"Hunderte Tote befürchtet", titelt Het Nieuwsblad. "Zahlreiche Todesopfer bei Sturzflut in Nepal", schreibt das GrenzEcho auf Seite eins. "Gewaltige Verwüstungen nach einer Sturzflut in Nepal und Tibet: Mehr als 150 Tote und 800 Vermisste", so die Schlagzeile von De Standaard.
Die Bilder von der Katastrophe sind wirklich beeindruckend. Aus dem Nichts trifft eine enorme Schlammwelle eine Ortschaft; das erinnert an einen Tsunami. Unter den Vermissten sind auch drei Belgier. Laut ersten Erkenntnissen soll es einen Gletscherabbruch im Himalaya gegeben haben.
Drogengewalt: Brüssel sucht den Schulterschluss
Einige Zeitungen beschäftigen sich auch weiter mit der Drogengewalt in Brüssel. "Die Behörden wollen geeint gegen die Drogenkriminalität vorgehen", titelt Le Soir. "Brüssel hofft, dass ein 'Gold Commander' die Ordnung wiederherstellt", schreibt De Tijd auf Seite eins. "50 zusätzliche Beamte und ein 'Gold-Commander' gehen in den Kampf gegen die Brüsseler Drogengewalt", so die Schlagzeile von Het Nieuwsblad.
Das ist das Ergebnis einer Sitzung des Regionalen Sicherheitsrats, der gestern zusammengekommen ist. Dies als Reaktion auf die jüngste Serie von Schießereien in der Hauptstadt. Wichtigste Entscheidung: Für die Bekämpfung der Drogengewalt soll die Polizei der sechs Brüsseler Zonen unter ein einheitliches Kommando gestellt werden, und dies dann unter der Leitung eines sogenannten "Gold-Commanders".
"Im Kampf gegen die Drogengewalt braucht die Hauptstadt jetzt eine wirkliche 'Union sacrée'", ist La Libre Belgique überzeugt. Konkret: Jetzt bedarf es einer massiven, multidisziplinären Mobilisierung. Wirklich alle, die etwas zur Lösung des Problems beisteuern können, müssen jetzt an einem Strang ziehen. Parteiübergreifend! Deswegen soll ein neuer Krisenstab geschaffen werden. Dort vertreten sind die Region Brüssel, die betroffenen Gemeinden, die zuständigen föderalen Minister für Inneres und Justiz, aber auch die Kollegen, die für die Bereiche Migration, Jugendhilfe, Gesundheit und Unterricht zuständig sind. Dieser Krisenstab darf aber am Ende nicht bloß eine weitere Arbeitsgruppe sein, eine unter sehr vielen. Nein! Ein solches Gremium ist das einzige Mittel, um dem Problem Herr zu werden. Denn niemand kann das Problem alleine lösen; im Kampf gegen die Drogenmafia müssen wirklich alle Rädchen ineinandergreifen.
Politische Aufarbeitung des Vennbrands: Ein Déjà-Vu?
L'Avenir beschäftigt sich mit der politischen Aufarbeitung des Vennbrands. Gestern hat sich ja der zuständige Ausschuss des wallonischen Parlaments erstmals mit der Katastrophe beschäftigt.
"Und täglich grüßt das Murmeltier", meint das Blatt zynisch in seinem Leitartikel. Gestern wurde man jedenfalls den Eindruck nicht los, all das schon mal gehört zu haben. Man muss nur ein paar Begriffe austauschen: Ersetzt man "Überschwemmung" durch "Naturbrand" oder "Sintflut" durch "Flammenmeer", dann bekommt man fast die exakte Kopie der Debatte von vor fünf Jahren über die Flutkatastrophe. Das mag brutal oder übertrieben klingen, aber man hätte sich doch etwas mehr Entschlossenheit gewünscht. Vor allem scheinen viele das eigentliche Problem vergessen zu haben: Die absolut notwendige Senkung der Treibhausgasemissionen und der ebenso zwingende Schutz der Biodiversität. Denn das Klima muss stabilisiert werden. Keine Technik dieser Welt kann uns vor künftigen Klimakatastrophen schützen. Im Grunde war das auch schon die wichtigste Lehre aus dem Vennbrand, bei dem selbst Löscheinsätze aus der Luft wie der buchstäbliche Tropfen auf dem heißen Stein wirkten. Die Natur ist aber leider aus vielen Parteiprogrammen nahezu verschwunden…
Bierbrauer sorgen für Irritationen
In Flandern sorgt eine Kampagne der Vereinigung belgischer Bierbrauer für Irritationen. Der Verband hat in einem offenen Brief scharfe Kritik an einem neuen Warnhinweis geübt, der künftig unter Bierwerbung stehen muss. Der da lautet: "Alkohol schadet der Gesundheit".
"Was ist denn daran falsch?", fragt sich sinngemäß De Standaard. Dieser Satz ist kein Angriff auf die belgische Bierkultur. Er entspricht einfach nur einer wissenschaftlichen Tatsache. Und die Bierbrauer übertreiben maßlos, wenn sie in diesem kleinen Sätzchen gleich einen Angriff auf die urbelgische Lebensart sehen. Niemand verbietet hier irgendwas. Nicht die Alkoholwerbung, und bestimmt nicht den Genuss von Alkohol. Aber nicht nur die Kampagne selbst ist irritierend, sondern auch die Art und Weise, wie sich Politiker vor den Karren der Brauer spannen lassen, wie der N-VA-Politiker Axel Ronse oder auch der CD&V-Vorsitzende Sammy Mahdi.
"Könnten wir die Emotionen mal bitte weglassen?", ereifert sich denn auch Gazet van Antwerpen. Wir haben da in den letzten Tagen die tollsten Aussagen gelesen. Da wurde fast so getan, als wäre ein geselliges Beisammensein künftig nicht mehr möglich. Wobei es schon seltsam ist, dass Geselligkeit offensichtlich definiert wird durch die Zahl der dabei konsumierten Getränke. Nein, geehrter Herr Mahdi, wir müssen künftig nicht bei Wasser und Brot leben! Und, geehrter Herr Ronse, nur zur Info: Bierbrauen bleibt in diesem Land auch künftig erlaubt. Indem sie so tun, als würde hier die belgische Bierkultur bedroht, wollen diese Leute nur ihrer Basis nach dem Mund reden. Es ist schon ein kräftiges Bierchen nötig, um so viel Populismus herunterzuspülen.
"So, so, die Bierbrauer fühlen sich also an den Pranger gestellt", giftet auch Het Nieuwsblad. An welchen Pranger denn? Hier geht es doch letztlich nur um eine wissenschaftliche Wahrheit: Alkohol schadet der Gesundheit. Punkt. Mehr ist das nicht. Es müssen nicht mal Fotos beigefügt werden, etwa von einer explodierten Leber, nach dem Vorbild der Zigarettenpackungen. Nein, es geht nur um einen simplen Hinweis unter einer Alkoholwerbung. Aber, mal ganz davon abgesehen: Ob solche Hinweise wirklich zielführend sind, das sei dahingestellt. Viele Bürger reagieren inzwischen allergisch darauf, wenn sie den Eindruck haben, dass der Staat sie bevormunden will. Solche Initiativen sind deshalb häufig sogar kontraproduktiv. Da kann man sich fragen, warum jeder an dieser Geschichte so viel Energie verschwendet...
Roger Pint