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Die Presseschau von Mittwoch, dem 19. August 2026

19.08.202609:13
Ausgebrannte Moorlandschaft im Hohen Venn
Bild: Romain Rixhon/Belga

Das wichtigste Thema für die Titelseiten und Leitartikel bleibt der Vennbrand. Und auch heute wieder gibt es scharfe Kritik beziehungsweise viele Fragen an die politisch Verantwortlichen. Aber auch die Arbeit der vielen Freiwilligen und die europäische Unterstützung werden aufgegriffen.

"Vennbrand: großer Kampf der Einsatzkräfte – Feuer weitgehend eingekreist – Glutnester bleiben aktiv – Ferienbetriebe spüren die Folgen", titelt das GrenzEcho auf Seite eins. "Der Regen kam wie gerufen", schreibt Het Nieuwsblad zur leichten Entspannung der Lage gestern. "Eine Frage nach der anderen: Wie konnte ein kleiner Brand so groß werden? Hat die Politik Fehler gemacht bei der Handhabung der Krise? Ist die Feuerwehr ausreichend ausgerüstet?", fragt Le Soir. "Hinter den Flammen Fragen", hebt auch L'Avenir hervor. "Zentrum für Klima-Risiko: 'Naturbrände müssen eine Priorität für die Politik werden'", liest man bei De Morgen.

Es war einmal ein Fünkchen, das den vom völlig verrücktspielenden Sommer ausgetrockneten Torf in Brand setzte, formuliert La Dernière Heure seinen Leitartikel in Form eines Märchens über das Hohe Venn. Der Hofstaat, voller Empathie, beeilte sich, Präsenz zu zeigen, sei es per Tweet oder vor Ort. Wobei diejenigen, die gestern noch den Rotstift beim Budget der Prävention ansetzten, plötzlich den Sinn des Eingreifens erkannten. Die Opposition derweil empörte sich lauthals über die vielen Einsparungen, für die sie gestern noch mitgestimmt hatte. In einer bisher ignorierten Ecke des Venns runzelte ein alter, weiser Mann die Stirn. Dreißig Jahre war er ein Rufer in der Wüste gewesen, wie so viele andere Experten. Er hatte genau beschrieben, was passieren würde. Endlich reichte ihm jemand ein Mikrofon und hörte man ihm zu, wie einem Propheten. Nur um ihn dann wieder in die Abstellkammer zu stellen, bis zur nächsten Katastrophe, ätzt La Dernière Heure.

Wo bleibt der politische Mut?

Morgen kommt der Innenausschuss der Kammer verfrüht zusammen, um über den Vennbrand zu sprechen, kommentiert Het Nieuwsblad. Es mag zwar zynisch klingen, aber hoffentlich muss die Feuerwehr noch lange nachlöschen. Denn das würde den Druck aufrechterhalten, strukturelle Maßnahmen zu beschließen, um künftige Katastrophen zu verhindern. Das Dringlichkeitsempfinden der Politik ist sonst sehr flüchtig. Weil dass strukturelle Maßnahmen unerlässlich sind, ist eindeutig. Das aber würde Eingreifen erfordern mit langfristiger Planung. Und darin sind unsere Politiker wahrlich keine Meister. Wir können wirklich nur hoffen, dass die Regierung es dieses Mal begreift und ausreichend investiert. Denn die finanziellen Folgen der Klimakatastrophen sind viel größer als alle potenziellen Einsparungen, warnt Het Nieuwsblad.

Trotz all des Rauchs über dem Hohen Venn ist eines sonnenklar, frotzelt Het Belang van Limburg: Niemand will politisch das Ruder übernehmen in Sachen Klima, die meisten Politiker scheinen sich lieber zu verkriechen. Oder haben sie Angst vor den Reaktionen? Dabei wird doch gerade in Krisen deutlich, was Menschen politisch wert sind. Aber wir sehen vor allem einen Mangel an politischem Mut, beklagt Het Belang van Limburg.

Wenn es doch nur so einfach wäre…

Man muss schon fast Bewunderung empfinden für die Kreativität der Menschen, die den Klimawandel immer noch leugnen beziehungsweise nicht sehen wollen, schreibt De Morgen: Jedes Mal, wenn man glaubt, dass die Fakten jetzt doch wirklich unumstößlich sein müssten, legen sie wieder nach. Und das sind auch keine unschuldigen rhetorischen Spielchen mehr. Der Vennbrand illustriert das wieder gut: Früher habe es doch auch schon gebrannt, sagen sie. An vielen Natur- und Waldbränden seien Menschen schuld. Einfach alle Brandstifter festnehmen und das Problem sei gelöst. Wenn es doch nur so einfach wäre. Die entscheidende Frage ist natürlich, warum so große Bereiche der Natur so viel anfälliger für Brände geworden sind. Darauf gibt es nur eine Antwort: Klimawandel. Dass manche Normalbürger lieber an Brandstifter glauben, mag ja noch verständlich sein. Aber wenn politische Führer das behaupten, ist das ein Problem. So wie MR-Chef Georges-Louis Bouchez. Er schiebt die Schuld lieber Brandstiftern zu, um keine lästigen Schlussfolgerungen ziehen zu müssen. Glaubt er wirklich, so die Herausforderungen des Klimas lösen zu können? Diese Art von Signalen auszusenden ist im besten Fall kontraproduktiv. Eine widerstandsfähigere Gesellschaft beginnt bei politischen Führern, die Risiken nicht mehr leugnen, prangert De Morgen an.

Hilfe gibt es nicht umsonst

L'Avenir beschäftigt sich mit dem Beitrag, den Freiwillige zur Bewältigung der Klimakatastrophen leisten: Es gibt Menschen, die zum Beispiel mit ihren Baumaschinen geholfen haben, die Folgen der großen Überschwemmungen zu beseitigen und die immer noch auf Entschädigungen warten für den verbrauchten Treibstoff und notwendige Instandhaltungsarbeiten. Beim Vennbrand sieht man ebenfalls wieder, wie Landwirte, Spediteure und andere der Feuerwehr zu Hilfe geeilt sind. Aber auch hier ist die bisherige Bilanz in puncto Entschädigungen für den Aufwand bisher mager. In den nächsten Monaten und Jahren werden wir uns zweifelsohne weiteren Klimakatastrophen gegenübersehen. Hier sollte also dringend nachgebessert werden, fordert sinngemäß L'Avenir.

Le Soir blickt auf eine andere unverzichtbare Quelle von Hilfe, den EU-Zivilschutz-Mechanismus: Weil Belgien nicht über eigene Löschflugzeuge und -Helikopter verfügt, hat es diesen Mechanismus von Anfang an in Anspruch genommen. So wie im Juli auch schon Frankreich und Spanien. Der Mechanismus sorgt nicht nur dafür, dass die 27 Mitgliedsstaaten ihre Ressourcen teilen, sondern stellt auch eine europäische Reserve von 22 Flugzeugen und fünf Helikoptern zur Verfügung. Aber all das gibt es natürlich nicht umsonst, es wird aus den Mitteln des europäischen Mehrjahreshaushalts bezahlt. Für den nächsten Haushalt will die Europäische Kommission die entsprechenden Mittel verdreifachen. Das würde höhere Beiträge für die Mitgliedsstaaten bedeuten. Dagegen sperren sich diverse Staaten, darunter auch Belgien. Aber man kann nicht einerseits von Europa fordern, beim Löschen von Bränden zu helfen und gleichzeitig nicht bereit sein, seinen Beitrag zu leisten, kritisiert Le Soir.

Boris Schmidt

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