„Schaden an Naturschutzgebieten besonders hoch“, titelt De Morgen. „Französische Feuerwehr bekommt Unterstützung von Bürgern und Belgien“, notiert Gazet van Antwerpen auf Seite eins. „Wer ein Feuer in der Natur anzündet, muss die Rechnung bezahlen“, so die Schlagzeile von Het Belang van Limburg.
Die Natur- und Waldbrände sowie andere Folgen der großen Hitze in Europa beschäftigen die Zeitungen weiter prominent auf ihren Titelseiten. Auch in den Leitartikeln werden diese Themen aufgegriffen.
La Libre Belgique beobachtet: Was man bei all dem Leid der Feuerbrunst zurzeit auch erkennen kann, ist im Grunde fantastisch: Menschliche Reflexe feiern ein Comeback. In Zeiten der Not wird gegenseitige Hilfe plötzlich normal. Egal, welche politische Partei der Nachbar wählt, welchen Streit es mit ihm gibt: Man reicht ihm die Hand und hilft. Die Widerstandskraft der Menschen lieg in dem, was sie vereint, und nicht in dem, was sie trennt. Diese Lehre aus den Flammen sollten wir in unseren Alltag übernehmen, wenn die Flammen gelöscht sind und andere Herausforderungen uns wieder beschäftigen. Auch die politischen. Nur gemeinsam können wir die Probleme und Schwierigkeiten der aktuellen Zeiten meistern. Blinde und hasserfüllte Konfrontation, wie sie gerade durch Soziale Medien geschärft wird, bringen uns dagegen nicht weiter, mahnt La Libre Belgique.
Jetzt zahlen wir die Zeche
Gazet van Antwerpen analysiert: Dass die Feuer in Spanien und Frankreich jetzt so viel Schaden anrichten, hängt auch mit unserer Mentalität zusammen. Immer, wenn es um Veränderung geht, blockieren wir. Weil wir dann das Gefühl bekommen, dass man uns etwas wegnehmen will. Politische Parteien, die einen Wandel wollen, werden nicht gewählt, und deshalb hat sich auch nicht viel getan in Sachen Klimapolitik. Das, was zurzeit in Spanien und Frankreich passiert, wurde vorausgesagt. Aber niemand wollte hören. Jetzt zahlen wir die Zeche – und werden nach den Bränden bald sicher wieder so weitermachen, wie bisher, schimpft Gazet van Antwerpen.
Het Belang Van Limburg stellt fest: Hier und da sind in den letzten Tagen Feuer auch bei uns ausgebrochen – und zum Glück schnell gelöscht worden. Das Militär hat gestern Material und Personal nach Südfrankreich geschickt, um dort im Kampf gegen die Waldbrände zu helfen. Es ist zu hoffen, dass solche großen Brände jetzt nicht auch bei uns in Limburg ausbrechen und das bisschen Wald zerstören, das wir besitzen. Denn der ist nicht nur schön zum Wandern und Spazierengehen, sondern bringt auch Kühlung in diesen heißen Tagen, erinnert Het Belang Van Limburg.
Streit um Klimaanlagen ist exemplarisch
In Flandern ist ein Streit darüber ausgebrochen, wer die Kosten für die Installation und den Betrieb von Klimaanlagen in Wohnpflegeheimen bezahlen soll. Dazu stellt De Tijd fest: Die flämische Regierung ist nicht dazu bereit, den Maximalbetrag von 2.300 Euro zu erhöhen, den ein Platz in Wohnpflegeheimen pro Monat kosten darf. Das aber ist die Forderung von einigen Betreibern. Sie sagen, dass sie sonst kein Geld dafür hätten, die Klimaanlagen zum Wohl der Bewohner anzuschaffen. Hier stellen sich grundsätzliche Fragen: Wie weit soll die Verantwortung unserer Regierungen gehen, die Gesellschaft vor Hitze zu schützen? Welchen Teil der Kosten müssen Privatunternehmen selbst aufbringen? Was soll jeder einzelne dazu beitragen – in diesem Fall die Heimbewohner? Weil diese Fragen nicht geklärt sind, wird die Rechnung zurzeit auf die Schwächsten abgewälzt. Nämlich auf die Heimbewohner, die weiter unter der Hitze leiden, bedauert De Tijd.
Ähnlich kommentiert Het Laaste Nieuws: Klimaanlagen hätten schon vor 20, 25 Jahren beim Bau von Pflegewohnheimen zur Grundausstattung dazugehören müssen. Schon damals wussten wir, dass es heiß werden und die Zahl der Pflegefälle zunehmen wird wegen der Vergreisung unserer Gesellschaft. Aber nichts wurde getan. Wahrscheinlich noch nie war die Menschheit vor einer Katastrophe so lange im Voraus gewarnt gewesen, wie beim Klimawandel. Jetzt bezahlen wir den Preis für unsere Gleichgültigkeit von damals, allen voran die alten Menschen in den Heimen, ärgert sich Het Laatste Nieuws.
Das Fass läuft über
La Dernière Heure beschäftigt sich mit dem Vorschlag des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, Teile der Fußball-Weltmeisterschaft zu privatisieren: Dieser Vorschlag, notiert die Zeitung, löst heftigen Widerstand nicht nur in der Welt des Fußballs aus, sondern erreicht sogar die Politik. Damit scheint dieser finanz-politische Skandal in seinem Ausmaß alle bisherigen zu überbieten, in die der Fifa-Boss bislang schon verwickelt war. Für viele hat Infantino mit dieser Idee das Fass des Tolerierbaren zum Überlaufen gebracht. Es wird spannend sein zu beobachten, ob damit jetzt das Ende der Ära Infantino eingeläutet ist, oder ob ganz im Gegenteil die aktuelle Kontroverse dazu führt, dass sein Einfluss auf die Fifa noch größer wird, überlegt La Dernière Heure.
Kay Wagner