"Hohes Venn: Mähmaschine im Auftrag der wallonischen Behörden mögliche Ursache des schweren Brands", liest man auf Seite eins von Gazet van Antwerpen. "Warum wurde im Hohen Venn gemäht bei extremer Brandgefahr?", fragt De Standaard. "'Der Vennbrand ist noch nicht gelöscht': Einsatzkräfte bleiben wachsam – RTBF befasst sich mit Ursache", fasst das GrenzEcho zusammen. "Venn – erhebliches Wiederaufflackern des Feuers: sechs Hektar verbrannt", melden die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. "Selbst ohne Flammen geht der Kampf im Hohen Venn weiter", unterstreicht Le Soir.
Die größte Gefahr für das Hohe Venn scheint vorbei, kommentiert La Libre Belgique. Und damit ist Zeit für die Ermittlungen. Erste Erkenntnisse gibt es bereits: Schuld am Brand könnte eine Landmaschine sein, die im Auftrag der wallonischen Natur- und Forstverwaltung Mäharbeiten durchgeführt hat. Aber es könnte noch Wochen oder sogar Monate dauern, bis wir Gewissheit haben. So viel Zeit dürfen sich die politisch Verantwortlichen allerdings nicht lassen. Schon Tage vor dem Feuer gab es zahlreiche und deutliche Warnungen, die anhaltende Trockenheit und die Hitzewelle hatten die Region in ein regelrechtes Pulverfass verwandelt. Einige politisch Verantwortliche hörten auf die Warnungen, andere nicht. Der Gouverneur der Provinz Luxemburg forderte seine Bürgermeister auf, Mäharbeiten zu verbieten. In der Provinz Lüttich passierte nichts Entsprechendes. Die Frage ist also, ob wirklich alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wurden. Eine umso dringendere Frage angesichts der Versäumnisse vor den Fluten von Juli 2021. Es reicht nicht mehr, sich um Katastrophen zu kümmern, wenn sie passieren, wir müssen lernen, sie zu antizipieren. Die Politik kann nicht mehr weiter nur auf das Beste hoffen, prangert La Libre Belgique an.
Regulierung der Sozialen Medien: Vorbild USA
Die meisten Zeitungen befassen sich allerdings mit dem Vergleich, den der Facebook- und Instagram-Mutterkonzeren Meta mit einer Gruppe amerikanischer Bundesstaaten geschlossen hat: Meta wusste, dass seine Produkte Kinder und Jugendliche abhängig machen, fasst L'Avenir zusammen. Meta hatte die entsprechenden Zahlen. Meta hatte sogar Lösungen. Aber es hat nichts gegen das Problem unternommen. Nun hat der Konzern einen Vergleich akzeptiert und wird 18 Milliarden Dollar zahlen. Und er wird die Beschränkungen für junge Nutzer deutlich verstärken. 18 Milliarden Dollar ist für Meta nicht viel, kaum ein Monat an Einnahmen. Viel wichtiger ist, dass die Firma akzeptiert, wogegen sie sich bisher verbissen gewehrt hatte: die Regeln zu ändern. Regeln, die Meta schon längst hätte ändern können. In den Vereinigten Staaten haben sich gerade Grenzen verschoben, was die Allmacht der Social-Media-Konzerne angeht. Auch für Europa wäre es an der Zeit, fordert L'Avenir.
Man hatte erwartet, dass Brüssel handeln würde, so Le Soir. Aber es war ein kalifornisches Gericht, das zugeschlagen hat. Es war die amerikanische Justiz, und wohlgemerkt nicht die US-Politik, der es gelungen ist, Meta zum Handeln zu zwingen. Der Vergleich zeigt, dass die Konzerne eine politische Grenze überschritten hatten: Der Schutz der Minderjährigen darf nicht länger dem unregulierten Streben nach Profit untergeordnet werden. Etwas, was die Plattformen bisher systematisch betrieben haben. Aber das grundlegende Problem bleibt ungelöst, nämlich eine Regulierung der Inhalte, die uns die Plattformen Tag für Tag servieren: Hass, Manipulation, Desinformation, gefährliche Inhalte, Verstärkung durch Algorithmen. Anders gesagt: Weniger in den Sozialen Medien verbrachte Zeit macht sie noch lange nicht zu einem gesünderen Ort, stellt Le Soir klar.
Was Europa versucht mit Gesetzgebung zu erreichen, läuft in Amerika oft über Schadenersatzforderungen, hebt De Tijd hervor. Juristisch betrachtet gelten die neuen Meta-Beschränkungen nur innerhalb der Vereinigten Staaten. Aber es ist wohl davon auszugehen, dass das Einknicken von Meta auch Folgen haben wird für die Diskussionen in anderen Ländern. Und das Ganze kann auch lehrreich sein, was unseren Umgang mit Künstlicher Intelligenz betrifft, hofft De Tijd.
Drogengewalt: Wo bleibt die Prävention?
La Dernière Heure befasst sich mit dem Kampf gegen die dramatisch eskalierte Drogengewalt in Brüssel: Jetzt will man die Polizei hochrüsten, man will Drohnen einsetzen gegen die Dealer und so weiter. Aber wo bleibt eigentlich die Prävention? Wer versucht, mit den 14-jährigen Jungs zu reden, bevor sie zu Handlangern der Drogenmafia werden? Wo ist die Schockkampagne auf allen Kanälen, auch auf TikTok und Snapchat? Eine Kampagne, um mit dem Marketing der Dealer zu konkurrieren, die dort Jugendliche rekrutieren? Wer versucht denn, gegen die Banalisierung von Kokain in allen Alters- und Bevölkerungsschichten vorzugehen? Prävention ist keine Bonusmaßnahme, um die man sich kümmert, wenn man irgendwann mal Zeit und Geld dafür hat. Sie ist der dritte Pfeiler im Kampf gegen die Drogen, neben Repression und Heilen, unterstreicht La Dernière Heure.
Iran: Die Welt büßt für Trumps Naivität
Es gibt Jubiläen, an die man lieber nicht erinnert werden will, ätzt Het Nieuwsblad in seinem Leitartikel: Zum Beispiel daran, dass es heute genau sechs Monate her ist, dass die Vereinigten Staaten und Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen haben. Trump hatte in seiner Naivität geglaubt, dass die militärische Übermacht das schnell regeln würde. Er war nicht der erste US-Präsident, der diesen Fehler gemacht hat, siehe Vietnam, siehe Irak. Trump hätte noch nicht mal in die Geschichtsbücher schauen müssen, ein Blick auf die Ukraine und Putins Fehleinschätzungen hätte gereicht. Aber Trumps Fehler hat viel weitreichendere Folgen als die seiner Vorgänger, er hat der regelbasierten Weltordnung den Todesstoß versetzt. Und Menschen auf der ganzen Welt büßen für seine Überheblichkeit, hält sinngemäß Het Nieuwsblad fest.
Boris Schmidt