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Die Presseschau von Montag, dem 20. Juli 2026

20.07.202609:10
US-Präsident Trump und Fifa-Präsident Infantino
US-Präsident Trump und Fifa-Präsident Infantino (Bild: Brendan Smialowski/AFP)

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorbei, Spanien hat im Finale Argentinien mit 1:0 geschlagen. Die Leitartikel nutzen die Gelegenheit aber vor allem, um mit der Organisation beziehungsweise den Organisatoren der WM abzurechnen. Dabei stehen erneut insbesondere Fifa-Chef Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump in der Kritik.

"Spanien Weltmeister", titelt Gazet van Antwerpen kurz und knapp auf Seite eins. "Zurück an der Spitze – Spanien entthront Titelverteidiger Argentinien mit 1:0", liest man beim GrenzEcho. "Spanien-Argentinien 1:0 – Erlösung in der 106. Minute", ergänzt Het Nieuwsblad. "Spanien stößt Messis Argentinien vom Weltmeister-Thron", meldet De Standaard. "Übermächtiger Weltmeister: Spanien schlägt ein enttäuschendes Argentinien in der Verlängerung", fasst Het Laatste Nieuws zusammen. "Mehr als verdient Weltmeister", unterstreicht Het Belang van Limburg. "Messi machtlos, la Roja triumphiert", reiben die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe noch Salz in die Wunde.

Das Finale der Weltmeisterschaft hat ohne Belgien stattgefunden, bedauert La Dernière Heure in seinem Leitartikel. Aber solange die Roten Teufel dabei waren, haben sie eine Sache bewiesen: Wenn der Ball rollt, verschwinden die Gräben. Flamen, Wallonen, Brüsseler, Deutschsprachige jubeln mit einer Stimme und haben das gleiche Trikot an, getragen vom gemeinsamen Traum, dass Belgien eines Tages den großen Preis holt. Leider hat sich diese Klammer der Einigkeit wieder sehr schnell geschlossen, die Wirklichkeit hat uns eingeholt mit der Sparpolitik der Arizona-Regierung und den endlosen Debatten über die institutionelle Zukunft des Landes. Morgen, am 21. Juli, wird es erneut heißen "Einigkeit macht stark". Daraus mehr machen als ein reines Symbol – das wäre zweifelsohne die größte Herausforderung für unser Königreich, wenn die politisch Verantwortlichen zumindest ein bisschen daran glauben würden, anstatt sich gegenseitig zu zerfleischen, kritisiert La Dernière Heure.

Durchspülen und hoffen

Das Beste an dieser Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko ist, dass sie vorbei ist, ätzt Gazet van Antwerpen. Durchspülen und hoffen, dass es das nächste Mal besser wird. Natürlich gab es spannende Spiele. Zum Beispiel, als Belgien das Spiel gegen den Senegal doch noch drehte; als der 39-jährige Messi Argentinien im Alleingang in der WM hielt; als Fußball-Zwerge den großen Fußballnationen das Leben schwermachten. Das Problem waren weniger die Spiele, es war das Treiben der Autokraten, die sich wie Sonnenkönige benahmen. Siehe etwa die zusätzlichen Werbeblöcke, die als "Trinkpausen" getarnt wurden. Fifa-Vorsitzender Infantino konnte sich die Hände reiben, er wird noch Monate wie Dagobert Duck in den Zusatzeinkünften schwimmen. Der absolute Tiefpunkt war aber die Einmischung von Donald Trump, um die rote Karte von Balogun verschwinden zu lassen. Und die Ticketpreise erst… Von einem Sport fürs Volk konnte sicher keine Rede mehr sein. 2030 findet die WM in Marokko, Portugal und Spanien statt. Falls Trump bis dahin keins dieser Länder annektiert, wird er also nicht wieder dabei sein. Infantino aber möglicherweise schon. Weil Autokraten finden immer Wege, um an der Macht zu bleiben, giftet Gazet van Antwerpen.

Die Weltmeisterschaft ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, kommentiert L'Avenir, sie zeigt, was aus uns geworden ist: Wir wollen mehr Spiele, mehr Spektakel, mehr Technologie, mehr Emotionen, mehr Regeln… Jede Aktion wird seziert, mit der Stoppuhr gemessen, neu berechnet. Jeder Spieler wird vergöttert, die Stars werden über ihre Teams gestellt. Aber trotz allem bleibt Fußball unvorhersehbar. Zum Glück. Sonst könnten wir den Wettbewerb ja von der KI durchspielen lassen und zu Hause bleiben. Was von dieser WM auch in Erinnerung bleiben wird, das ist die Maßlosigkeit: Es war die in puncto Umweltbelastung dreckigste Weltmeisterschaft, die teuerste, die mit den höchsten Sicherheitsvorkehrungen, die mit der größten Ungleichheit. Und auch die politischste aller Zeiten. Aber die Show muss weitergehen. Bis wann?, fragt L'Avenir.

Rote Karte für die Fifa

Die WM war finanziell und sportlich zweifelsohne ein Erfolg, räumt La Libre Belgique ein. Aber sie wird vor allem wegen etwas anderem im Gedächtnis bleiben: als Symbol für einen Fußball, der endgültig jedes Maß verloren hat. Mehr teilnehmende Teams ohne echte Notwendigkeit, ein für die Spieler immer belastenderer Kalender, absolut wahnsinnige Ticketpreise, politische Einmischung, Rassismus-Zwischenfälle – all das hat zu dem Eindruck beigetragen. Und im Hintergrund ständig die finanziellen Interessen der Fifa, die jede Reform und jedes Eingreifen bestimmten. Sogar der Europarat, seit 2018 Partner der Fifa, sah sich am Ende gezwungen, dem Verband die rote Karte zu zeigen und hat ihm vorgeworfen, dem Betrug Tür und Tor zu öffnen. Ein echtes Alarmsignal. Aber die Gewinne der Fifa sind höher denn je und Infantino sitzt fest im Sattel und hat auch vor da zu bleiben. Es wird dem Verband allerdings nicht gelingen, die Kritik verstummen zu lassen. Und er riskiert, sein Juwel an Glanz und damit an Wert verlieren zu lassen, warnt La Libre Belgique.

Die Weltmeisterschaft gehört der Welt nicht mehr

Ein neuer Weltmeister hat die Trophäe erobert, aber der wahre Sieger stand schon vorher fest, schreibt Le Soir: die Fifa. In weniger als 40 Tagen ist es ihr gelungen, die Grenzen des Spiels enorm zu verschieben, die Spielzeit zu zerstückeln und die Regeln so zu verbiegen, dass der Fußball zur reinen Kulisse der Machtdemonstration degradiert worden ist. Noch mehr Werbung, keine zwei Halbzeiten mehr, sondern dank "Trinkpausen" nun vier Viertel, eine monströs lange Halbzeit-Show, Trumps Einmischung in Regeln und Entscheidungen, alles scheint plötzlich verhandelbar zu sein, Ticketpreise von teilweise über 32.000 Dollar. Die Antwort Infantinos: Die Stadien seien doch zu 99,7 Prozent gefüllt gewesen. Die ultraliberale Logik lautet: Solange der Markt zahlt, sind die Preise gerechtfertigt. Weniger Wohlhabende auszuschließen ist also zum Beweis des Erfolgs des Wettbewerbs geworden. Und all das hat ein Mephisto-Gesicht – das von Gianni Infantino. Die ganze Welt hat das Finale gesehen. Aber die Weltmeisterschaft gehört ihr nicht mehr, urteilt Le Soir.

Boris Schmidt

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