„Heizöl doppelt so teuer wie vor einem Jahr“, titelt Het Laatste Nieuws. „Werden unsere Energierechnungen noch weiter steigen?“, fragt sich L’Avenir in seiner Schlagzeile. „Erstes Unternehmen für grünen Wasserstoff beginnt mit Produktion in Antwerpen“, meldet Gazet Van Antwerpen auf Seite eins.
Neben ein paar Aufmachergeschichten greifen einige Zeitungen das Thema der hohen Energiepreise auch in ihren Leitartikeln auf.
L’Avenir ist sich sicher: Der Winter wird für viele Bürger sicherlich hart werden. Denn ein Blick auf die Weltlage macht schnell deutlich: Ein Ende der Krisen, die verantwortlich sind für die hohen Preise für Öl, Gas und damit auch Strom ist nicht in Sicht, beklagt L’Avenir.
Revolte und Politik
La Libre Belgique schaut deshalb mit Sorge nach Frankreich: Vor acht Jahren, so die Zeitung, hat die Erhöhung der Kraftstoffsteuer bei unseren Nachbarn zur Bewegung der Gelbwesten geführt. Die Voraussetzungen zu einer ähnlichen Protestbewegung sind aktuell wieder gegeben. Die hohen Energiepreise und die anhaltende Wirtschaftskrise machen das Leben auch für viele Franzose teuer und schwer. Eine Revolte wie die der Gelbwesten scheint nicht ausgeschlossen zu sein. Die könnte diesmal sogar noch weitreichendere Konsequenzen haben. Denn im Frühjahr wird ein neuer Präsident gewählt. Schon jetzt liegen die Kandidaten der extremen Rechten und Linken in Umfragen weit vorne. Eine Revolte würde diesen Willen zu einer radikalen Politik-Wende in Frankreich mit Sicherheit befeuern, befürchtet La Libre Belgique.
De Morgen bemerkt zur Entlassung einer Lehrerin in Ostflandern, die sich weigert, ihr Kopftuch in der Schule abzunehmen: Es wäre gut, wenn die ganze Debatte um das Tragen eines Kopftuchs in der Schule und die Wertung dessen als mögliche Beeinflussung der Schüler mit mehr Augenmaß geführt würde. Wirklich wichtig ist, was im Unterricht gesagt wird, was im Kopf der Lehrperson vorgeht und nicht, was sie auf dem Kopf trägt. Abweichungen von Lehrinhalten und Lehrplänen sind nicht zu tolerieren. Egal, um welche Inhalte es geht. Das sollte entscheidend sein, darüber solle diskutiert werden. Alles andere ist Profilierung, urteilt De Morgen.
Brüssel macht Schritt zurück
Le Soir notiert zum angekündigten Ende der Elektro-Leih-Roller in Brüssel mit Beginn des neuen Jahres: Für viele Menschen ist der E-Leihroller zum täglichen Begleiter geworden. Sie haben sich an ihn gewöhnt – auch und vor allem als Ersatz für ein eigenes Autos. Diese Art der emissionsfreien Fortbewegung jetzt aus dem Angebot zu ziehen ist ein Schritt zurück auf dem Weg, Brüssel vom lästigen Autoverkehr zu entlasten. Zumal der öffentliche Nahverkehr zur gleichen Zeit nicht weiter ausgebaut wird, sondern mit Einschnitten leben muss. In internationalen Metropolen wie Berlin, Paris, Tokyo, Amsterdam, London oder New York wird viel dafür getan, Alternativen zum Auto kräftig zu fördern. In Brüssel scheint der Wille dazu zu schwinden, bedauert Le Soir.
Het Belang Van Limburg schaut beim Thema Elektro-Roller auf die Helmpflicht und führt aus: Seit 1. September müssen Fahrer von E-Rollern bei einer Geschwindigkeit von mehr als 20 Stundenkilometern einen Helm tragen. Aber es wird sicher eine Weile dauern, bis wirklich alle E-Rollerfahrer, die es betrifft, tatsächlich auch einen Helm tragen. Zu umstritten ist nämlich diese Pflicht. Sinnvoll ist sie aber durchaus. Statistiken aus dem Ausland zeigen, dass in Ländern mit Helmpflicht die Zahl der Kopfverletzungen bei Unfällen mit E-Rollern um 20 Prozent niedriger liegt als bei uns. Wenn das kein Argument ist, hält Het Belang Van Limburg fest.
Neue Chance für Trump
Das GrenzEcho erklärt zum Aufruf führender Entwickler von Künstlicher Intelligenz, das Tempo bei der KI-Entwicklung zu drosseln, weil KI sich sonst verselbständigen und eine Gefahr für die Menschheit werden könnte: Im Kern geht es dabei um das sogenannte „Alignment“. Gemeint ist die Ausrichtung einer KI an menschlichen Zielen, Regeln und Werten. Also der Frage, ob ein immer leistungsfähigeres System das tut, was wir von ihm wollen, auch wenn es selbständig handelt. Es wäre naiv, die Lösung allein den Konzernen zu überlassen. Dafür braucht es zielgerichtete, verantwortungsvolle Politik. Regierungen müssen klare Leitplanken setzen, innerhalb deren KI entwickelt werden darf, fordert das GrenzEcho.
De Tijd überlegt: Die neue Debatte um KI wäre für US-Präsident Trump eine gute Möglichkeit, doch noch den Friedens-Nobelpreis zu erhalten. Dafür sollte er die KI-Entwickler nicht für ihren Aufruf zur Vorsicht mit KI kritisieren, sondern auf deren Zug aufspringen. Wenn Trump es schafft, zusammen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping eine international gültige Selbstverpflichtung für den friedlichen Umgang mit KI zu vereinbaren, hätte er nämlich tatsächlich etwas Bahnbrechendes erreicht, um die Menschheit vor einer großen Gefahr zu schützen, behauptet De Tijd.
Kay Wagner