stiefmutter getötet hatte. Nur sei das eben eine Kurzschlusshandlung gewesen. Genau das war auch die Argumentationslinie der Verteidigung. Die Jury sah das nun also anders: Nicolas Ullens habe "das Nicht-Wiedergutzumachende bedacht, bevor er es begangen hat"; und das nennt man eben "Vorsatz". Das ist vielleicht die wichtigste Lektion aus diesem übermediatisierten Prozess: Hinter der Fassade einer superreichen Familie mit all den dazugehörigen Ränkespielen um Geld und Macht ging es hier doch vor allem um das Opfer: Myriam Lechien, genannt "Mimi", war nicht nur eine Zeile in einem Testament, und auch keine bloße Nebendarstellerin in der Ullens-Saga. Sie war eine 70-jährige Frau, unbewaffnet in einem Auto, auf die ein geübter Schütze sechs Mal geschossen hat. Hinter dem Glitzer und den Pailletten, hinter dem Medienzirkus war es am Ende das Blut, das sich den Geschworenen ins Gedächtnis eingebrannt hat.

Nobelpreis im Schatten von Schülerprotesten

Viele Zeitungen würdigen heute aber auch den belgischen Forscher Francis Halzen, dem gestern der Physik-Nobelpreis zugesprochen wurde. "Ein zwölfter Nobelpreis für Belgien", schreibt Het Nieuwsblad auf Seite eins. "Vom Athenäum in Tirlemont zum Physik-Nobelpreis", so die Schlagzeile von La Libre Belgique.

"Und jetzt will natürlich jeder auf den Zug aufspringen", konstatiert Het Belang van Limburg. Der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele etwa sprach gleich überschwänglich von der "flämischen Wissenschaft von Weltformat". Der Punkt ist allerdings, dass Francis Halzen schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Flandern tätig ist. Eigentlich müsste Wissenschaftsförderung dafür sorgen, dass Forscher im Land bleiben. Nur scheint immer noch das Gegenteil zu passieren. Und das dürfte sich auch so bald nicht ändern. Denn gerade erst hat die flämische Regierung der wichtigsten Einrichtung zur Förderung von Forschung und Entwicklung die Mittel gekürzt. Der "Fonds für die wissenschaftliche Forschung", kurz FWO, muss mit 35 Millionen Euro weniger auskommen. In einer Region, die sich als weltweiter Akteur im Bereich Innovation sieht, müsste eigentlich mehr drin sein…

"Es gibt Tage, an denen Belgien einem das Gefühl gibt, stolz auf das Land zu sein. Der gestrige Dienstag war ein solcher Tag", findet L'Avenir. Es war ein stolzer Tag für all diejenigen, die immer noch daran glauben, dass die Wissenschaft die Welt verändern kann. Zur gleichen Zeit protestierten im südlichen Landesteil aber wieder die Schüler und Studenten. Welch ein Kontrast! Während also ein belgischer Wissenschaftler noch einmal eindrucksvoll demonstriert, wozu der menschliche Geist imstande ist, wenn man ihm nur die Mittel dafür gibt, erinnern uns die jungen Menschen daran, dass man der Jugend eben die Möglichkeiten geben muss, um an die Zukunft zu glauben. Genau dieses Vertrauen scheint ihnen zu fehlen. Während wir die Leistungen von Francis Halzen würdigen, müssen wir den Schülern und Studenten zuhören und ihnen dieses Vertrauen in die Zukunft zurückgeben.

Schülerproteste: Sorgen – aber keine Entschuldigung für Gewalt

"Es stimmt: Die Schülerproteste sind Ausdruck tiefsitzender Sorgen und Ängste, glaubt auch La Libre Belgique. Vordergründig sind da die Reformen im Unterrichtswesen und auch die spürbar höheren Kosten infolge der Anhebung der Einschreibegebühren und auch der Preise für Bus-Abos. Hinzu kommt dann noch der allgemeine Kontext: Krieg in Europa, der Vormarsch der KI mit seinen absehbaren Folgen für den Arbeitsmarkt, die überbordende Staatsschuld, die Klimakrise… Diese Sorgen und Ängste müssen wir ernst nehmen. In einem Punkt allerdings gibt es keine Diskussion: All das kann niemals und in keiner Weise jegliche Form von Gewalt rechtfertigen.

Het Laatste Nieuws sieht das ähnlich, argumentiert da aber wesentlich schärfer. Viel zu oft versuchen Medien, den Studentenprotesten irgendeinen "tieferen Sinn" anzudichten. Die Jugendlichen hätten angeblich "zu wenig Perspektiven", und die geplanten Sparmaßnahmen untermauerten noch diesen Eindruck. "No Future" also. Aber ist das ein Grund, Bushäuschen zu zerlegen, Polizeibeamte physisch anzugreifen oder Schulgebäude anzuzünden? Der krampfhafte Versuch, nach einer "höheren Motivation" zu suchen, wenn Jugendliche Stadtmobiliar kurz und klein schlagen, das ist genauso sinnlos wie der eigentliche Vandalismus. Hier geht es nicht um heldenhafte Jugendliche, die die Welt verbessern wollen. Hier geht es um Gewalt. Punkt!

"Wirklich alle Hintertüren schließen!"

Einige Zeitungen greifen schließlich noch eine Forderung des Vooruit-Vizepremiers Frank Vandenbroucke auf. Der hat dafür plädiert, im Rahmen der föderalen Sparmaßnahmen sich auch die Scheinselbständigen und vor allem die sogenannten Management-Gesellschaften vorzuknöpfen.

"Hier schießt man auf den falschen Gegner", warnt De Tijd. Mit solchen Maßnahmen läuft man Gefahr, das ohnehin schon schwache Wachstum noch weiter abwürgen. Dieses Land braucht Unternehmertum; und das darf nicht noch zusätzlich ausgebremst werden.

Het Nieuwsblad sieht das anders. Das System der Management-Gesellschaften wird zu oft und zu systematisch missbraucht. Und wenn man schon Jagd auf Profiteure macht, dann auch auf alle. In der aktuellen Lage muss man sämtliche Hintertüren schließen.

"Taktisch macht Vandenbroucke da einen cleveren Schachzug", glaubt seinerseits De Morgen. Seine Argumentation könnte man so zusammenfassen: "Die Parteien auf der rechten Seite wollen keine neuen Steuern? OK! Aber dann lasst uns zumindest die bereits bestehenden Steuern konsequenter und somit fairer eintreiben". Wer streng mit den Profiteuren am unteren Rand der Gesellschaft ist, muss es auch mit den Besserverdienenden sein...

Roger Pint

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