"Diependaele will 1.300 Euro anlegen für jedes Baby in Flandern", titelt De Tijd. "Die Kirche besitzt ein Sparguthaben von 1,1 Milliarden Euro, und das kann eine gute Nachricht für den Haushalt sein", heißt es im Aufmacher von Het Nieuwsblad. "Wochenende der Wahrheit für flämische Regierung", notiert Het Belang van Limburg auf seiner Seite eins.
Die aktuellen Haushaltsgespräche auf föderaler und regionaler Ebene sorgen für Meldungen auf den Titelseiten, aber noch nicht für viele Kommentare in den Meinungsspalten.
Lediglich Het Belang van Limburg meint zu den Verhandlungen in Flandern: Die Regierung geht dieses Wochenende in Konklave. Aus gutem Grund. Ministerpräsident Matthias Diependaele soll am Montag im Parlament seine Septembererklärung abgeben. Bis dahin soll der Haushalt geschnürt sein. Bislang ist noch nicht zu erkennen, welche Linie darin verfolgt werden soll. Das Wochenende ist jetzt die letzte Chance, strukturelle Entscheidungen zu treffen, um den Haushalt langfristig in ruhige Fahrwasser zu leiten. Ob das gelingt, scheint aufgrund dessen, was diese Woche hier und da in den Medien schon zu hören war, äußerst fraglich, analysiert Het Belang van Limburg.
Hart und erbarmungslos
Zu den hohen Energiepreisen bemerkt L’Echo: Die Rufe nach staatlichen Hilfen, um die Energierechnungen zu senken, sind laut, und kommen sogar von vier der fünf föderalen Regierungsparteien. Das ist zu bedauern, denn solche Maßnahmen würden ein falsches Zeichen setzen. Sie würden zwar die Not der Bürger im Moment lindern. Aber die notwendigen strukturellen Änderungen nur hinauszögern. Ja, die Realität der hohen Energiepreise ist hart, aber erbarmungslos. Genauso wie das große Haushaltsdefizit. Die Aufgabe unserer Politiker wäre es, das genau so zu erklären und uns akzeptieren zu lassen. Und dann alles dafür zu tun, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die wir importieren müssen, so schnell wie möglich zu beenden, fordert L’Echo.
De Tijd stellt grundsätzlich fest: Leider versäumen die Politiker der traditionellen – oder anders ausgedrückt: gemäßigten Parteien es in der Regel, einen ehrlichen Diskurs mit den Bürgern zu führen. So ein Diskurs würde die Probleme des alltäglichen Zusammenlebens offen ansprechen. Das überlassen diese Parteien aber allzu oft leider den extremen, in Flandern der extrem Rechten, in der Wallonie der extrem Linken. Deren Analysen sind meistens richtig. Ihre Lösungsvorschläge klingen dann wie schöne Märchen, die der Realität aber nicht standhalten. Trotzdem verzaubern diese Märchen viele Wähler. Wozu das führt, zeigen die politischen Entwicklungen in unseren Nachbarländern Deutschland und Frankreich, beobachtet De Tijd.
Weihnachtsmänner mit Torten
An der Universität Lüttich haben verkleidete linke Aktivisten dem Professor für Elektromechanik Damien Ernst während eines Seminars Torten ins Gesicht geschmiert. Dazu kommentiert De Morgen: Natürlich kann man über Professor Ernst denken, was man will. Radikal-Linken ist er natürlich ein Dorn im Auge. Er ist gerne in Medien präsent, hat ein gutes Verhältnis zur MR, und ist bei dem Deal zwischen dem französischen Waffenhersteller Thales und der Universität Lüttich federführend mit dabei. Aber diese Aktion gegen ihn ist natürlich mit nichts zu rechtfertigen. Denn sie sagt ja: Wer eine andere Meinung hat, bekommt eine Torte ins Gesicht. Oder anders ausgedrückt: Halt den Mund oder verpiss dich! Schlimm, ärgert sich De Morgen.
La Dernière Heure berichtet: Die Rektorin der Uni Lüttich hat die Tat auf das Schärfste verurteilt. Das sollten alle anderen auch tun, ob links oder rechts, und egal, ob man einverstanden ist mit Professor Ernst oder nicht. Aus politischen Motiven heraus als Weihnachtsmänner verkleidet einen Professor mitten im Unterricht anzugreifen, wenn auch nur mit einer Torte, und dazu Worte wie "Fascho!" und "Collabo!" zu rufen, ist eine Einschüchterung mit Gewalt, die gerade an einer Universität nichts zu suchen hat, schimpft La Dernière Heure.
Opfer schafft Opfer
Der flämische Influencer Jonatan Medart ist in Gent Opfer von homophoben Verbalangriffen geworden, die er gefilmt und im Internet veröffentlicht hat. Gazet van Antwerpen schreibt dazu: Es ist verständlich, dass Opfer von Homo-Hass oder queerfeindlicher Gewalt Videos in sozialen Netzwerken veröffentlichen, auf denen die Angriffe zu sehen sind. Aber mit solchen Bildern sollte vorsichtig umgegangen werden. Denn auf ihnen sind mitunter auch Unbeteiligte zu sehen, die durch die Bilder in Verdacht geraten, zu den Tätern zu gehören. Das kann vor allem dann schlimme Folgen haben, wenn Unterstützer des Opfers zur Selbstjustiz greifen sollten. Schnell könnte das die Falschen treffen. Vorsicht also mit solchen Bildern, warnt Gazet van Antwerpen.
Het Laatste Nieuws ergänzt: Einige der Unbeteiligten, die auf dem Video zu sehen sind, haben nach der Veröffentlichung tatsächlich Drohungen erhalten. So etwas geht gar nicht. Wenn der Influencer schon meint, die Rolle von Polizei und Justiz selbst in die Hand nehmen zu müssen, dann sollte er Sorgfalt walten lassen und Unbeteiligte auf seinem Video unkenntlich machen. Diese Unbeteiligten haben ein Recht darauf, betont Het Laatste Nieuws.
Kay Wagner