„Die Antwerp Pride ist mehr als ein Fest“, titelt De Morgen. „Antwerp Pride stellt bröckelnde Unterstützung fest“, notiert De Tijd auf ihrer Titelseite. „Wir können nicht mehr Hand in Hand in Antwerpen herumlaufen“, zitiert Gazet van Antwerpen auf Seite eins die beiden Männer, die die allererste Homo-Ehe in Belgien gefeiert hatten.
Zum heutigen Höhepunkt der Antwerp Pride mit einem großen Umzug durch die Stadt gehen auch einige Leitartikler auf diese Demonstration der LGBTQ+-Bewegung ein.
Gazet van Antwerpen bemerkt: Es ist unsinnig zu denken, dass von der LGBTQ+-Gemeinschaft eine Gefahr ausgehen könnte. Trotzdem versuchen bestimmte Kreise, das so darzustellen. Das Klima für die Bewegung ist wieder rauer geworden. Jeder dritte junge Flame zwischen 17 und 24 Jahren gibt an, lieber keinen Freund aus der LGBTQ+-Gemeinschaft haben zu wollen. Rechtsextremen Kreisen war die Gemeinschaft schon immer ein Dorn im Auge. Und auch unter Moslems – das muss auch mal laut ausgesprochen werden – ist es für die Gemeinschaft schwierig, Akzeptanz zu finden. Laut einer Expertengruppe des Europäischen Parlaments gibt es sogar eine aktive Anti-Genderbewegung in Europa, die unter anderem durch russische Akteure und christlich-konservative Organisationen finanziert wird. Das Motto der Antwerp Pride „fearless“ – also furchtlos – ist deshalb nicht umsonst gewählt. Es bleibt zu hoffen, dass so ein Motto eines Tages überflüssig wird, wünscht sich Gazet van Antwerpen.
Zurück zu den Wurzeln
Het Nieuwsblad stellt fest: Die ganze Kommerzialisierung der Pride, wie sie in Antwerpen so deutlich festzustellen ist, tut den Anliegen der LGBTQ+-Gemeinschaft nicht gut. Das ursprüngliche Ziel der Pride, nämlich Protest und Forderung nach gleichen Rechten, geht dadurch verloren. Das muss sich wieder ändern, denn die Zeiten haben sich auch geändert. Die Rechte der LGBTQ+-Bewegung sind wieder bedroht. Die Pride muss zu ihren Wurzeln zurückkehren und wieder kämpferischer werden, glaubt Het Nieuwsblad.
La Dernière Heure kommentiert zum Gedenken an das Grubenunglück von Bois du Cazier: Heute vor genau 70 Jahren sind 262 Menschen in den Schächten des Steinkohlebergwerks in Marcinelle gestorben. 136 Italiener, 95 Belgier, Polen, Griechen, Franzosen und Deutsche. Das vereinte Kohle-Europa, gemeinsam gestorben, 1.000 Meter unter der Erde. Das Unglück mit den meisten Toten der belgischen Geschichte. Kriege nicht mitgezählt. Doch wer erinnert sich heute noch an diese Tragödie? Wer hätte vor dem heutigen Tag etwas damit anfangen können? Es ist ein gesellschaftliches Versäumnis, das Gedenken an diese Katastrophe als Teil der Geschichte unseres Landes nicht gepflegt zu haben, bedauert La Dernière Heure.
Schädlich für Kinder und Jugendliche
De Standaard überlegt, welche Konsequenzen aus dem Sommer mit vielen Bränden und Hitzerekorden gezogen werden sollte: Die Erfahrungen, notiert die Zeitung, der vergangenen Wochen und Monate eröffnen eine Chance. Denn jeder hat in diesem Sommer bemerkt und am eigenen Leib erfahren, dass die Auswirkungen des Klimawandels sich nicht nur irgendwo anders abspielen, sondern bei uns selbst. Und dass gemeinsames Handeln in Sachen Klimapolitik nötig ist, um als Gesellschaft so gut wie möglich darauf zu reagieren. Es bleibt zu hoffen, dass unsere Entscheidungsträger diese Chance nutzen, wünscht sich De Standaard.
De Tijd bemerkt zur Verurteilung des Meta-Konzerns im US-Bundesstaat New Mexico: Die Richter sehen es als erwiesen an, dass die Algorithmen von Facebook und Instagram, die beide zu Meta gehören, süchtig machen und deshalb schädlich für Kinder und Jugendliche sind. Das Urteil erinnert an die ersten Urteile gegen die Tabak-Industrie. Auch Rauchen wurde ja lange Zeit als problemlos eingeschätzt, bis dann durch Prozesse die Schädlichkeit des Tabakkonsums ersichtlich wurde. Dass Betreiber von Sozialen Medien durch Urteile wie jetzt in den USA in die Schranken gewiesen werden, weil ihre Produkte schädlich für die Gesellschaft sind, ist nur zu begrüßen, freut sich De Tijd.
Ehrlicher Modus
L’Avenir beschäftigt sich mit Mark van Bommel, der gestern als neuer Fußballnationaltrainer vorgestellt worden ist und führt aus: Immer, wenn ein neuer Trainer der Roten Teufel sein Amt antritt, führt das auch zu sprachpolitischen Debatten. Das ist bei van Bommel nicht anders. Leider, so muss man sagen. Denn diese Debatten sind überflüssig. Beim Fußball sollte der Sport im Vordergrund stehen, die Leistung der Mannschaft auf dem Platz. Daran sollten Trainer der Roten Teufel gemessen werden –nicht an ihren Sprachkenntnissen, erinnert L’Avenir.
Het Belang van Limburg meint zum Start der nationalen Fußballmeisterschaft: An diesem Wochenende beginnt eine historische Saison. Erstmals seit 2009 wird der Meister wieder ohne Play-off-Spiele ermittelt. Wer nach 34 Spielen die meisten Punte hat, hat gewonnen. Viele empfinden das als einen ehrlicheren Modus. Damit haben sie auch recht. Aber ohne Play-offs gibt es auch weniger Spiele unter den Top-Mannschaften. Wodurch sich das Niveau unserer Meisterschaft nicht verbessern wird, bedauert Het Belang van Limburg.
Kay Wagner