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Die Presseschau von Freitag, dem 4. September 2026

04.09.202608:30
Mehrere Autos in einem Verkaufsraum
Illustrationsbild: Virrage Images/Smarterpix

Die Titelseiten und Leitartikel beschäftigen sich heute mit sehr diversen Themen. Dazu gehören etwa die Umstrukturierungspläne bei D'Ieteren, Europas Probleme mit Importen, Alkoholwerbung und die Folgen des Klimawandels. Außerdem geht es um den Einsatz von KI zu Propagandazwecken.

"Unerwartete Einigung bei Volkswagen: 50.000 zusätzliche Jobs weg und Todesurteil für vier deutsche Fabriken", meldet De Tijd auf Seite eins. "Automobilindustrie: VW beschließt großes Sparpaket" und "Umfassende Umstrukturierung - 344 Arbeitsplätze bei D'Ieteren bedroht", so das GrenzEcho. "D'Ieteren streicht trotz Rekordgewinn 344 Jobs: 'Der Automarkt ändert sich schneller als gedacht", schreibt De Standaard. "Auto-Importeur D'Ieteren streicht 344 Jobs weil Verkaufszahlen sinken - Milliarden in elektrische Autos gepumpt, aber Kunden ziehen nicht mit", so Het Laatste Nieuws. "'D'Ieteren wird vom Autoverkäufer zum Mobilitätsakteur werden'", fasst La Libre Belgique zusammen.

Jahrzehntelang war das Auto aus unseren Familien nicht wegzudenken, kommentiert L'Echo. Auch und gerade in Belgien. Denn Belgien war ein Vorzeigemarkt für Neuwagen. Dazu trug natürlich maßgeblich die steuerliche Begünstigung bei, die Firmenwagen attraktiver machte als Lohnerhöhungen. Das ging so weit, dass manche Belgien sogar als wichtige Quelle für Gebrauchtwagen für andere Märkte bezeichneten. Aber seit einigen Jahren ändert sich das: Neuwagen sind teurer geworden, die Elektrifizierung hat die Karten komplett neu gemischt, der steuerliche Rahmen für Firmenwagen wird angepasst und Menschen wollen andere Dinge tun mit ihrem Mobilitätsbudget. Die Folge: Weniger Neuwagen werden verkauft und die Autos auf unseren Straßen werden im Schnitt älter. Hinzu kommen neue Mobilitätsmodelle und -möglichkeiten. D'Ieteren hat das kommen sehen und begonnen, sich zu diversifizieren, hin zu einem breiteren Angebot von Mobilitätsdienstleistungen. Wenn der größte Autoverkäufer des Landes das macht, ist das ein Signal für den ganzen Sektor, hebt L'Echo hervor.

Der Anfang vom Ende der Naivität

2017 landeten am Flughafen Lüttich pro Belgier und Jahr 0,03 Pakete, so De Standaard. Heute sind es 110. Eine unglaubliche Explosion, die illustriert, wie vor allem chinesische Internetshops die europäische Offenheit ausnutzen. Aber so billig ihre Waren auf den ersten Blick scheinen, so heftig sind die verborgenen Kosten - fürs Klima, für unsere eigene Wirtschaft und nicht zuletzt für unsere Gesundheit, denn besorgniserregend oft werden europäische Normen nicht respektiert. Die Europäische Kommission hat gerade den Import von Geflügel- und Rindfleisch aus Brasilien untersagt. Der Grund: keine brasilianischen Garantien über die Einhaltung EU-Regeln über den Einsatz von Antibiotika. Solche Maßnahmen sind im Gegensatz zu den willkürlichen US-Zöllen auch kein Protektionismus. Sie sind der notwendige Anfang vom Ende der europäischen Naivität in puncto Freihandel. Freihandel darf kein Blankoscheck sein für den Import von Schund, wettert De Standaard.

La Libre Belgique kommt zurück auf die Debatte um die Änderung der Regeln für Alkoholwerbung: Statt "Der Missbrauch von Alkohol schadet der Gesundheit" heißt es nun "Alkohol schadet der Gesundheit". Eine Maßnahme, die den Horeca-Sektor auf die Barrikaden gebracht und auch diverse Politiker zu Gastspielen animiert hat, die wittern, dass die Regierung die Freiheiten und Rechte der Menschen ins Visier nehme. Dabei besteht seit Jahrzehnten nicht der geringste Zweifel daran, wie gesundheitsschädlich Alkohol ist. Und zwar nicht nur im Übermaß, sondern vom ersten Tropfen an. Es wäre also mehr als verantwortungslos, im Namen der sogenannten Geselligkeit die Hände in den Schoss zu legen. Alkoholkonsum bleibt möglich, dazu muss man nicht verlangen, dass die Gesellschaft die Augen verschließt vor dem hohen Preis, den manche dafür zahlen, giftet La Libre Belgique.

Wie oft noch?

Flandern hat eine neue Studie in Auftrag gegeben über die Folgen von Hitze und Überschwemmungen für das Gesundheitswesen, schreibt De Morgen. In zwei Jahren soll der entsprechende Bericht vorgelegt werden. Zugegeben, der Auftrag dafür wurde vor dem mörderischen Sommer erteilt. Aber trotzdem kann man nur den Kopf schütteln: Wie oft müssen wir denn bitte noch offiziell festhalten, dass unsere Städte Hitzefallen sind? Wie viele Berichte müssen noch verfasst werden mit Empfehlungen, wie die Auswirkungen der Hitze abgemildert werden können? Offenbar will die Regionalregierung einmal mehr das Rad neu erfinden, vielleicht in der Hoffnung, plötzlich wahnsinnig günstige Lösungen zu finden, anstatt tatsächlich mal etwas zu unternehmen? frotzelt De Morgen.

Wo bleiben eigentlich die Entschuldigungen?, fragt L'Avenir. Die Entschuldigungen der politisch Verwantwortlichen, die unsere Natur nicht geschützt haben vor dem unersättlichen Hunger nach Profit? Die sagen, dass das Wiederankurbeln der Wirtschaft und Haushaltsdisziplin wichtiger sind als Anpassungen an die Erderwärmung? Wie oft müssen wir denn noch wiederholen, dass Hitze tötet? Dass Belgien Europameister ist in puncto hitzebedingte Übersterblichkeit? Und was für Belgien gilt, gilt auch für viele andere rechte Regierungen in Europa. Und wo bleiben vor allem die Entschuldigungen der internationalen Konzerne? Big Oil, die Techkonzerne, der Auto-, Mode-, Agrar-, Tourismussektor und all die anderen - sie alle verfeuern in ihrer Gier unseren Planeten auf der Suche nach noch höheren Gewinnen. Sie graben die Erde um, um ihr auch noch die letzten fossilen Energieträger und Edelmetalle zu entreißen - und schaufeln damit unser Grab, prangert L'Avenir an.

KI-Bots im Visier der Propagandisten

Ganz anderes Thema bei Le Soir: Es gibt eine neue Masche, um Propaganda unters Volk zu bringen. Erster Schritt: ein nicht existentes Forschungsinstitut erfinden. Zweiter Schritt: darüber Artikel veröffentlichen. Dritter Schritt: besagte Veröffentlichungen gut sichtbar platzieren, damit ChatGPT und die anderen KI-Bots die Informationen absorbieren und in ihre Antworten integrieren. In nur neun Tagen hat Israel das vollkommen fiktive "Hanover Institute of Public Policy" 124 regierungsfreundliche Berichte über Gaza mit insgesamt über eine halben Million Worte schreiben lassen. Und es wäre naiv zu glauben, dass nur Israel sich dieser Taktik bedient. Staaten, Parteien, Unternehmen, Lobbyisten, Interessengruppen, sie alle haben ein ausgeprägtes Interesse daran, KI-Bots so zu manipulieren, dass sie ihre Sicht der Dinge verbreiten, resümiert Le Soir.

Boris Schmidt

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