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Die Presseschau von Donnerstag, dem 23. Juli 2026

23.07.202609:22
Ryanair-Flugzeug auf dem Flughafen Charleroi
Illustrationsbild: Nicolas Maeterlinck/Belga

Der Konflikt zwischen Belgien und Ryanair beschäftigt heute die Titelseiten und Leitartikel: Trotz erheblicher Zugeständnisse will die irische Billigfluglinie ihre Präsenz am Flughafen Charleroi stark reduzieren. Die flämischen Zeitungen befassen sich mit der angekündigten Aufhebung des Bade- und Schwimmverbots in offenen Gewässern in Flandern.

"Billigflieger Ryanair macht Drohung wahr – trotz Ticketsteuersenkung kürzt die Airline ihr Angebot", meldet das GrenzEcho auf Seite eins. "Ryanair kündigt erneut eine starke Reduzierung seines Angebots in Belgien an", so La Libre Belgique. "Niedrigere Flugsteuer oder nicht: Ryanair streicht zwei Millionen Sitzplätze – 'Wir haben Premier De Wever gewarnt'", titelt De Morgen. "Ryanair zieht fünf Flugzeuge vom Flughafen Charleroi ab: zwei Millionen Passagiere lösen sich in Luft auf", ist die Überschrift bei L'Avenir. "Katastrophe für Charleroi", fasst La Dernière Heure zusammen. "Wie der Flughafen von Charleroi zum Gefangenen von Ryanair geworden ist", so L'Echo.

Kann so je mand ein Partner sein?

Ryanair lasse die Muskeln spielen, um Belgien unter Druck zu setzen, haben Luftfahrtexperten im Winter gesagt, erinnert De Morgen in seinem Leitartikel. Die Airline drohte damals, ihre Aktivitäten in Belgien zu reduzieren als Reaktion auf die geplante Flugsteuer von zehn Euro. Als die Regierung die Steuer auf sieben Euro begrenzte, haben die gleichen Experten gedacht, dass Ryanair seine Drohung nun nicht mehr umsetzen würde. Sie haben sich getäuscht. Eine offensichtliche Lehre aus der Geschichte ist, dass ein Experte für Erpressungstaktiken wie Ryanair-Chef Michael O'Leary den Hals nie vollkriegen wird. Der Staat verliert nun doppelt. Erstens nimmt er durch die niedrigere Steuer weniger ein. Zweitens verliert er Geld durch die Streichung der Ryanair-Flüge. Das wirft Fragen auf bezüglich des Verhaltens der Politik gegenüber internationalen Konzernen, siehe auch Autoindustrie. Mal abgesehen davon, dass Ryanair ja auch sonst kein unbeschriebenes Blatt ist, die Fluglinie umgeht Arbeitnehmerrechte, wo sie kann, und blieb in Belgien Millionen Euro an Sozialabgaben schuldig. Kann so jemand ein Partner sein?, giftet De Morgen.

Man muss das Kind beim Namen nennen, schreiben die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe: Schon seit Jahren verhandelt Ryanair nicht, es übt Druck aus, droht und erpresst. Nicht nur in Belgien, sondern überall. Und wenn all das nicht reicht, schreckt die Fluglinie auch nicht davor zurück, Zahlen künstlich aufzublasen, um die Realität zu verzerren. Belgien hat das gerade am eigenen Leib erfahren, trotz sehr großer Zugeständnisse zieht Ryanair Maschinen aus Charleroi ab. Anders gesagt: Nachgeben bringt gar nichts. Und das Problem betrifft auch nicht nur Ryanair. Manchmal wäre es besser, standhaft zu bleiben. Vor allem, wenn dann so etwas dabei herauskommt, wettert Sudinfo.

Die Butter, das Geld für die Butter und das Milchmädchen

Sobald jemand das Wort "Steuern" erwähnt, und seien sie auch nur symbolisch, holt Ryanair die gleichen Drohungen raus, hebt La Dernière Heure hervor. Wirtschaftliche Erpressung ist zur Standardantwort geworden. Michael O'Leary scheint auch geflissentlich zu übersehen, dass der Erfolg von Ryanair maßgeblich auf staatlichen Subventionen beruht. Immer mehr Freiheiten verlangen, immer weniger Abgaben zahlen wollen und gleichzeitig von Steuergeld profitieren wollen, um den Profit zu maximieren. Da will jemand die Butter, das Geld für die Butter und auch noch das Milchmädchen haben, stellt La Dernière Heure klar.

Statt weiter nach der Pfeife von O'Leary zu tanzen und sich seinen Forderungen zu beugen, sollten die politisch Verantwortlichen lieber das echte Problem angehen, fordert L'Echo: die übergroße Abhängigkeit des Flughafens Charleroi von Ryanair. Jetzt muss die Frage gestellt werden, welches Wirtschaftsmodell man für den Regionalflughafen will. Die echte Schande in dieser Affäre ist vielleicht nicht das Verhalten des Ryanair-Geschäftsführers, sondern dass es die Wallonie in 25 Jahren nicht geschafft hat, ein Modell für den Flughafen zu entwickeln, um die Abhängigkeit von Ryanair abzuschütteln, prangert die Wirtschaftszeitung L'Echo an.

Eine kleine Revolution in Flandern

De Standaard greift die angekündigte Neuregelung des Badens und Schwimmens in offenen Gewässern in Flandern auf: Ab nächstem Jahr soll Baden überall erlaubt sein, wo kein begründetes Verbot erlassen wird, bisher ist es genau umgekehrt. Die Entscheidung verdient Applaus. Ja, das ist sogar fast schon ein bisschen revolutionär, gerade für Flandern, wo ja traditionell immer auf Vorsorge und damit Einschränkungen gesetzt wird. Und jetzt plötzlich wird von der Eigenverantwortung der Bürger geredet. Und die sollte man keinesfalls kleinreden, Schwimmen in offenen Gewässern ist alles andere als ungefährlich. Der zuständige Minister hofft, dass durch die Maßnahme langfristig eine neue Schwimmkultur entstehen wird. Das wird zweifelsohne Zeit brauchen. Und wir können nur hoffen, dass sich die Bürgermeister nicht querstellen. Wir haben ja gerade erst wieder gesehen, wie dringend Möglichkeiten zur Abkühlung gebraucht werden. Aber auch die Schulen müssen unbedingt mehr tun, wenn wir wirklich eine neue Schwimmkultur wollen, appelliert De Standaard.

Endlich gesunder Menschenverstand nach Jahren der Bevormundung, scheint Het Laatste Nieuws zunächst zu jubeln. Wer ins Wasser springen will, tut das künftig auf eigene Verantwortung. Klar und deutlich. Oder macht man sich das hier nicht ein bisschen zu einfach? Der Minister hat die heiße Kartoffel jedenfalls schnell den Bürgermeistern zugeworfen. Plötzlich müssen sie beschließen, wo und wo nicht geschwommen werden darf. Sie sind es, die dafür sorgen sollen, dass man sicher ins und aus dem Wasser kommt und dafür, dass aus den Ufern keine Müllkippen werden. Eine radikale Veränderung. So manch ein Bürgermeister wird deshalb versucht sein, einfach ein komplettes Schwimmverbot zu erlassen. Statt einem großen Verbot hätten wir dann Hunderte lokale, warnt Het Laatste Nieuws.

Boris Schmidt

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