"Belgien nimmt am Eurovisionssongfestival teil, VRT erntet umgehend Kritik", titelt De Morgen. "VRT-Gewerkschaft will ESC nicht übertragen", so die Schlagzeilen von Het Nieuwsblad und Gazet van Antwerpen. "Gewerkschaft droht, ESC-Übertragung zu boykottieren", heißt es im Aufmacher von Het Laatste Nieuws.
Die Entscheidung der VRT, turnusgemäß und wie geplant für Belgien am Eurovision Song Contest ESC im kommenden Jahr teilzunehmen, schlägt hohe Wellen auf den Titelseiten der flämischen Zeitungen. In den Kommentarspalten greift allerdings nur Het Nieuwsblad die Kontroverse auf.
Die Zeitung meint: Jetzt nimmt Belgien doch am ESC nächstes Jahr in Bulgarien teil. Vor ein paar Monaten bezeichnete die VRT die Chancen darauf noch als gering und forderte eine Abstimmung darüber, ob Israel an dem Wettbewerb teilnehmen darf. Jetzt ist von all dem nichts mehr zu hören. Die VRT begründet ihre Entscheidung damit, sich auf die ursprünglichen Werte des Festivals besinnen zu wollen, nämlich Verständigung und Frieden. Die VRT erweist sich damit als genauso feige und scheinheilig wie unsere Politiker. Noch im vergangenen Jahr hatte Premier Bart De Wever bei der UN-Generalversammlung davon gesprochen, Palästina anerkennen zu wollen. Aber wenn Palästinenser zum Studieren nach Belgien kommen wollen, geht das nicht. Belgien steht immer noch auf derselben Seite wie immer. Und das ist nicht die Seite der Unschuldigen, ärgert sich Het Nieuwsblad.
Überflüssiges Gelaber?
Het Laatste Nieuws notiert zur UN-Generalversammlung: Viele halten dieses jährliche Treffen in New York für völlig überflüssig. Weil dort nur schöne Reden geschwungen werden, danach aber nichts passiert. Eine überflüssige, teure Laber-Bude also. So kann das manchmal tatsächlich auch aussehen. Aber stellen wir uns mal vor, was geschehen würde, wenn Politiker aufhören würden, miteinander zu reden. Was würde dann passieren mit unseren Gesellschaften? Miteinander reden und streiten gehört nun mal zum Beruf der Politiker - auch wenn es manchmal langweilig und überflüssig scheint. Für Demokratien sind solche Debatten, Reden und verbale Streitereien aber unverzichtbar, betont Het Laatste Nieuws.
Le Soir notiert: Zeitgleich zur UN-Generalversammlung findet heute in Washington das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump, seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping und den Chefs der größten Unternehmen von Künstlicher Intelligenz statt. Dabei soll es unter anderem auch um die weitere Nutzung von KI gehen, nachdem KI-Entwickler vor der Gefahr der zu schnellen Entwicklung ihrer eigenen Schöpfungen gewarnt hatten. Dieses Szenario hat symbolischen Charakter. China und die USA gehören der UN zwar weiter an - und Trump hat dort sogar selbst gesprochen. Entscheidungen, die für die ganze Welt wichtig sind, treffen sie aber nicht bei der UN. Das machen sie untereinander aus, zusammen mit Wirtschaftsvertretern. Die Mächtigen regeln es eben unter sich und der Rest darf darüber dann diskutieren, bedauert Le Soir.
Zwei Gewinner
Zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Belgien und Ruanda bemerkt De Standaard: Es gibt keinen konkreten Anlass, warum das gerade jetzt wieder geschieht. Ruandas Präsident Kagame hatte die Beziehungen vor eineinhalb Jahren ja abgebrochen, weil Belgien sein Land angeblich wegen der Unterstützung von Rebellen im Ostkongo zu stark kritisiert hatte. Die Rebellen sind immer noch im Ostkongo, Belgiens Kritik ist weiterhin da. Aber wahrscheinlich haben beide Länder verstanden, dass sie mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen nur gewinnen können: Kagame kann damit sein Image aufpolieren, Belgien kann seine Landsleute, die in Ruanda leben und arbeiten, besser unterstützen, analysiert De Standaard.
Gazet van Antwerpen stellt bei der Diskussion innerhalb der Föderalregierung über mögliche Finanzhilfen wegen der hohen Erdöl-Preise fest: Mittlerweile sind alle Parteien dafür, nur die N-VA nicht. Die sagt, dass kein Geld für solche Hilfen da sei. Damit hat die Partei natürlich Recht. Außerdem wären solche Hilfen falsch, weil lediglich populistisch und kurzsichtig. Am Grundproblem würden sie nämlich nichts ändern. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen würde weiter bestehen. Diese Abhängigkeit zu beenden, so schnell wie möglich, ist die beste Art, die Bürger vor zu hohen Preisen für Öl und Gas zu schützen, behauptet Gazet van Antwerpen.
Es könnte so schön sein…
La Libre Belgique kommentiert zum Streik am Flughafen Charleroi: Der Flughafen könnte ein so schönes Beispiel für ein erfolgreiches Projekt der Region sein. 50 Prozent mehr Fluggäste innerhalb der vergangenen fünf Jahre - was für ein Erfolg! Aber immer wieder gibt es Streit am oder um den Flughafen. Wie jetzt wieder dieser kaum verständliche Streik der Fluglotsen. Irgendjemand - aber wer? - scheint dem Flughafen, scheint der Wallonie diesen Erfolg nicht zu gönnen, seufzt La Libre Belgique.
Kay Wagner