"Was flämische Schulen von Estland und England lernen können“, schreibt De Standaard auf Seite eins. „Ergebnisse der Pisa-Studie: DG ist das belgische Schlusslicht“, titelt das GrenzEcho.
Auch am Tag zwei nach Veröffentlichung der jüngsten Pisa-Studie beschäftigen sich einige Zeitungen weiter mit dem schlechten Abschneiden der belgischen Schüler.
De Standaard behauptet in seinem Leitartikel: Der Hauptgrund für das sinkende Niveau unserer Schüler bei der Pisa-Studie liegt in den modernen Technologien, den Algorithmen der Sozialen Medien und der Künstlichen Intelligenz. Sie machen eigenes menschliches Denken überflüssig. Selbständiges Denken ist aber dringend notwendig für unsere Gesellschaft, wenn wir weiter als Demokratie funktionieren wollen. In den Schulen muss dieses selbständige Denken gelehrt werden. Ein „Zurück zur Schule von vor 40 Jahren“ könnte die Lösung sein. In England, Irland und Estland hat das schon erste Erfolge gezeigt. Dort wird wieder Wissen vermittelt – abseits der modernen Technologien. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen, rät De Standaard.
Mehr Geld, weniger Leistung
Het Laatste Nieuws bemerkt: Geld ist nicht das Problem an unseren Schulen. Jeder vierte Euro in Belgien wird für Bildung ausgegeben und das Budget ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Gleichzeitig ist das Niveau unserer Schüler gesunken. Das zeigt: Geld allein löst die Probleme an Schulen nicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass man hier den Rotstift kräftig ansetzen sollte. Aber dass das Heil nicht im Kauf von Tabletts und Computern für jeden Schüler liegt, diese Erkenntnis sollte schon ernst genommen werden. Lösungen für besseren Schulunterricht sind etwas komplizierter, unterstreicht Het Laatste Nieuws.
De Tijd kommentiert mit Blick auf die Zinsen: Das hohe Zinsniveau in allen G7-Staaten hat jetzt auch Belgien erreicht. Gestern sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei uns auf vier Prozent gestiegen und liegen jetzt so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr. Abgesehen von all dem, was das für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutet, ist das auch ein Weckruf für unsere Föderalregierung. Denn dieses hohe Zinsniveau ist eigentlich eine schlechte Nachricht für das Projekt, mit neuen Maßnahmen rund zehn Milliarden Euro im Staatshaushalt sparen zu wollen. Es kann aber auch wie ein Katalysator wirken und allen Beteiligten klar machen, dass ein Scheitern beim Schnüren des Sparpakets keine Option ist, mahnt De Tijd.
Hoher Druck
La Dernière Heure stellt fest: Schon wieder werden heute die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen gestiegen sein. Und höhere Kraftstoffpreise, das macht die ganze Logistik teurer, was wiederum zu steigenden Preisen in den Supermärkten und anderswo führen wird. Kann man in so einer Situation wirklich noch weitere Anstrengungen von den Bürgern fordern, wie es die Regierung mit dem Schnüren eines neuen Sparpakets vorhat? Für die Gewerkschaften ist die Antwort ein klares Nein. Der Druck auf unsere Politiker ist enorm, weiß La Dernière Heure.
L’Echo richtet den Blick auf die Europäische Zentralbank und glaubt: Die EZB wird heute aller Wahrscheinlichkeit den Leitzins auf 2,5 Prozent erhöhen. Das wird sie nicht gerne machen, aber die Weltwirtschaftslage mit einem Ölpreis von mehr als 100 Dollar pro Barrel und der dadurch weiter steigenden Inflation zwingt sie quasi dazu. Die EZB weiß aber auch, dass damit der letzte Schritt erreicht sein wird, bevor weitere Zinserhöhungen weitreichende Konsequenzen haben würden. Denn damit würde die EZB riskieren, die zarte Erholung der Wirtschaft, die zurzeit in Europa zu beobachten ist, im Keim zu ersticken, fürchtet L’Echo.
Programmierte Gewaltverherrlichung
Le Soir beschäftigt sich mit dem Krieg in der Ukraine und beobachtet: Anzeichen für ernstgemeinte Friedensgespräche gibt es zurzeit nicht. Alle Bemühungen in diese Richtung – wie zuletzt die Reise der beiden US-Sondergesandten nach Moskau und Kiew – sind viel zu vage, um wirklich Hoffnung zu verbreiten. Alles sieht also danach aus, als ob die Ukrainer sich auf einen weiteren Kriegswinter einstellen müssen, bedauert Le Soir.
Het Nieuwsblad kündigt an: Am kommenden Wochenende wird die PVDA das Festival Manifiesta in Oostende feiern. Als Star-Gast soll der amerikanisch-türkische Influenzer Hasan Piker reden. Das ist ein äußerst extremer Mann, der die Terroristen der Hamas verherrlicht und sogar die sexuelle Gewalt während des Überfalls auf Israel am 7. Oktober gut findet. Es ist verständlich, dass Verteidigungsminister Theo Francken mit dem Gedanken spielt, den Auftritt von Piker aufgrund des neuen Strafgesetzbuches zu verhindern. Aber das sollte er lieber lassen. Wenn die Regierung damit beginnt, bestimmte Meinungen und Veranstaltungen zu verbieten, begibt sie sich in totalitäres Fahrwasser. Und macht zudem die beste Werbung für das, was sie verbieten möchte, erinnert Het Nieuwsblad.
Kay Wagner