"Tragödie auf einer Baustelle", titelt La Dernière Heure. "Tödlicher Brand in Brüssel", so die Schlagzeile von De Morgen. "Sechs Tote bei einem Brand in Brüssel: Der Premier und der König bekunden ihre Unterstützung", schreibt Het Laatste Nieuws auf Seite eins.
Viele Zeitungen beschäftigen sich heute mit dem verheerenden Brand im OXY-Gebäude an der Place De Brouckère in Brüssel. In dem Hochhaus mitten im Stadtzentrum finden im Moment ausgedehnte Renovierungsarbeiten statt. Gestern Morgen war dort ein Feuer ausgebrochen. Der Brand wirkte zunächst harmlos und war rasch gelöscht. Nur hatte das Feuer in dem Moment schon auf den Aufzugsschacht übergegriffen. Dort stürzten schließlich zwei Aufzugskabinen ab. "Sechs Tote in einem Aufzug", so denn auch die Schlagzeile von L'Avenir. "In einem Aufzug verbrannt", schreibt La Capitale.
Brand in Brüssel: Schicksal oder Nachlässigkeit?
"Die Liftschächte sind zu einer Todesfalle geworden", kann La Dernière Heure nur bestürzt in ihrem Leitartikel feststellen. Sechs tote Arbeiter, das ist die schreckliche Bilanz. Und da kann man nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen: Hier muss man sich Fragen stellen. Zum Beispiel, warum ein zunächst harmloses Feuer solch schreckliche Folgen haben konnte. Und das auf einer Baustelle in einem Gebäude, das zu einem Aushängeschild der Hauptstadt werden soll. Und wie kann so etwas passiere n, bei allen Sicherheitsbestimmungen, die heutzutage gelten? Zumal es in eben diesem Gebäude bereits 2024 einen Brand gegeben hatte. Schicksal oder doch Nachlässigkeit? Diese Frage muss die Untersuchung beantworten. Denn niemand sollte an seinem Arbeitsplatz sterben.
Straße von Hormus - Trump als Mafia-Pate
Einige Leitartikler beschäftigen sich aber auch weiter mit der Situation am Persischen Golf und vor allem dem Kampf um die Straße von Hormus.
"Seit einer Woche braut sich an der nur wenige Dutzend Kilometer breiten Meerenge ein planetarer Schock zusammen", konstatiert besorgt L'Echo. Die Straße von Hormus ist zur Frontlinie in der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran geworden. Doch übersteigt das Ganze die rein militärische Ebene. Denn hier geht es um nicht mehr und nicht weniger als die Kontrolle über eine der Schlagadern des Welthandels. Dabei blenden beide Seiten einen wichtigen Faktor aus: Die Straße von Hormus ist völkerrechtlich tabu: Sie unterliegt allein dem internationalen Seerecht, das eben verhindern soll, dass Staaten Wasserstraßen in Druckmittel verwandeln. Diese Regeln gehen nicht umsonst schon auf das 16. Jahrhundert zurück. Wenn Handelswege zum Ort oder zum Gegenstand kriegerischer Auseinandersetzungen werden, dann spielt man mit dem Feuer: Der Iran und die USA gefährden damit die Grundfesten des Welthandels.
"Donald Trump verhält sich hier einmal mehr wie ein Mafia-Pate", zischt De Morgen. Ursprünglich wollte der US-Präsident ja sogar eine Maut erheben für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Man stelle sich vor: Eine US-Fregatte hätte dann also von einem chinesischen Handelsschiff Schutzgeld gefordert. Was hätte den chinesischen Machthaben Xi Jinping dann noch daran gehindert, in der Taiwanstraße das gleiche zu tun. Immerhin ruderte Trump später wieder zurück, aber nur, um dann zu behaupten, dass einige Golfstaaten stattdessen in Projekte in den USA investieren müssen. Frage also: Müssen auch die Europäer schon bald -zusätzlich zu den schon beschlossenen Waffenankäufen- auch noch weitere Investitionen in den USA tätigen, wenn sie denn wollen, dass ihre Handelsschiffe in der Straße von Hormus geschützt werden? Die Europäer müssen dringend ihre Marinekapazitäten verstärken. Und zugleich eine militärische Mission in die Golfregion entsenden, um deutlich zu machen, dass die Straße von Hormus der internationalen Schifffahrt gehört, und nicht dem Iran oder der Trump-AG.
Trump = Putin?
"Man darf dabei allerdings nicht vergessen, was hier auf dem Spiel steht", bemerkt La Libre Belgique. Um es mal so auszudrücken: Die US-Zwischenwahlen im November, die entscheiden sich nicht in Teheran, sondern an der Zapfsäule in Ohio; oder an der Supermarktkasse in Iowa. Jeder weitere Zwischenfall in der Straße von Hormus treibt bekanntermaßen die Ölpreise in die Höhe. Und der amerikanische Wähler hat an der Wahlurne immer in erster Linie seinen eigenen Geldbeutel vor Augen. Niemand weiß das besser als Donald Trump, denn schließlich hat er im Wahlkampf genau dieses Argument ins Feld geführt, um die Biden-Administration zu diskreditieren. Zwischen der Straße von Hormus und den Tankstellen im Mittleren Westen liegen tausende Kilometer; an der Wahlurne liegen sie ganz nah zusammen.
"Trump wird bei alledem Putin immer ähnlicher", meint Het Nieuwsblad. Beide haben sich in einen unnötigen Krieg gestürzt. Beide glaubten, die Operation wäre schnell vorbei; stattdessen haben sie sich hoffnungslos festgefahren. Und beide sind geblendet von ihrem absoluten Glauben an die eigene militärische Überlegenheit. Das Schlimmste ist aber: Beide investieren nicht genug in Diplomatie. Putin will gar nichts davon wissen; und Trump setzt weiter auf seine zwei Narren Kushner und Witkoff, statt auf erfahrene Diplomaten. Das sollte allen eine Lehre sein, auch uns Europäern: Waffen allein lösen nicht alle Probleme.
Ölkrise als Weckruf für die Energiewende?
De Standaard stellt sich in seinem Kommentar noch eine ganz andere Frage: "Warum führt der Konflikt nicht bei uns zu einem Umdenken?", fragt sich das Blatt. Konkret: Warum schalten wir jetzt nicht bei der Energiewende einen Gang höher? Was muss denn noch passieren? Seit die Kampfhandlungen vor einer Woche wieder aufgeflammt sind, ziehen die Ölpreise wieder deutlich an. Das wäre doch eigentlich Grund genug, unter Hochdruck die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. In Belgien machen erneuerbare Energien gerade mal 14 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Belgien ist damit einer der schlechtesten Schüler innerhalb der EU, zusammen mit Luxemburg und Irland. Das erinnert an die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, die von 1581 bis 1795 existierte. Deren Herrscher galten dem Volk als faul und träge. Deswegen gab es ein geflügeltes Wort, das zwei Jahrhunderte später auch auf unsere politisch Verantwortlichen passen könnte: "Sie hoben das Glas, machten viel Spaß, doch am Ende änderte sich nicht irgendwas"...
Roger Pint