"König besucht Einsatzkräfte – Kabelwerk als Drehscheibe – Evakuierte aus Sourbrodt dürfen zurück – Das Feuer bleibt unberechenbar", titelt das GrenzEcho zum Großbrand im Hohen Venn. "Die Heimsuchung: Belgien sieht sich einem der schlimmsten Feuer seiner Geschichte gegenüber, Montagabend war das Feuer immer noch nicht unter Kontrolle", schreibt L'Echo. "Ein ungleicher Kampf: Der Brand im Hohen Venn flackert immer wieder auf", fasst De Standaard zusammen. "Brand verlangsamt, aber nicht unter Kontrolle", unterstreicht Het Belang van Limburg. "'Mehr Löschflugzeuge wären nützlich, aber was wir wirklich brauchen, sind ein paar Tage Regen'", ist die Überschrift bei De Tijd. "Darf das Klima jetzt endlich zu einer Priorität werden?", prangert De Morgen an.
Ohrenbetäubendes Schweigen aus der Politik
Seit Ende Mai folgt in Belgien eine Hitzewelle auf die andere, erinnert La Libre Belgique in ihrem Leitartikel. Jetzt sind im Hohen Venn Tausende Hektar verbrannt. Angesichts dieser Lage sind Emotionen und manchmal auch Wut legitim. Aber das reicht nicht. Genauso wenig wie die diversen Phrasen, die man in den letzten Tagen aus der Politik hört, solche Aussagen ersetzen keine echte Politik. Das große Problem ist, dass solche Krisen als isolierte Ereignisse betrachtet werden und dass schnell wieder zu anderem übergegangen wird, es ist eine endlose politische Leier. Dabei könnte so viel getan werden – und nicht alles muss immer viel kosten. Aber ja, es bräuchte den politischen Willen und ein methodisches Vorgehen. Beides vermisst man derzeit, kritisiert La Libre Belgique.
Die diversen Hitzewellen, die verheerende Übersterblichkeit, der größte Venn-Brand in der Geschichte des Landes – aber die Politik bleibt sehr, sehr still, schreibt De Standaard. Dabei wird doch immer deutlicher, dass die Wirklichkeit die Politik überholt hat. Die Zersplitterung der Zuständigkeiten führt auch zu einer Zersplitterung der Verantwortung. Für Politiker ist die Klimakrise ein echter Albtraum: Die Früchte einer effizienten Politik werden nämlich erst künftige Generationen pflücken können, während die Rechnung schon bei den nächsten Wahlen präsentiert wird. Aber wer weiß, vielleicht wäscht der Regen die Dringlichkeit ja schnell weg und spielt der Nachrichtenzyklus wieder ein anderes Lied. Untersuchungen belegen, dass viele Menschen auch noch immer keinen zwingenden Zusammenhang herstellen zwischen Klimakatastrophen und Klimapolitik. Erst wenn genug Wähler das tun, können sich Politiker nicht mehr erlauben, sich weiter zu verstecken, unterstreicht De Standaard.
In diesem Ausnahmesommer der Hitzewellen, Trockenheit und Brände gibt sich die Politik erstaunlich diskret, scheint Le Soir in die gleiche Kerbe zu schlagen. Politiker, die sonst zur Tat schreiten, beschränken sich auf Statements, die Regierungen haben Haushaltsdisziplin und das Ankurbeln der Wirtschaft zu ihren Prioritäten gemacht. Das ist berechtigt. Aber wo bleiben die Klimaprobleme? Wo bleibt die Prävention? Schließlich geht es nicht nur um Umweltaspekte, es geht auch um schwere sozioökonomische, menschliche, gesundheitliche, energetische und landwirtschaftliche Folgen, hebt Le Soir hervor.
Die Versuchung scheint zu groß
Es ist ja schön und gut, dass sogar die Polizei mit ihren Wasserkanonen den Großbrand bekämpft, merkt De Morgen an. Aber es ist vor allem ein schreiendes Beispiel für unsere Machtlosigkeit und schlechte Vorbereitung. Das ist, als ob wir mit Pfeil und Bogen gegen Feuerwaffen kämpfen müssten. So dankbar wir allen Hilfswilligen auch sein müssen, das darf einer nüchternen Bewertung der Lage nicht im Weg stehen. Die Diagnose ist auch nicht wirklich kompliziert: Belgien ist nicht vorbereitet auf die nicht besonders neue Realität des Klimawandels, die nun auch konkrete Risiken und Folgen mit sich bringt. Und das trotz zahlreicher Warnungen in der Vergangenheit. Und Schuld daran sind alle Zentrumsparteien, von links bis rechts, sie alle haben beigetragen zu den Versäumnissen, wenn sie an der Macht waren, so das Urteil von De Morgen.
Es gibt Zeiten, da muss man sich für das Verhalten unserer Gewählten wirklich fast schämen, finden die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. Der Brand im Hohen Venn ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sie versuchen, politisch Kapital aus der Katastrophe zu schlagen. Parteien, die sich auf ihre Erzfeinde stürzen, obwohl sie davor selbst an der Macht waren, Regierungen, die ihre Vorgänger angreifen, obwohl sie selbst kaum etwas verbessert haben, Politiker, die die Investitionen in die Landesverteidigung anprangern. Nur um ganz deutlich zu sein: Die Verantwortlichen für diese Krise findet man in allen Parteien – mit Ausnahme von Ecolo: Die frankophonen Grünen sind immer kohärent gewesen beim Kampf gegen die Klimaherausforderungen, stellt Sudinfo klar.
Dieser Brand muss vor allem ein Weckruf sein, ärgert sich Het Belang van Limburg. Keine Entschuldigung für hohle Slogans oder Stichflammenpolitik. Aber offensichtlich ist die Versuchung für manche Politiker einfach zu groß.
Die Antwort muss global sein
Politikern, die behaupten, dass wir uns zwischen Lösch- und Kampfflugzeugen entscheiden müssen, sollte man kritisch auf den Zahn fühlen, meint Het Laatste Nieuws. Groen und die PTB haben das jüngst simultan getan. Damit wollen sie uns zu einer moralischen Entscheidung zwingen: Wollen wir die Natur retten oder Kriegsgerät kaufen? Aber das ist ein falsches Dilemma. Während sich die Bürger fragen, was unsere Armee von Klimaministern eigentlich treibt, stehen unsere Soldaten an vorderster Front im Kampf gegen das Feuer. Militärische Sicherheit und Klimawandel sind untrennbar miteinander verbunden, unsere Landesverteidigung spielt an beiden Fronten eine Hauptrolle, ist Het Laatste Nieuws überzeugt.
Das Feuer zeigt, wie verwundbar wir sind angesichts des Klimawandels, kommentiert L'Echo. Und es zeigt, wie dringend bessere Vorausplanung, Koordination und Anpassung der Behörden wären. Aber es wäre zu einfach, den Schwarzen Peter nur der Obrigkeit zuschieben zu wollen. Auch die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft müssen eine Rolle spielen. Diese Brände sind ein Test für unsere kollektive Fähigkeit, uns an ein Klima anzupassen, das sich schon verändert hat. Die Herausforderung ist global, unsere Antwort muss es ebenfalls sein, fordert L'Echo.
Boris Schmidt