"Dolly Parton, die Königin des Country, ist tot", titelt nüchtern Gazet van Antwerpen. "Der größte Country-Star singt nicht mehr", schreibt traurig Het Belang van Limburg. "Mit Dolly Parton verliert die Welt ihren größten Country-Star", so die Schlagzeile von De Standaard. De Morgen nennt sie die "Country-Diva, die Glitter, Glamour und Aktivismus nicht scheute".
Die amerikanische Country-Legende Dolly Parton ist gestern im Alter von 80 Jahren gestorben. Dolly Parton war ein Phänomen. Sie setzte sich als Solosängerin in einer Welt durch, die damals weitgehend von Männern dominiert war. Und sie hatte einige Welthits: Zuallererst natürlich "Jolene" von 1973, aber auch "I Will Always Love You", das viele wohl vor allem in der Version von Whitney Houston kennen. Dolly Parton war aber auch bekannt für ihren Aktivismus und für ihre Großzügigkeit, wenn's um den guten Zweck ging: Sie engagierte sich für das Rote Kreuz und die Tierschutzorganisation PETA. Het Laatste Nieuws nennt sie denn auch die "Königin des Country und große Wohltäterin"...
Zwei Leichen und viele offene Fragen
Für Schlagzeilen sorgt aber auch die Affäre "Tyméo". Der fünfjährige Junge war Ende Juni in Onhaye, unweit von Dinant verschwunden. Seither wurde fieberhaft nach ihm gesucht. Am Montag wurde eine Kinderleiche entdeckt; vermutlich handelt es sich um den kleinen Tyméo. Gestern gab's aber eine weitere Wendung. Nicht weit vom ersten Fundort entfernt wurde auch die Leiche des Vaters des Jungen gefunden. "Zwei Leichen und keine wirklich privilegierte Spur", titelt L'Avenir. Kritik gibt es jetzt schon an den Polizei- und Justizbehörden: "Tyméos Mutter ist angewidert von den Ermittlungen", schreibt etwa La Dernière Heure.
"Kritische Fragen sind legitim", ist La Capitale überzeugt. Denn es gibt doch einige Feststellungen, die auf den ersten Blick unverständlich wirken. So wurden etwa die Leichen nur wenige Hundert Meter von dem Parkplatz entfernt entdeckt, wo das Auto von Vater Bryan abgestellt war. Warum wurden sie nicht viel früher gefunden, zumal sie ja noch nicht einmal vergraben waren? Was haben die 20 Ermittler, die auf den Fall angesetzt waren, genau gemacht? Wo haben sie gesucht? Diese Fragen sind durchaus berechtigt. Klar: Jetzt muss man erst mal der Trauer ihren Raum lassen. Aber es kommt der Tag, an dem wir Antworten erwarten dürfen…
Schwarzer Peter um die Drogengewalt
Einige Zeitungen beschäftigen sich auch weiter mit der eskalierenden Drogengewalt in Brüssel. "Mit dem Beschuss einer Polizeiwache wurde am Freitagabend eine weitere rote Linie überschritten", meint De Morgen in seinem Leitartikel. Im Augenblick vergeht keine Nacht mehr ohne eine Schießerei in der Hauptstadt. Wir sind buchstäblich nur noch Zentimeter von unschuldigen Opfern entfernt. Und da spricht eine RTBF-Reportage Bände. Darin ist zu sehen, wie Jean Spinette, der PS-Bürgermeister von Saint-Gilles, auf junge Drogendealer zugeht und ihnen empfiehlt, ihre Drogen bitte nicht vor den Augen der Polizei und der Medien zu verkaufen. Der Herr Spinette hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass es sich hier nicht mehr einfach nur um lokale Kleinkriminelle handelt, sondern um die Laufburschen von internationalen Drogensyndikaten. Wenn derselbe Jean Spinette später beklagt, dass man die Gemeinden mit diesem Problem alleine lässt, dann scheint er zu vergessen, dass seine Partei, die PS, in der Region Brüssel-Hauptstadt fast ununterbrochen an der Macht war. Es stimmt: Die PS kann ihrer historischen Verantwortung nicht entrinnen. Für die Flamen und auch für rechte Frankophone ist denn auch die Versuchung groß, den Sozialisten die Schuld zu geben für die Drogengewalt in Brüssel. Das wäre aber zu kurz gedacht. Dann müsste man ja auch Bart De Wever für die Drogengewalt in Antwerpen während seiner Amtszeit als Bürgermeister der Scheldestadt verantwortlich machen. Das Problem ist dann doch leider ein bisschen komplexer…
La Dernière Heure sieht das ähnlich. Klar: Der Auftritt von Jean Spinette, der das Internet heiß laufen ließ, war sicher kein Ruhmesblatt. Für viele mag sein Verhalten stellvertretend für die allzu zögerliche Haltung insbesondere der PS-Gemeindeverantwortlichen angesichts der Drogenproblematik in der Hauptstadt stehen. Das allerdings ist zu einfach. Die PS hat auch nicht ganz unrecht, wenn sie die Hilfe des Föderalstaates einfordert und darauf verweist, dass dort schließlich die rechten Parteien an der Macht sind. Die Wahrheit ist: Es gibt keine Patentlösung. Das Problem kann man nur in den Griff bekommen, wenn alle auf allen Machtebenen an einem Strang ziehen.
"Die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Parteien bringen uns keinen Schritt weiter", findet auch L'Avenir. Die Drogenkriminellen fragen nicht, wer in der jeweiligen Gemeinde an der Macht ist oder welche Polizei nun zuständig ist, die lokale oder die föderale. Die Lage ist zu ernst für derlei Schwarze-Peter-Spiele. Wir brauchen jetzt dringend einen nationalen Aktionsplan gegen die Drogenproblematik.
"Aus der Panzerfaust wird eine Wasserpistole"
Einige Leitartikler schließlich kommentieren die jüngste Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, der ja dem Iran die "vernichtendste Wirtschaftsoperation aller Zeiten" versprochen hat.
"'Zurück auf Anfang' könnte man sagen", analysiert La Libre Belgique. Im Grunde ist der nun von Trump erklärte "Wirtschaftskrieg" nur Ausdruck der strategischen Ratlosigkeit in Washington. Natürlich ist der Iran erheblich geschwächt; natürlich dürften neue Sanktionen der islamischen Republik erheblich zusetzen. Ob das aber das Regime in Teheran ins Wanken bringen kann, das gilt allgemein als höchst zweifelhaft. Der Krieg hat bislang kein Problem gelöst; er hat vielmehr das weltweite Chaos nur noch verschlimmert. Und was sind die amerikanischen Drohungen noch wert, wenn sie doch nur den ursprünglichen Zustand wiederherstellen?
"Hier wird aus der Panzerfaust eine Wasserpistole", frotzelt De Standaard. In Normalzeiten wären nach einer solchen Ankündigung eines US-Präsidenten die Börsen in den Keller gegangen, hätten sich die Staaten und die Unternehmen der Welt auf die verheerenden Auswirkungen eingestellt. Aber wir leben eben nicht in normalen Zeiten. Denn das Muster ist inzwischen bekannt: Erst spricht Donald Trump mit betont markigen Worten extreme Drohungen aus und packt damit eine gigantische Bazooka aus, um sehr schnell festzustellen, dass die Gefahr zu groß ist, sich in den eigenen Fuß zu schießen. Das Schauspiel endet schließlich genauso abrupt, wie es angefangen hat. Der Mann, der als der mächtigste Mann der Erde durchs Leben gehen möchte, erreicht damit allenfalls, dass seine Glaubwürdigkeit als geopolitischer Makler weiter demoliert wird.
Roger Pint