"Die Trockenheit setzt die Beziehungen zwischen europäischen Ländern unter Spannung", titelt De Morgen. "Code Orange wegen Trockenheit in Flandern", schlägt Het Laatste Nieuws Alarm. "Seid sparsam mit dem Trinkwasser, fordert Minister", ergänzt Het Nieuwsblad. "Minister ruft auf: 'Seid sparsam mit dem Trinkwasser", greift auch Gazet van Antwerpen auf Seite eins den Appell des flämischen Umweltministers Jo Brouns auf.
Es ist erst Mitte Juli, aber die aufeinanderfolgenden Hitzewellen machen sich schon bemerkbar in puncto Wasservorräte, unterstreicht Het Nieuwsblad in seinem Leitartikel. Seit Anfang April sind pro Quadratmeter 150 Liter mehr Wasser verdampft als es geregnet hat. Und ein Ende der Trockenheit ist nicht in Sicht. Entsprechend hat der regionale Dürreausschuss Code Orange beschlossen: Die Wasserentnahme durch Landwirte ist eingeschränkt, die Bevölkerung aufgerufen, sparsamer mit Trinkwasser umzugehen. Letzteres ist allerdings nur eine Empfehlung, der eine oder andere mag also in Versuchung kommen, noch schnell das Auto zu waschen oder den Rasen zu wässern. Aber das sollte man sich lieber zwei Mal überlegen, der Sommer könnte noch lang werden. Von den nächsten Jahren ganz zu schweigen, wir müssen uns auf mehr Hitzewellen und Trockenheit einstellen. Auch, weil noch immer viel zu wenig unternommen wird gegen das schnelle Abfließen des Regenwassers in Richtung Meer. Wie wir durch die Trockenheit kommen, das hängt letztlich vor allem vom Verhalten der breiten Bevölkerung ab. Wenn wir jetzt nicht sparsamer sind, stehen uns demnächst strengere und unangenehmere Einschränkungen bevor, prophezeit Het Nieuwsblad.
Was bringen Richtlinien ohne Kontrollen?
Der Dürreausschuss wird auch sicher in den nächsten Jahren regelmäßig zusammenkommen müssen, kommentiert Gazet van Antwerpen, die Zahl der Hitzewellen nimmt nämlich stetig zu. Aber was bringen die Richtlinien, wenn es kaum Kontrollen gibt? Wenn sich der Dürreausschuss auf den guten Willen der Bevölkerung verlassen muss, ist zu befürchten, dass sich wenig ändern wird. Flandern täte also gut daran, den Empfehlungen seiner eigenen Institutionen zu folgen. Die fordern zum Beispiel eine weitere Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen, das Vorantreiben des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen, die Industrie nachhaltiger machen, grünere Städte und so weiter. All das würde viel mehr bringen als eine Einberufung des Dürreausschusses, wenn das Land schon ausgetrocknet ist, um die Bürger höflich zu bitten, ihren Rasen nicht zu sprengen, giftet Gazet van Antwerpen.
Opfer des eigenen Erfolgs
La Libre Belgique greift eine Entscheidung des flämischen Parlaments auf: Eltern, die ihre Kinder in Brüssel auf niederländischsprachige Schulen schicken wollen, müssen künftig mindestens ein Niederländisch-Sprachniveau von B2 nachweisen, wenn sie prioritär behandelt werden wollen. Damit soll sichergestellt werden, dass niederländischsprachige Familien nicht zu kurz kommen. Das flämische Unterrichtswesen ist in gewisser Weise nämlich ein Opfer seines eigenen Erfolgs, die Zahl der Schüler aus anderssprachigen Familien wächst und wächst. Das sehen diverse Flamen nicht gern, sie befürchten negative Folgen für das Sprachniveau und die Qualität des Unterrichts allgemein. Gleichzeitig predigen die Flamen seit Jahrzehnten die Vorzüge ihrer Sprache. Und jetzt haben sie ein Problem damit, dass viele Brüsseler und Wallonen ihre Kinder auf ihre Schulen schicken wollen. Der kulturelle Erfolg droht zu einer gemeinschaftspolitischen Abschottung zu führen, warnt La Libre Belgique.
La Dernière Heure befasst sich aus einem anderen Grund mit der belgischen Sprachproblematik: Ilyass Alba, der bekannteste Zugbegleiter des Landes mit immerhin 80.000 Followern auf Facebook, hat wieder Ärger. Schon zum dritten Mal hat der gleiche Zugpassagier bei der Ständigen Kommission für Sprachenkontrolle Klage eingereicht gegen Alba. Der Grund: Der Zugbegleiter hatte Passagiere höflich mit "Goeidag-Bonjour" begrüßt. Das mag grotesk klingen, aber der Ausschuss hat die Beschwerde als zulässig eingestuft. Alba wird vorgeworfen, durch sein Verhalten den sprachlichen Frieden zu gefährden. Aber ein "Goiedag-Bonjour ist doch bitte schön kein Versuch einer geopolitischen Destabilisierung, der Mann will einfach nur höflich sein. Und wer schadet dem Sprachfrieden denn wohl mehr? Jemand, der zwei Landessprachen spricht oder jemand, der das Kriegsbeil ausgräbt wegen einer höflichen Grußformel?, ätzt La Dernière Heure.
Money, Money, Money…
De Standaard setzt sich mit dem Streit in der Föderalregierung über die Reform des Rentensparens auseinander: Dass die Regierung hier Anpassungen will, ist absolut legitim. Schließlich bemängeln Kritiker schon lange, dass der steuerlich begünstigte Aufbau der dritten Rentensäule vor allem Banken und Versicherern nutzt, die dafür hohe Gebühren kassieren. Deshalb steht im Regierungsabkommen, dass diese Kosten gedeckelt werden sollen. Allerdings scheiden sich die Geister an der Frage, wie das geschehen soll. Bei so einer komplexen Materie empfiehlt es sich jedenfalls, nichts übers Knie zu brechen. Und genauso wenig sollte das Ganze aus politischen Schützengräben heraus ausgefochten werden. Wie wäre es stattdessen mal mit einer genauen Analyse der Tatsachen und einer sorgfältigen Abwägung aller Interessen?, stichelt De Standaard.
Het Belang van Limburg blickt auf die Diskussion über Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen: Das Landesamt für Kranken- und Invalidenversicherung hat nun berechnet, wieviel es bringen würde, wenn eine Eigenbeteiligung eingeführt würde. Wenn jeder Patient die ersten 500 Euro aus der eigenen Tasche zahlen würde, könnten phänomenale 4,7 Milliarden Euro eingespart werden. Damit wäre das Zehn-Milliarden-Loch quasi schon zur Hälfte gestopft. Aber 500 Euro pro Kopf, das macht bei einer vierköpfigen Familie schon 2.000 Euro. Sowas kann man im Land mit der höchsten steuerlichen Belastung der Welt doch von niemandem verlangen. Kein Wunder, dass jetzt niemand diese Berechnung in Auftrag gegeben haben will. Gegen ein paar Euro mehr für den Arztbesuch oder Arzneimittel ist ja nichts einzuwenden. Aber Gesundheitsversorgung darf kein Luxus werden. Wir sind stolz auf das, was uns von den Vereinigten Staaten unterscheidet. Und das sollte aus so bleiben, prangert Het Belang van Limburg an.
Boris Schmidt