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Die Presseschau von Mittwoch, dem 22. Juli 2026

22.07.202608:47
Die königliche Familie nach dem Te Deum auf dem Weg zum Bad in der Menge
Bild: Benoit Dopagne/Belga

Verschiedene Zeitungen blicken heute auf den gestrigen Nationalfeiertag zurück. In den Leitartikeln stehen dabei die Ansprache von König Philippe und die Herausforderungen für die Politik im Fokus. Es geht aber auch um die Entlassung von Fußball-Nationaltrainer Rudi Garcia und die Dopingkontrollen bei der Tour de France.

"Belgien feiert seinen großen Tag: Nationalfeiertag rückt den Zusammenhalt in den Fokus", blickt das GrenzEcho zurück auf den gestrigen 21. Juli. "Belgischer kann ein Nationalfeiertag nicht werden", macht Het Laatste Nieuws mit verschiedenen Fotos von Kronprinzessin Elisabeth bei den Festlichkeiten auf. "Gabriel überrascht mit purpurner Schärpe, Delphine mit rosa Outfit", beschäftigen sich Het Nieuwsblad und Gazet van Antwerpen mit den modischen Aspekten der königlichen Auftritte. "Die Rede zum 21. Juli: der König angesichts der Krisen, die das Land durchlebt", titelt La Libre Belgique. "Das Bildungswesen im Zentrum der Königsrede", hebt La Dernière Heure hervor.

Hoffentlich kommt die Botschaft des Königs an

Der Nationalfeiertag ist oft ein Anlass, um eine Bestandsaufnahme zu machen, schreiben die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe in ihren Leitartikeln. König Philippe hat dabei nichts schöngeredet: Die Schwächsten der Gesellschaft, die Folgen der Hitzewelle, die öffentlichen Finanzen, die Herausforderungen im Bildungswesen – Gründe für Optimismus sind rar. Aber der König hat sich überzeugt gezeigt, dass es unseren Regierungen gelingen wird, die Hindernisse zu überwinden. Philippe hat darum gebeten, daran zu glauben. Kein einfaches Anliegen, schon gar nicht in diesen Zeiten, in der eine schlechte Nachricht die nächste jagt und Pessimismus zum Volkssport geworden ist. Aber allein diese Woche haben wir gleich mehrfach gesehen, wie weit man es bringen kann, wenn man nur daran glaubt. Delphine von Sachsen-Coburg, die jahrelang um ihre Anerkennung kämpfen musste, aber nie aufgegeben hat, auf der Ehrentribüne am Nationalfeiertag; Rudi Garcia, der an seine Mannschaft geglaubt hat; Remco Evenepoel und seine Glanzleistungen bei der Tour de France. In diesen Zeiten, in denen Zweifeln zur Norm geworden zu sein scheint, ist das doch sicher nicht die schlechteste Botschaft, meint Sudinfo.

Die Ansprache des Königs listete alle Herausforderungen für die Regierung schön säuberlich auf, kommentiert Gazet van Antwerpen. Philippe begann mit den vielen Hitzetoten, offenbar ist ihm das Schwarzer-Peter-Spiel der politisch Verantwortlichen nicht entgangen. Hoffen wir, dass seine Botschaft ankommt, so etwas darf sich nicht wiederholen. Aber er betonte auch die schwierige budgetäre Lage. Er sei überzeugt, dass die Regierungen sich einigen und sozial verträgliche Lösungen finden würden. Wird sein Wunsch in Erfüllung gehen? Die Regierung steht jedenfalls unter enormem Druck. Gleichzeitig regt sich auch die Gemeinschaftspolitik wieder und denken gewisse Politiker laut über die nächste Staatsreform nach. Natürlich bräuchte dieses Land eine effizientere Struktur. Aber können wir bitte schön erstmal den Haushalt in Ordnung bringen? Durch Miteinandersprechen und sozial gerechte Lösungen, so wie der König bittet?, giftet Gazet van Antwerpen.

Früher Gegenpole, heute beste Komplizen

Es ist und bleibt ein verrücktes Bild, hält Het Laatste Nieuws fest: König Philippe und Premierminister Bart De Wever gemeinsam beim nationalen Defilee. Der Mann, dessen Schicksal vom Fortbestehen Belgiens abhängig ist, neben dem Mann, der das Land am liebsten beerdigen würde. Früher waren sie absolute Gegenpole, heute sind sie die besten Komplizen. Durch ihren Pakt stellt sich zumindest eine Frage nicht mehr: Die, ob Belgien noch seinen 200. Geburtstag erleben wird. Bizarrerweise ist das auch De Wever zu verdanken, der als Premier Belgien zu einem der stabilsten Länder Europas gemacht hat. Aber die relative Ruhe hat ihren Preis: Sein großes Wahlversprechen, eine wirkliche Staatsreform, musste mangels Mitstreitern in den Kühlschrank. Und das Haushaltsloch wird immer größer, auch und gerade wegen der Staatstruktur, prangert Het Laatste Nieuws an.

Egal was man auch versucht, es will einfach kein rechter Enthusiasmus aufkommen für den Nationalfeiertag, findet Het Belang van Limburg: Kein Vergleich mit zum Beispiel dem 14. Juli in Frankreich oder dem 4. Juli in den USA, die mit viel Stolz begangen werden. Okay, es wird ein Ball organisiert und es gibt eine Militärparade. Aber Volksfest kann man das Ganze trotzdem nur schwerlich nennen. Alle sind froh, dass sie frei haben, aber ausgelassen feiernde Menschen in den Landesfarben begegnet man nicht. Dabei können Belgier durchaus feiern, siehe Festivals und Fußball, merkt Het Belang van Limburg an.

Noch alle Fritten in der Tüte?

Das sieht La Dernière Heure entschieden anders: Belgien hat am Nationalfeiertag wieder sein schönstes Gesicht gezeigt. In den Straßen haben Wallonen, Brüsseler und Flamen zusammen ein Land gefeiert, von dem es oft heißt, dass es unmöglich zu vereinen wäre. Aber sie haben Einigkeit gezeigt, einfach, spontan, ja, fast selbstverständlich. Aber leider sind die alten Gräben nie weit weg, das sehen wir gerade wieder beim Fußball. Wieso muss Nationaltrainer Rudi Garcia seinen Hut nehmen? Er hat alle gesteckten Ziele erfüllt mit seinen Roten Teufeln. Da muss man schon fragen, ob der Verband noch alle Fritten in der Tüte hat. Jenseits der sportlichen Entscheidung verwundert vor allem der Mangel an Erklärungen. Da nicht kommuniziert wird, wird eben spekuliert. Und da kommt auch wieder die leidige Gemeinschaftspolitik ins Spiel: Stört ein französischer Trainer für eine Mannschaft mit starkem niederländischsprachigem Einfluss gewisse Leute immer noch so? Wir können nur hoffen, dass das nicht der Grund war, so La Dernière Heure.

Het Nieuwsblad befasst sich mit der Tour de France, genauer gesagt mit Beschwerden von Spitzenradlern, dass sie mitten in der Nacht für unangekündigte Dopingkontrollen aus dem Bett geholt werden: Eine uralte Radler-Weisheit besagt, dass die Tour im Bett gewonnen wird. Nachvollziehbar, dass man als Teilnehmer nicht aus selbigem geholt werden will. Aber nachvollziehbar heißt nicht, dass die Kritik richtig ist. Keiner der heutigen Protagonisten hat die großen Dopingskandale aktiv mitbekommen, den tiefen Fall der großen Helden von damals, als rauskam, dass sie uns alle betrogen und verarscht hatten. Die Lehre war deutlich: Man kann gar nicht streng genug sein in puncto Kontrollen. So ärgerlich und nervig es sein mag, letztlich ist es ein geringer Preis für einen sauberen Sport, argumentiert Het Nieuwsblad.

Boris Schmidt

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