„Blitzer auf Autobahnen werden weiter erst ab 129 Stundenkilometern reagieren“, titelt Het Nieuwsblad. „Die Trockenheit geht weiter“, meldet Het Belang Van Limburg in seinem Aufmacher. „Die Sanktionen gegen Russland sind oft leicht zu umgehen“, schreibt La Libre Belgique auf ihrer Seite eins.
Unterschiedliche Aufmachergeschichten prägen die Titelseiten der Zeitungen – und diese Vielfalt der Themen spiegelt sich auch in den Leitartikeln wider.
Het Nieuwsblad kommentiert zur eigenen Titelgeschichte: Wer in Belgien auf der Autobahn, auf der ja die Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern gilt, mit 128 km/h unterwegs ist, wird nicht geblitzt. Das war so und wird auch so bleiben. Das hat das Kollegium der Staatsanwälte jetzt so entschieden. Technisch wäre es zwar möglich, diese Toleranzgrenze zu senken, und Frankreich zeigt, dass das geht. Aber unsere Staatsanwälte halten an der aktuellen Regel fest aus Angst vor Kritik. Denn sonst müssten ja alle ihr Fahrverhalten ändern. Die großzügige Toleranz beim Tempo geht also weiter. Mit Blick auf die Verkehrssicherheit ist das sicher keine so gute Entscheidung, bedauert Het Nieuwsblad.
Die heiße Jahreszeit…
De Standaard überlegt zum Vorschlag des föderalen Verkehrsministers Jean-Luc Crucke, jungen Menschen das Fahren von schnellen Autos per Gesetz zu verbieten: Es ist Sommer – die ideale Zeit für Politiker, um ihren Gedanken öffentlich freien Lauf zu lassen. Eine Debatte habe er anstoßen wollen, sagt Crucke zu seinem Vorschlag. Der eine wirkliche Debatte aber wahrscheinlich gar nicht verdient. Denn was sollte es schon bringen, jungen Menschen zu verbieten, PS-starke Autos zu fahren? Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten für alle Autofahrer. Mit 100 durch eine 30er-Zone rasen kann man mit fast jedem Auto. Und dann bleiben noch Fragen wie, wer die Einhaltung der neuen Regel kontrollieren soll und was mit den jungen Menschen ist, die sich auch in PS-starken Autos ganz korrekt verhalten? Solche Ideen wie die von Crucke kommen und gehen in der heißen Zeit des Jahres. Gesetze werden daraus selten – zum Glück, bemerkt De Standaard.
Het Belang van Limburg stellt mit Blick auf das Wetter fest: Die mittlerweile vierte Hitzewelle in diesem Jahr ist vorbei. Die Trockenheit dagegen bleibt, denn auch die nächsten Tage soll es laut Vorhersage erst einmal nicht ausgiebig regnen. Noch werden deshalb keine Verbote ausgesprochen, um Wasser zu verwenden. Noch bleibt es lediglich bei Aufforderungen, sparsam mit Wasser umzugehen. In Flandern liegt das auch daran, dass trotz der Dürre viele Gemeinden immer noch Wasserreserven haben. Denn Flandern hat in der Vergangenheit die Gemeinden dazu verpflichtet, Vorrichtungen für das Sammeln von Regenwasser für Dürreperioden einzurichten. Das zahlt sich jetzt aus. Und sollte Ansporn dafür sein, weiter an Plänen zu arbeiten, wie unsere Gesellschaft besser mit Hitze und Trockenheit in der Zukunft umgehen kann, wünscht sich Het Belang van Limburg.
Die neue Gefahr für die Grenzen
Le Soir blickt auf den Ansturm von zehntausenden Migranten auf die spanische Enklave Ceuta zurück und bemerkt: Die ganze Aufregung, die Europa angesichts dieser Flüchtlingsbewegung ergriffen hat, ist am eigentlichen Problem vorbeigegangen. Das eigentliche Problem liegt nämlich in dem Phänomen, dass sehr wahrscheinlich eine Kampagne, die über soziale Netzwerke lanciert wurde, die Massenbewegung ausgelöst hat. Mit Fehlinformationen, die aber so gut gemacht und attraktiv waren, dass Zehntausende sie geglaubt haben. Das zeigt, dass Meta, TikTok und andere Plattformen zu einer Gefahr für die Außengrenze der EU werden können. Mit dieser Gefahr müssen sich unsere Politiker dringend beschäftigten, fordert Le Soir.
Ähnlich sieht das La Dernière Heure: Wenn Europa seine Grenzen schützen will, führt die Zeitung aus, reicht es ab sofort nicht mehr aus, Zäune zu errichten und Soldaten die Grenzen bewachen zu lassen. Europa muss lernen, seine Grenzen auch über digitale Kanäle zu schützen. Und zwar mit der gleichen Ernsthaftigkeit, wie es das auch mit seinen realen Grenzen tut, mahnt La Dernière Heure.
Zurzeit schutzlos
Gazet van Antwerpen stellt mit Blick auf die Ukraine fest: Immer häufiger treffen russische Raketen ihre Ziele in der Ukraine. Das liegt daran, dass die Ukraine keine Luftabwehrraketen mehr besitzt. Die USA, die neue Patriots-Raketen liefern könnten, liefern nicht, weil die Produktion nicht nachkommt und die USA die Raketen selbst in ihrem Krieg gegen den Iran brauchen. Auch die europäischen Staaten behalten lieber ihre eigenen Luftabwehrraketen, um für alle Möglichkeiten gewappnet zu sein. All das hilft der Ukraine nicht und darf auch nicht so bleiben. Europa muss alles dafür tun, damit die Ukraine nicht schutzlos vor den russischen Angriffen bleibt, schlägt Gazet van Antwerpen Alarm.
Kay Wagner