"Vennbrand bleibt Herausforderung", unterstreicht das GrenzEcho auf seiner Titelseite. "Nach dem Feuer trifft ein Tornado Ostbelgien", greifen einige Zeitungen der Sudinfo-Gruppe die jüngsten Wetterkapriolen auf. "Belgien langsam bei Ermittlung der Ursachen von Bränden", beklagt Le Soir. "Neun Minister waren schon im März vor dem Risiko von Waldbränden gewarnt", so der Aufmacher von De Standaard. "Minister herbeizitiert nach Brand im Hohen Venn", blickt Gazet van Antwerpen voraus auf die für heute angesetzte Sitzung des Innenausschusses der Kammer.
Het Laatste Nieuws befasst sich in seinem Leitartikel mit den Reaktionen der Politik auf den Vennbrand: Das Klimagesetz der Vorgängerregierung wird auch unter der heutigen Regierung weiter ausgeführt. Zum Beispiel sind diverse neue Organe geschaffen worden, wenn auch noch nicht alle, die vorgesehen waren. Das sei auch legitim gewesen, wie der föderale Klimaminister Jean-Luc Crucke von Les Engagés unterstreicht. An Experten mangelt es dem Staat jedenfalls nicht, dafür noch weitere politische Energie aufzuwenden, scheint überflüssig. Das große Problem ist nämlich ein anderes: Wie auf dem Terrain mit dem Klimawandel und seinen Folgen umgegangen wird, kritisiert Het Laatste Nieuws.
Die übliche Bastelei wird nicht reichen
Für den Klimawandel gilt das Gleiche wie für den Haushalt, kommentiert De Morgen: Düstere Prognosen, die erst in fünf oder zehn Jahren Wirklichkeit werden sollten, sind schon jetzt schmerzlich aktuell geworden. Plötzlich brennt es haushaltstechnisch überall gleichzeitig. Genau das Szenario, das Experten seit Jahren vorhergesagt hatten. Es wäre intellektuell unehrlich, die Schuld für diesen Schlamassel allein der Föderalregierung zuzuschieben, wie es die Opposition versucht. Aber es wäre intellektuell genauso unehrlich, die Regierung De Wever von jeder Schuld freizusprechen, wie es die Mehrheit tut. Ja, die Regierung verdient Respekt für ihren Reformkurs. Aber auch sie hat Löcher im Haushalt versteckt hinter überzogenen Erwartungen, kämpft ständig mit internen Blockaden und trifft manchmal Entscheidungen, die mehr schaden als nutzen. Die Schlussfolgerung? Eine ideologisch einseitige Haushaltspolitik reicht nicht, es muss etwas passieren. Aber wer soll das schaffen? Die jetzige Regierung? Dafür bräuchte sie mehr Zusammenhalt, Energie und Mut, prangert De Morgen an.
Die Lage ist besorgniserregend, räumt La Libre Belgique ein. Aber die gute Nachricht ist, wenn man das mal so formulieren darf, dass sie die politisch Verantwortlichen und vor allem die Regierung dazu zwingt, die Staatsfinanzen zurück in die Spur zu bringen. Sie wird die Verantwortlichen zu politischen Kompromissen zwingen, sie wird zu Tabubrüchen führen, insbesondere, was die Ausgaben betrifft. Und die Märkte sind nicht dumm, die übliche Bastelei wird dieses Mal nicht reichen, warnt La Libre Belgique.
Eine kontraproduktive Asylpolitik?
Ganz andere Geschichte bei Le Soir: Seit Januar sind 68 Asylbewerber ohne Vorwarnung festgenommen und in geschlossene Zentren gebracht worden, als sie zu Terminen bei der Ausländerbehörde erschienen. Eine offensichtlich legale Praxis, wie der Kassationshof entschieden hat. Juristisch ist dabei demnach keine rote Linie überschritten worden. Aber macht es das wirklich besser? Es verstärkt jedenfalls das Misstrauen von Asylbewerbern dem Staat gegenüber, der sie doch eigentlich schützen soll. Wird die Angst vor einer plötzlichen Festnahme Menschen nicht dazu bringen, lieber unterzutauchen? Und damit erst recht in die Illegalität treiben?, fragt Le Soir.
Das Königshaus beweist Anpassungsfähigkeit
Andere Blätter beschäftigen sich aus gegebenem Anlass mit der königlichen Familie: Vor einem Jahr hat Prinz Laurent per Kommuniqué mitgeteilt, dass er der biologische Vater von Clément Vandenkerckhove ist, erinnert L'Avenir. Ein außerehelich geborener Sohn mit der flämischen Medienpersönlichkeit Iris Vandenkerckhove, Künstlername von Wendy Van Wanten, mit der Laurent eine Beziehung hatte, bevor er seine Frau Claire heiratete. Nun ist bekanntgeworden, dass Laurent Clément auch standesamtlich und damit gesetzlich anerkennen lassen hat, womit Clément zu einem Prinzen von Belgien geworden ist. Und das ohne Schlammschlacht in den Medien, ohne Forderungen, ohne Kräftemessen. Im Gegensatz zu Delphine musste Clément keine Türen eintreten, sie haben sich für ihn geöffnet. Ja, das belgische Königshaus wird immer eine von Traditionen bestimmte Institution bleiben. Aber es zeigt, dass es mit der Zeit gehen und sich an eine veränderte Gesellschaft anpassen kann, lobt L'Avenir.
Belgien hat einen Prinzen mehr, schreibt Gazet van Antwerpen. Er heißt Clément und ist 26 Jahre alt. Der letzte Neuzugang unter den belgischen Prinzen und Prinzessinnen war Delphine. Sie war 52, als sie 2020 Prinzessin wurde. Clément musste zwar nicht um seine Anerkennung kämpfen wie Delphine, aber auch er blieb jahrelang im Dunkeln über seine Herkunft. Niemand verdient so eine Behandlung, so etwas sollte im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr passieren, auch nicht in einem Königshaus. Die Zeiten, in denen Royals makellos sein mussten und damit zur Scheinheiligkeit gezwungen wurden, sind doch vorbei. Wenn sie weiter eine nennenswerte Rolle spielen wollen, müssen die Königshäuser endlich aufhören, Kinder zu verleugnen. König Philippe hat das glücklicherweise verstanden: Er war der erste, der seine Halbschwester Delphine im Palast empfangen hat. Vielleicht wird das auch mit Clément passieren. Nur die Zeit wird zeigen, wie es weitergehen wird mit der Monarchie als Institution. Aber eine Familie, die niemanden ausschließt, ist in jedem Fall ein besseres Vorbild für die Bevölkerung, als eine, die versucht, schwarze Schafe zu verstecken, hält Gazet van Antwerpen fest.
Boris Schmidt