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Die Presseschau von Mittwoch, dem 16. September 2026

16.09.202608:54
Peter Willems (Archivbild: Johan Eyckens/Belga)
Peter Willems (Archivbild: Johan Eyckens/Belga)

Der Fußballbund trennt sich von seinem Geschäftsführer Peter Willems. Gleichzeitig gehen die Haushaltsberatungen in die entscheidende Phase. Hinzu kommen die hohen Energiepreise und die wachsende Nervosität an den Finanzmärkten. Außerdem geht es um die Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen.

"CEO Peter Willems wurde vom Fußballbund entlassen", schreibt Het Laatste Nieuws auf Seite eins. "Der Geschäftsführer des Fußballbunds wurde entlassen nach einem Konflikt mit der Vorsitzenden", titelt Het Nieuwsblad. "Union Belge: Willems ist schon raus", so die Schlagzeile von La Dernière Heure.

Peter Willems war erst seit Ende 2024 der Geschäftsführer des Fußballbunds. Er lag schon seit längerer Zeit überkreuz mit der Verwaltungsratspräsidentin Pascale Van Damme. In der Affäre Balogun traten die Differenzen dann aber offen zutage. Der amerikanische Stürmer war ja für das WM-Achtelfinalspiel gegen Belgien wegen einer Roten Karte gesperrt. US-Präsident Trump rief persönlich bei FIFA-Chef Infantino an und bat darum, die Karte zu überprüfen. Überraschend setzte die FIFA die Rotsperre daraufhin für ein Jahr zur Bewährung aus. Geschäftsführer Willems forderte eine entschlossene Reaktion des Fußballbunds, Verwaltungsratspräsidentin Van Damme stand aber auf der Bremse. Willems soll sich später bei Kontakten mit FIFA und UEFA-Kollegen negativ über Van Damme geäußert haben, was diese offensichtlich sehr persönlich nahm. Jetzt muss Willems also gehen…

Hauen und Stechen bei den Haushaltsberatungen

Einige Leitartikler beschäftigen sich derweil wieder mit den laufenden Haushaltsberatungen. "Das Hauen und Stechen hat begonnen", kann etwa Het Nieuwsblad nur feststellen. Es ist manchmal interessant zu beobachten, wie die Partner versuchen, sich gegenseitig aus der Reserve zu locken und die Grenzen auszutesten. Jüngstes Beispiel ist ein Vorstoß der N-VA. Aus dem Kabinett von Finanzminister Jambon kam jetzt die Idee, dass Vereinigungen ohne Erwerbszweck der Körperschaftsteuer unterworfen werden sollen. Zumindest für ihre gewinnbringenden Aktivitäten. In der Tat: Diese Debatte kann man führen. Wobei man sich zugleich die Frage stellen kann, ob es sich da nicht wieder um einen ideologisch motivierten Angriff insbesondere auf die Krankenkassen und Gewerkschaften handelt. Vielleicht ist es aber auch nur ein Test. Die N-VA will womöglich einfach nur schauen, wie die flämischen Sozialisten Vooruit auf den Vorstoß reagieren. Deren Antwort war je denfalls klug und besonnen. "Wir finden es nicht sinnvoll, überall Rote Linien, Vetos und Testballons loszulassen", hieß es da. Vielleicht sollten sich die anderen ein Beispiel an dieser Haltung nehmen. Dann würden sich die Erfolgsaussichten für die Haushaltsberatungen wohl merklich erhöhen.

"Es sind politisch nervöse Zeiten", kann auch Het Laatste Nieuws nur feststellen. Zunächst sind da natürlich die Haushaltsberatungen, bei denen man ein Gleichgewicht finden muss zwischen den nötigen Sparmaßnahmen und zugleich dem legitimen Finanzbedarf in einigen Bereichen; man denke nur an die Justiz und den Kampf gegen die Drogengewalt. Obendrauf kommen dann aber noch die hohen Energiepreise, die inzwischen wirklich durch die Decke gehen. Da wird der Ruf aus der Bevölkerung, "irgendwas zu tun", mit jedem Tag lauter. Die Lage ist jedenfalls ernst. Denn die hohen Energiepreise befeuern natürlich die Inflation und damit in Belgien auch den Index. "Thank you, president Trump!", kann man da nur sagen. Denn Schuld daran ist allein das impulsive Iran-Abenteuer des US-Präsidenten. All das ist der Preis für die Politik von Populisten, die vorgeben, an der Seite des "kleinen Manns" zu stehen, die aber letztlich nur -getrieben von ihrem Ego- die Wirtschaft, um nicht zu sagen, die Welt ins Chaos stürzen.

Dunkle Wolken an den Finanzmärkten

"An den Finanzmärkten ziehen derweil dunkle Wolken für Belgien auf", warnt La Libre Belgique. Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley hat empfohlen, gegen die belgische Staatsschuld zu spekulieren. Vor allem das Timing ist hier besorgniserregend, kommt dieser Tipp doch genau in dem Moment, in dem die wichtigste Haushaltsrunde der letzten 40 Jahre an den Start geht. Das hatte gerade noch gefehlt. Schon jetzt stehen die Zinsen auf belgische Staatsanleihen so hoch wie seit knapp 15 Jahren nicht mehr. So sehr man die Haltung der Bank auch verurteilen muss, einer Bank im Übrigen, die eine tragende Rolle bei der Subprime-Krise vor 20 Jahren gespielt hat, mit dieser Empfehlung setzt sie die Regierung De Wever unter zusätzlichen Erfolgsdruck…

Aber nicht nur die Föderalregierung muss ihren Haushalt in Ordnung bringen, bemerkt dazu Le Soir. Auch (und vor allem) den frankophonen Institutionen steht das Wasser bis zum Hals. Die Finanzlage der Wallonischen Region und vor allem der Französischen Gemeinschaft ist regelrecht katastrophal, ganz zu schweigen von der Region Brüssel. Den Frankophonen muss klar sein, dass ihnen das auf die Füße fallen kann. Längst steht die Forderung im Raum, dass sich die Teilstaaten an der Haushaltssanierung beteiligen sollen. In Flandern wird auch schon wieder der Ruf nach einer neuen Staatsreform laut. Heißt also: Genau diejenigen, die am belgischen Föderalmodell festhalten, liefern den Nationalisten noch Argumente, um das System zu zerpflücken. Wenn die Frankophonen Belgien bewahren wollen, dann müssen sie dringend ihre Finanzen in Ordnung bringen.

Von Deckeln an Plastikflaschen

Einige Zeitungen blicken auch schon mit Spannung auf die "Rede zur Lage der Union", die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute im EU-Parlament halten soll.

"Naja, muss man da wirklich noch gespannt sein?", fragt sich allerdings Gazet van Antwerpen. Die Reden der Kommissionsvorsitzenden folgen doch längst einem bekannten Muster. Sie verspricht fast buchstäblich das Blaue vom Himmel, aber danach kommt lange nichts. In den letzten Jahren etwa hat von der Leyen über eine Wiederbelebung der europäischen Industrie schwadroniert; gesehen haben wir davon bislang aber nicht viel. Klar: Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten oft sehr unterschiedlich gelagert sind und sich manchmal auch gegenseitig ausschließen. Es ist aber genau die Aufgabe einer Kommissionsvorsitzenden, all das auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Bei Ursula von der Leyen hat man aber den Eindruck, dass sie dazu nicht fähig ist. Ihre Amtszeit könnte am Ende in die Geschichte eingehen als die Ära, in der man in Europa die Deckel an Plastikflaschen befestigt hat, während man in China Roboter gebaut und in den USA die Künstliche Intelligenz entwickelt hat...

Roger Pint

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