"Zehn Reformen, die die Schule umgestalten", kündigt Le Soir zum Schulanfang in der Französischen Gemeinschaft an. "Was sich alles zum Schulbeginn ändert", liest man auf Seite eins von La Libre Belgique. "Die großen Änderungen dieses Schuljahres", hat La Dernière Heure eine ähnliche Überschrift. "Ein Schulanfang mit immer weniger jungen Lehrern", beklagt L'Avenir. "Heißer Herbst droht: alte Konflikte zum neuen Schuljahr in der FG", titelt das GrenzEcho.
Das droht ein besonders holpriger Schulbeginn nach den Sommerferien werden, warnt L'Avenir auch in seinem Leitartikel. Und ja, es ist an der Zeit, den Dialog wieder anzukurbeln. Aber vor allem ist es Zeit, den Lehrerberuf wieder aufzuwerten. Und zwar nicht nur in finanzieller Hinsicht: Die Lehrer leiden schon lange unter pausenlos aufeinanderfolgenden Reformen und administrativen Zwängen, während sie weiter mit Infrastruktur aus dem letzten Jahrhundert klarkommen müssen. Wen soll es also bitte wundern, dass der Beruf immer weniger Menschen anzieht? Und dass immer mehr Lehrer das Handtuch werfen? Und nicht nur junge Lehrer wohlgemerkt. Ein Problem, das in den nächsten Jahren nur noch schlimmer zu werden droht, je prekärer der Beruf wird, prangert L'Avenir an.
Die Probleme und Lösungen betreffen uns alle
Lehrer können Leben verändern, hebt Le Soir hervor: Sie können Leidenschaft vermitteln, Vertrauen zurückgeben, Schwächen entdecken. Sie tragen auch die enorme Verantwortung, den Kindern das Rüstzeug mitzugeben, das sie zu aufgeklärten Bürgern macht. Der Lehrerberuf ist einer der wichtigsten unserer Gesellschaft, aber dieser noble Beruf zieht immer weniger Kandidaten an und die Lehrerzimmer bluten immer weiter aus. Dafür gibt es diverse Gründe: immer kürzere Aufmerksamkeitsspannen und damit immer schwieriger zu kontrollierende Klassen, immer präsentere Eltern, die sich in alles einmischen, die ständigen Reformen und das Gefühl, nicht mehr als eine budgetäre Stellschraube zu sein, immer weniger Ansehen und Respekt aus der Gesellschaft. Es ist ein gefährlicher Graben, der immer größer wird. Nie haben wir mehr verlangt von den Schulen. Umso dringender ist es, Lehrer wieder stolz auf ihren Beruf zu machen, den Mangel an Respekt anzugehen und sie besser zu schützen. Denn eine Gesellschaft, in der heute niemand mehr davon träumt, Lehrer zu werden, droht eine Gesellschaft zu werden, in der morgen auch keine Kinder mehr träumen werden, warnt Le Soir.
Es ist eine bittere Bilanz zum Beginn des neuen Schuljahres, scheint La Libre Belgique in die gleiche Kerbe zu schlagen: Noch nie hat der Respekt vor dem Lehrerberuf so harte Schläge einstecken müssen wie in letzter Zeit. Und zwar aus allen möglichen Richtungen. Es mangelt überall an Respekt: zwischen Exekutive und dem Terrain, zwischen Gewerkschaften und ihrer Basis, zwischen Eltern und Lehrern. Und das ist nicht erst seit gestern so. Die Schule ist und bleibt ein Schlüsselsektor für unsere Zukunft – die Probleme und ihre Lösungen betreffen uns alle, appelliert La Libre Belgique.
Die Drogenmafia will die Macht übernehmen
La Dernière Heure greift die deutliche Eskalation der Schusswaffengewalt in Brüssel in den letzten Tagen auf: Die Schießereien, die die Hauptstadt an diesem Wochenende erschüttert haben, könnten einen Wendepunkt darstellen. Denn dieses Mal ist ein Polizeikommissariat mit automatischen Waffen unter Feuer genommen worden. Es geht also nicht mehr nur um rivalisierende Banden, die sich gegenseitig bekämpfen, die Drogenmafia greift die Autorität des Staates selbst an. Es ist schwer darin irgendetwas anderes zu sehen als die versuchte Einschüchterung der Behörden, die Drogenhändler wollen zeigen, dass sie jederzeit zuschlagen können, wo und wie sie wollen. Es reicht auch nicht, ein paar Handlanger zu verhaften, so lange die Auftraggeber im Hintergrund weiter die Strippen ziehen und ihre Geschäfte machen können. Es geht den Kriminellen nicht mehr nur darum, Drogen verkaufen zu können, sie wollen die Macht übernehmen. Die Antwort der Justiz kann nur lauten: mehr Härte, fordert La Dernière Heure.
De Morgen befasst sich mit den flämischen Liberalen von Anders, der ehemaligen Open VLD: Der Vorsitzende der Partei, Frédéric De Gucht, versucht alles, um seine Partei als, ja, als "anders" zu positionieren. Einer seiner jüngsten diesbezüglichen Vorstöße ist, das Rauchverbot für Minderjährige zu lockern. Frei nach dem Motto: Rauchverbote schränken die Freiheit des Individuums ein. Was De Gucht, selbst eingefleischter Raucher, dabei geflissentlich ignoriert, ist, dass die Gehirne von Jugendlichen sich noch entwickeln, dass sie erst noch lernen müssen, wie der Hase läuft in dieser Welt, dass sie erst noch lernen müssen, Risiken richtig einzuschätzen. Es hat schon seine Gründe, warum die Tabakindustrie besonders junge Menschen ins Visier nimmt. Ihnen weniger Freiheit zu geben, um ungesund zu leben, ist deswegen auch keine Bevormundung, sondern sinnvoller Schutz, findet De Morgen.
Russland-China-Bedrohung: keine Science-Fiction
Ganz anderes Thema bei Het Laatste Nieuws: Es ist schon seltsam. Was in den letzten Jahrzehnten für den Klimawandel galt, gilt nun auch für die Kriegsgefahr in Europa. Je mehr davor gewarnt wird, desto weniger Effekt scheinen die Warnungen zu haben. Viele werden es gar nicht mitbekommen haben, aber die amerikanischen Geheimdienste haben erst kürzlich wieder davor gewarnt, dass Putin die Nato angreifen könnte, noch bevor der Ukrainekrieg zu Ende ist. Trump hat die Allianz stark geschwächt, außerdem hat er einen Großteil seines Arsenals im Nahen Osten verballert – eine Einladung an unsere Gegner. Was wenn Russland und China sich abstimmen? Was, wenn die Russen Europa angreifen, während die Chinesen eine Invasion von Taiwan starten? Das ist keine Science-Fiction. Nicht nur die Erde wird immer heißer, auch die Temperatur in der internationalen Politik steigt und steigt, so Het Laatste Nieuws.
Boris Schmidt