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Die Presseschau von Mittwoch, dem 9. September 2026

09.09.202608:51
Lehrerin vor Schulklasse
Illustrationsbild: © Arne Trautmann/PantherMedia

Gestern sind die jüngsten Ergebnisse der internationalen Pisa-Bildungsstudie veröffentlicht worden. Und auch wenn es regionale Unterschiede gibt, sind die Resultate insgesamt eine Hiobsbotschaft für Belgien. Entsprechend viel Platz nimmt das Thema ein auf den Titelseiten und in den Leitartikeln.

"Pisa: Abwärtstrend in Flandern und der FG – Schülerleistungen weiter gesunken", titelt das GrenzEcho zu den jüngsten Ergebnissen der internationalen Bildungsstudie. "Pisa: Das Niveau der Schüler stürzt ab", beklagt Le Soir. "Die schlechtesten Pisa-Resultate aller Zeiten", stöhnt De Morgen. "Eine Schülergeneration in Gefahr", warnt La Libre Belgique. "Schon wieder schneidet unser Unterricht schlechter ab: 'Der Durchschnittsschüler ist jetzt ein Sitzenbleiber'", liest man bei Het Laatste Nieuws. "Die Schule versagt", ist die große Überschrift bei La Dernière Heure.

Es ist eine Katastrophe, eine tickende Zeitbombe, klagt De Tijd in ihrem Leitartikel an: Schüler haben schon Probleme, Anleitungen zu verstehen, in einem Text Wichtiges von Unwichtigem und glaubwürdige Informationen von Unsinn zu trennen. Sie erfüllen nicht mal grundlegende Voraussetzungen, um mündige, erwachsene und flexible Bürger zu werden. Dabei werden Flexibilität und Widerstandsfähigkeit doch immer wichtiger angesichts der unaufhörlichen geopolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Schocks. Wir schicken immer mehr Jugendliche mit ernsten Defiziten raus in eine immer komplexere Welt. Wie sollen sie sich je darin zurechtfinden, wenn sie nicht mal einen Vertrag lesen, eine E-Mail verstehen, Phishing erkennen oder Rechnungen oder Schreiben von Behörden verstehen können?, rauft sich De Tijd die Haare.

Sprache hält alles zusammen

Von all den schlechten Pisa-Ergebnissen muss uns die Lesekompetenz am meisten Sorgen machen, meint De Morgen. Das soll nicht heißen, dass Naturwissenschaften und Mathematik unwichtig wären. Aber eine Sprache beherrschen ist nicht nur das Fundament für Lernen, sondern auch der Klebstoff, der alles zusammenhält. Wer nicht gut genug lesen kann, kann zum Beispiel komplexere Aufgaben nicht verstehen und lösen. Eine bessere Integration und das Erlernen der Landessprachen sind notwendig. Nicht aus nationalistischen Beweggründen oder wegen eines nostalgischen Strebens nach Homogenität, sondern weil eine geteilte Sprache die Grundvoraussetzung ist für Zusammenleben und Weiterentwicklung. Lange wurde dabei der Ansatz verfolgt, dass Lesen mehr Spaß machen muss. Das war falsch, so nobel die Idee dahinter auch war. Kinder müssen erst gut lesen können, bevor sie Spaß daran entwickeln können, kritisiert De Morgen.

Es ist ja nicht so, als ob Kinder und Jugendliche heute weniger intelligent wären als früher, hält Le Soir fest. Aber grundlegende Verhaltensweisen, die für das Lernen notwendig sind, gehen verloren. Längere Texte und komplexere Aufgaben werden zu immer größeren Problemen, die Schüler antworten zwar schneller, aber unpräziser, immer weniger lesen freiwillig, sie machen häufiger blau, die Ablenkungen im Klassenzimmer nehmen zu. Die Schulen sollen ihnen beibringen, sich zu konzentrieren, Informationen zu überprüfen und zu argumentieren. Und das in einer Gesellschaft, die immer mehr sofort Antworten ermuntert, frotzelt Le Soir.

Das Ruder kann herumgerissen werden

Das x-te schlechte Abschneiden bei der Pisa-Untersuchung hat das Land in eine kollektive Depression gestürzt, seufzt Het Belang van Limburg. Aber das Problem betrifft nicht nur uns, auch in anderen europäischen Ländern geht es abwärts, siehe Deutschland. Der Unterschied zu etwa den ehrgeizigen Chinesen ist vernichtend. Aber während der Befund eindeutig ist, sieht das bei den möglichen Ursachen ganz anders aus. Manche behaupten, dass die Latte in den 1990er-Jahren zu niedrig angelegt worden ist, andere verweisen auf Probleme mit den Landes- und damit Unterrichtssprachen, wieder andere heben das Smartphone als Konzentrations-Killer hervor. All das spielt wohl in der Tat eine Rolle. Die gute Nachricht ist immerhin, dass andere Länder beweisen, dass das Ruder durchaus herumgerissen werden kann. Und dass der Reichtum eines Landes nur bedingt eine Rolle spielt, betont Het Belang van Limburg.

Das Schiff des Bildungswesens treibt immer weiter in Richtung Eisberg, schlägt Het Nieuwsblad Alarm. Besonders die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen stechen ins Auge. Nicht, dass Mädchen besonders glänzen würden, aber sie sind zumindest nicht ganz so schlecht wie die Jungs. Das kann man auch nicht wegerklären mit pubertätsbedingten Reifeunterschieden, in anderen Ländern sind die Kompetenz-Unterschiede schließlich nicht so ausgeprägt. Noch erschreckender sind die Einstellungen: Ein Drittel aller Jungen hält Schule für Zeitverschwendung – gegenüber einem Fünftel bei den Mädchen. Wobei auch Letzteres natürlich erschreckend viel ist. Das ist auch nichts, was das Unterrichtswesen allein lösen könnte, hier sind definitiv auch die Eltern gefordert, unterstreicht Het Nieuwsblad.

Das ist eine allgemeine Warnung

Die Pisa-Resultate sind ein absoluter Tiefpunkt, kommentiert Gazet van Antwerpen. Naja, hoffentlich, natürlich kann es immer noch schlimmer werden. Und man muss wirklich festhalten, dass wir so tief gefallen sind, dass es Jahre dauern wird, wieder aus diesem Loch herauszukommen. Was sowieso nur klappen kann, wenn alle am gleichen Strang ziehen: Bildungswesen, Politik und Eltern, fordert Gazet van Antwerpen.

Die Pisa-Studie ist eine allgemeine Warnung, scheint La Libre Belgique in die gleiche Kerbe zu schlagen: nicht nur für die Schulen, sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Denn hinter den Statistiken verbergen sich Heranwachsende, die die Welt verstehen müssen, die darin als verantwortungsvolle Bürger leben und arbeiten müssen. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass hier die erste Generation heranwächst, die schlechter lernt als ihre Vorgänger. Das Problem ist global – und die Antwort beginnt bei uns allen, appelliert La Libre Belgique.

Boris Schmidt

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