„Lage im Hohen Venn entspannt sich“, titelt das GrenzEcho. „Der Kampf der Feuerwehrleute im Hohen Venn“, schreibt La Libre Belgique in ihrem Aufmacher. „Minister Quintin verteidigt Vorgehen beim Vennbrand“, notiert Het Nieuwsblad auf Seite eins.
Das Interesse der Zeitungen am Brand im Hohen Venn nimmt langsam ab, was sich sowohl auf den Titelseiten als auch in den Leitartikel niederschlägt. Dort analysieren einige Kommentatoren die gestrige Debatte zwischen Innenminister Bernard Quintin und den Mitgliedern des Innenausschusses der Kammer. Het Nieuwsblad notiert: Die Strategie von Quintin wurde schnell klar. Einfach mal leugnen, dass Belgien schlecht vorbereitet gewesen sei auf so einen großen Brand. Quintin weiß genau, dass es in Krisensituationen viel bringt, viel zu reden, viele Details aufzuzählen und dadurch viele Fragen zu vermeiden. Diese Strategie ist gestern aber nicht aufgegangen. Zwar redete Quintin wirklich lange. Aber am entscheidendsten Punkt scheiterte seine Argumentation. Quintins Kernaussage war nämlich, dass Belgiens System zur Vorbereitung auf große Waldbrände vorschriftsmäßig funktioniert habe. Das war – wahrscheinlich ganz ungewollt – ein Eingeständnis, dass das System völlig versagt hat. Schnell wurde der Brand nämlich nicht eingedämmt, erinnert Het Nieuwsblad.
Es gibt viel zu verbessern
Het Belang Van Limburg hält fest: Zum Glück hat Quintin auch gesagt, dass es noch einige Dinge gibt, die verbessert werden müssen. Denn das stimmt natürlich. Es gibt viel zu verbessern. Was genau, das wollte oder konnte Quintin gestern nicht sagen. Wir hätten einige Vorschläge: ein nationaler Krisenplan mit klaren Kommandoketten muss her, eine Risikoanalyse, ausgebildetes Personal, Spezialmaterial wie zum Beispiel Löschflugzeuge, gemeinsame Übungen und Absprachen mit europäischen Nachbarländern. Auch Naturschutz, mehr Löschwasserpunkte, Evakuierungspläne und eine bessere Kommunikation gehören dazu. Hoffentlich machen sich unsere Politiker nach der Sommerpause schnell an die Arbeit, um diese und andere Verbesserungen rasch in die Wege zu leiten, wünscht sich Het Belang Van Limburg.
L’Avenir beschäftigt sich mit der Verurteilung von Grégory Lenoci zu 17 Jahren Haft. Lenoci hatte im vergangenen Sommer seinen Nachbarn fast totgeschlagen. Der Nachbar war wegen Kindesmissbrauchs in Haft gewesen, seit kurzem auf Bewährung wieder frei und soll sich an dem Stiefsohn von Lenoci vergangenen haben. Die Empörung, berichtet L’Avenir, gegen das harte Urteil entlud sich gestern noch im Gerichtssaal selbst. Aber die Richter haben völlig richtig entschieden. Zwar ist die Handlung von Lenoci emotional durchaus verständlich, trotzdem genauso inakzeptabel. In einem Rechtsstaat darf es keine Selbstjustiz geben. Das ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Die Richter haben dieses Prinzip gestern hochgehalten, lobt L’Avenir.
Grégory Lenoci und „Meister Thijs“
La Dernière Heure stimmt grundsätzlich zu, gibt aber auch zu bedenken: Der Verurteilte hatte vor seiner Tat öffentlich davor gewarnt, dass ihm bald die Sicherung durchbrennen werde. Denn obwohl er auf den möglichen Missbrauch an seinem Stiefsohn hingewiesen hatte, war nichts geschehen. Seine Psychologin hatte daraufhin sogar die Staatsanwaltschaft über die Drohungen Lenocis informiert. Eine Stunde vor der Tat waren noch zwei Polizisten bei ihm zu Hause. Das Drama hätte man verhindern können. 30 Jahre nach der Dutroux-Affäre läuft es einem kalt den Rücken herunter, wenn man sieht, wie leichtsinnig anscheinend weiter mit Hinweisen auf Kindesmissbrauch reagiert wird, schimpft La Dernière Heure.
In die gleiche Richtung kommentiert Het Laatste Nieuws: Das Urteil gegen Lenoci ist richtig. Frage aber, warum er die Höchststrafe von 17 Jahren bekommt, der Kinderschänder „Meister Thijs“ im vergangenen Jahr aber mit einer weitaus milderen Strafe davongekommen ist? Wiegt der nachweisliche Missbrauch an mindestens 16 Kindern im Alter von zweieinhalb bis fünf Jahren weniger schwer als die Tat von Lenoci, kritisiert Het Laatste Nieuws.
Mehr Europa jetzt!
Zur Lage in der Ukraine meint De Morgen: Europa muss dringend mehr tun, um der Ukraine zu helfen. Denn Putin fühlt sich gerade in der Lage, tun zu können, was er möchte. Weil die USA der Ukraine keine Luftabwehrraketen mehr liefern, zerstören russische Raketen fast ungehindert Ziele in der Ukraine. Deshalb muss Europa jetzt handeln. Zum Beispiel die Entwicklung des eigenen Raketenabwehrsystems Freyja beschleunigen und der Ukraine zur Verfügung stellen. Oder mehr humanitäre Hilfe und Katastrophenhelfer in die Ukraine schicken. Sichtbare politische Signale senden, zum Beispiel über ein hochrangiges Treffen in Kiew, um zu zeigen, dass Europa weiter fest an der Seite der Ukraine steht, fordert De Morgen.
Kay Wagner