„Zwei Drittel aller Autofahrer fahren zu schnell in einer 30er-Zone“, titelt Het Laatste Nieuws. „Belgier sind Meister beim Missachten der Höchstgeschwindigkeit“, heißt es im Aufmacher von La Dernière Heure. „Auf Autobahnen blitzt Polizei erst ab 129 Stundenkilometern“, so die Schlagzeile von L’Avenir.
Das Verkehrsinstitut Vias hat die Ergebnisse einer Studie zur Geschwindigkeit von Autofahrern in Belgien veröffentlicht. Rund ein Viertel aller Autofahrer hält sich demnach nicht an die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten. In den 30er-Zonen sind es sogar knapp zwei Drittel.
Dazu kommentiert La Dernière Heure: Ein Autofahrer, der mit 119 Stundenkilometern durch eine Zone 30 rast! So etwas hat Vias bei der Studie erlebt. Da läuft es einem kalt den Rücken runter. Das hat nichts mehr mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung zu tun. Das ist ein krimineller Akt, begangen bei vollem Bewusstsein. Denn spätestens seit dem Karnevalsdrama von Strépy müsste doch jeder wissen: Nur wenige Sekunden der Unachtsamkeit können ganze Familien zerstören. Trotzdem denken immer noch einige, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen nur für andere gelten, nicht für sie. Schlimm, ärgert sich La Dernière Heure.
Kaum sexy, aber…
L’Echo feiert den neuen Höhenflug des Aktienindex Bel20 der Brüsseler Börse: Nichts weniger als einen neuen Rekordwert hat der Bel20 gestern erreicht. Das zeigt, dass das gute Klima an den Börsen weltweit auch bis zu uns durchdringt. Zu einem Index, der für viele kaum sexy scheint, da er keine Tech-Aktien führt. Aber dafür besticht der Bel20 mit vielen Werten, die sich als durchaus solide und widerstandsfähig auch in Zeiten internationaler Spannungen erweisen. Für einige Anleger sind das Trümpfe, die den Bel20 für sie interessant machen, weiß L’Echo.
De Morgen macht sich Gedanken zur Antwerp Pride, die morgen mit dem Umzug durch die Stadt ihren Höhepunkt erreichen soll: Weitaus nicht alle, um die es bei dieser Veranstaltung für LGBTQ+-Menschen gehen soll, sind mit der starken Kommerzialisierung der Pride einverstanden. Die hat dieses Jahr fast schon extreme Ausmaße angenommen. Viele LGBTQ+-Menschen zweifeln mittlerweile schon, ob das überhaupt noch ihre Veranstaltung ist. Aber auch die Gemeinschaft untereinander ist zerstritten. Trans-Menschen fühlen sich zum Beispiel schlecht repräsentiert, Homo-Gruppen wollen nicht zusammen mit Fetischisten herumlaufen. Trotz all dieser Bedenken bleibt die Pride aber eine Möglichkeit für die LGBTQ+-Gemeinde, auf sich und ihre Belange aufmerksam zu machen. Diese Chance sollte nicht vertan werden, rät De Morgen.
Umdenken, bitte!
De Standaard beobachtet zu der Meldung, dass junge Menschen unter 25 Jahren immer schwieriger einen festen Arbeitsplatz finden: Unter diesen jungen Menschen befinden sich immer mehr Hochschulabsolventen. Der Arbeitsmarkt widerlegt damit das jahrelang gepredigte Mantra, dass ein Hochschulabschluss die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit sei. Fakt ist: Es gibt mittlerweile einfach zu viele dieser Hochschulabsolventen. Dass jahrelang der Fokus vor allem auf die Hochschulbildung gelegt wurde, hat uns vergessen lassen, dass Wirtschaft und Gesellschaft auch viele andere Berufe brauchen, die ohne Uni-Diplom auskommen. Hier muss ein Umdenken stattfinden – am besten schnell, wünscht sich De Standaard.
Auch Het Nieuwsblad befasst sich mit jungen Menschen und der Arbeitswelt und führt aus: Jetzt hat die Kritik an der so genannten Generation Z auch Belgien erreicht. Ein Top-Unternehmensboss hat jungen Menschen „schlechte“ Manieren vorgeworfen, weil sie auf ihre Work-Life-Balance achten, nur von 9 bis 17 Uhr arbeiten wollen und auf 100 Prozent Freizeit an Wochenenden bestehen. Und anderes mehr. Hat der Kritiker recht? Natürlich nicht. Denn mit Arbeitsverweigerung hat das alles nichts zu tun. Die jungen Menschen nehmen nur ernst, was in ihren Arbeitsverträgen steht. Wenn sie diese Anforderungen erfüllen, was könnte man ihnen dann vorwerfen? Sie arbeiten eben, um zu leben. Und leben nicht, um zu arbeiten. Kann das falsch sein?, fragt rhetorisch Het Nieuwsblad.
Fata Morgana Drohnenbedrohung
Het Laatste Nieuws notiert zur Entschärfung einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig: Drohnen als Bedrohung für Flughäfen? Wir erinnern uns an die Diskussion, die wir vor einigen Monaten darüber bei uns hatten. Verteidigungsminister Theo Francken, der fest an diese Bedrohung glaubt, kam damals unter Beschuss, weil er einen Hubschrauber mit einer Drohne verwechselt hatte. Ist den Francken-Kritikern von damals jetzt bei der Nachricht aus Leipzig das Lachen im Hals stecken geblieben? Sicher ist das nicht. Denn noch wissen wir nicht, wer hinter der Drohnen-Bedrohung in Leipzig steht. Sollte das so bleiben, werden Kritiker weiter behaupten, dass alles nur eine Fata Morgana ist, seufzt Het Laatste Nieuws.
Kay Wagner