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Die Presseschau von Donnerstag, dem 9. Juli 2026

09.07.202609:02
Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Gipfel in Ankara
Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Gipfel in Ankara (Bild: Nato/AFP)

Der Nato-Gipfel in Ankara und Donald Trumps Umgang mit den Verbündeten prägen heute die Kommentare der Zeitungen. Außerdem geht es um die angespannte Lage im Nahen Osten sowie um die Frage, welche Lehren Politik und Behörden aus der Rekord-Übersterblichkeit während der Hitzewelle ziehen müssen.

"Schlechter Tag für Putin: Die Nato schließt die Reihen, Trump gewährt der Ukraine zusätzliche Hilfe", titelt De Standaard. "Trump brüskierte beinahe jeden beim Nato-Gipfel, mit Ausnahme von Selenskyj", schreibt Het Nieuwsblad auf Seite eins. "Trump fühlte Liebe auf dem Nato-Gipfel", notiert demgegenüber Het Laatste Nieuws.

Der Nato-Gipfel in Ankara sorgt heute für reichlich Diskussionsstoff. Ganz klar im Mittelpunkt stand jedenfalls -einmal mehr- US-Präsident Donald Trump. Der hatte zunächst offensichtlich die Konfrontation gesucht: mit Dänemark über Grönland, mit Spanien, und ganz allgemein mit den Europäern. Einmal im Sitzungssaal hat Trump dann aber anscheinend viel versöhnlichere Töne angeschlagen, hat unter anderem die Nato-Partner gelobt.

Der grantige Onkel Donald und der Chef-Schleimer

"Nato-Gipfel erinnern immer mehr an ein Fest einer dysfunktionalen Familie", frotzelt De Morgen in seinem Leitartikel. Am Kopfende des Tischs sitzt der alte, grantige Onkel Donald, der verbal auf jeden einprügelt, der ihm gerade in den Sinn kommt. An seiner Seite ist da aber Tante Rutte, die ihm immer wieder beruhigend über die Hand streichelt und beschwichtigend bemerkt, dass die Kinder doch ihr Bestes gegeben haben. Besagte Kinder müssen zwischendurch regelrecht an sich halten und die Schimpftiraden des alten Patriarchen über sich ergehen lassen, nach dem Motto: Besser schweigen, auf die Gefahr hin, dass am Ende mit Geschirr geworfen wird. Die Nato unter Trump, das ist tatsächlich in erster Linie Schadensbegrenzung. Um Zeit zu kaufen. Zeit, bis ein Nachfolger des US-Präsidenten vielleicht den amerikanischen Isolationismus etwas abmildert. Vielleicht. Viel wichtiger für uns ist aber die Frage, ob und wie Europa irgendwann einmal auf eigenen Füßen stehen kann. Der Anfang mag gemacht sein. Aber der Weg ist noch lang.

"Ein Fest der Eintracht", nannte Nato-Generalsekretär Mark Rutte den Gipfel von Ankara. "Nun, ein gehöriges Maß dieser 'Eintracht' ist reine Komödie", zischt Het Laatste Nieuws. Man denke nur an Trumps Besitzansprüche auf Grönland oder sein Poltern gegen Spanien. Darauf folgt meist ein Auftritt von Mark Rutte, der inzwischen jedes Schamgefühl verloren zu haben scheint. Rutte versteht seine Rolle offensichtlich als Chef-Schleimer, der den wankelmütigen Präsidenten bei der Stange halten muss, und er glaubt wohl, dass das die einzige Überlebensstrategie der Nato ist. Klar: Die Amerikaner müssen an Bord bleiben, um Europa zu schützen. Und sei es nur die nukleare Abschreckung. Aber muss die Anbiederung an den US-Präsidenten wirklich so grotesk sein? Das Bild, das hier entsteht, ist desaströs: Europa wirkt wie auf Sand gebaut; bestehend aus ängstlichen Staaten. Wir können uns aber nur einen Platz auf der Weltbühne verdienen, wenn wir wissen, was wir wollen, und entschlossen darauf hinarbeiten…

"Den US-Präsidenten durch Schmeichelei einzubinden, das ist keine kluge Strategie", findet auch das GrenzEcho. Wer Trump dauernd bestätigt, wertet Druck zur Strategie auf und lässt Erpressung wie Führungsstärke erscheinen. Und es ist fatal, wenn die Verbündeten all ihre Energie darauf verwenden müssen, Trump bei Laune zu halten. Denn im Moment hat die Nato definitiv ganz andere Sorgen. Eine Allianz kann viel aushalten, aber sie wird schwächer, wenn ihre Mitglieder den mächtigsten Partner wie ein meteorologisches Risiko behandeln.

"Die Milliarden in Waffen ummünzen"

"Aber immerhin haben sich die Europäer nicht in allen Punkten gebeugt", meint Gazet van Antwerpen. Trump verlangte von den Partnern Unterstützung für seinen unseligen Iran-Krieg. Nur: Warum sollten sie das tun? Hier greift nämlich die Beistandsklausel nicht. Schließlich haben die USA den Iran angegriffen und nicht umgekehrt. Die übrigen Nato-Staaten sind jedenfalls nicht in dieses Boot gestiegen, haben klargemacht, dass sie in diesem Punkt nicht nach Trumps Pfeife tanzen. Hoffentlich bleibt das so…

"Wenn's auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht, aber der Gipfel von Ankara ist vielleicht doch ein historischer Wendepunkt", glaubt L'Echo. Europa ist jetzt bereit, mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit zu übernehmen. Und das nicht nur, um Trump zu gefallen, sondern auch, weil man sich der neuen Bedrohungen -insbesondere durch Russland- bewusst geworden ist. Hier beginnt allerdings erst die Herausforderung. Die in Aussicht gestellten Milliarden reichen nämlich nicht. Es bedarf auch einer Industrie, die das Geld in Waffen ummünzen kann…

Von diplomatischen Anfängern…

Einige Zeitungen blicken auch mit Sorge auf den Nahen Osten. US-Präsident Trump hatte ja gestern die Waffenruhe im Iran-Krieg für beendet erklärt.

"Was bedeutet das jetzt?", fragt sich De Tijd. Dass das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran im Schredder landet? Nun, es war klar, dass die Einigung nur mit Spucke und Schnur zusammengehalten wurde. Und noch klarer ist, dass es keinen einfachen Ausweg aus dieser Krise gibt. Trump hat sich selbst in diese Lage gebracht. Er hatte das Atomabkommen mit dem Iran beendet. Weil er angeblich einen "viel besseren Deal" als Obama erreichen könne. Was für eine beispiellose Selbstüberschätzung!

"Das hat auch damit zu tun, dass Trumps Chefunterhändler blutige Amateure sind", ist De Standaard überzeugt. Seine Vertrauten Steve Witkoff und Jared Kushner mögen Immobilien-Deals abschließen können. Für Verhandlungen mit den gewieften Iranern fehlt ihnen aber die Kragenweite. Und diesen unerfahrenen diplomatischen Anfängern überlässt Trump Fragen über Krieg und Frieden. Mit einem Gegner wie dem Iran kann man sich das nicht erlauben…

Rekord-Übersterblichkeit bei Hitzewelle – Ein Weckruf!

Innenpolitisch sorgt noch die jüngste Hitzewelle weiter für Debatten. Das Institut für Volksgesundheit Sciensano hat jetzt ja eine beunruhigende Bilanz gezogen. Demnach haben die tropischen Temperaturen für eine außergewöhnlich hohe Übersterblichkeit gesorgt. Während der Hitzewelle sind 1.747 Menschen mehr gestorben, als zu erwarten gewesen wäre. Das entspricht einer Übersterblichkeit von knapp 48 Prozent.

"Das muss für alle zuständigen Behörden ein Weckruf sein!", ist Le Soir überzeugt. Jetzt bedarf es einer koordinierten und sektorübergreifenden Strategie, jetzt müssen alle Machtebenen an einem Strang ziehen. Denn Hitzewellen töten die Schwächsten, töten alte, aber auch jüngere Menschen. Das geht uns alle an!

"Jetzt muss man das Problem nur noch ernstnehmen", mahnt aber La Capitale. Das gilt aber offenkundig noch nicht für alle, man denke nur an die Passivität von Premierminister Bart De Wever, oder die freundlichen "Ratschläge" seines Parteikollegen Theo Francken, der ja empfahl, sich mit einem Bierchen an den heimischen Pool zu legen. Als hätten die 1.747 Hitzetoten diese Möglichkeit gehabt! Die Übersterblichkeit ist sogar höher als auf dem Höhepunkt der Corona-Krise. Angesichts solcher Ausmaße wirken die angekündigten Maßnahmen geradezu lächerlich...

Roger Pint

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