"Teuflische Prachtleistung", titelt Het Belang van Limburg am Tag nach dem Sieg der Roten Teufel über die Vereinigten Staaten im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. "90 Minuten reichten, um die Angeberei der Amerikaner verschrumpeln zu lassen", spottet De Standaard. "Die starken Entscheidungen von Garcia haben das Schicksal der Teufel verändert", lobt Le Soir. "Das macht Lust auf mehr", bringt es Het Nieuwsblad auf den Punkt. "Mit breiter Brust gegen Spanien: Belgien trifft am Freitagabend (21 Uhr) im WM-Viertelfinale von Los Angeles auf den amtierenden Europameister", blickt das GrenzEcho voraus.
Was für ein herrliches Bild des US-Trainers, der voller Frust gegen die Getränkekiste trat, als Belgien wieder in Führung ging, stichelt De Standaard in seinem Leitartikel. Und in der zweiten Halbzeit dann die totale Demütigung für Team USA. Kein Zweifel, das war ein Schlag in die Magengrube für die Amerikaner. Und vor allem für Stürmer Balogun, dessen Name bis an sein Lebensende mit Geklüngel und Betrug in Verbindung gebracht werden wird. Der Sieg der Roten Teufel hatte auch etwas Heilendes, er rückte zurecht, was zurechtgerückt werden musste, zumindest auf dem Rasen. Das Verhalten von Donald Trump und seinem Pudel Gianni Infantino erwies sich als der perfekte Brandbeschleuniger: Der einen Mannschaft verlieh das Flügel, die andere spielte, als ob sie Blei in den Beinen hatte – obwohl sie den US-Präsidenten und den Fifa-Boss als zwölften Mann hatten. Sportlich betrachtet blieb die Einmischung folgenlos, aber die Affäre wird unauslöschliche Spuren hinterlassen. Sie hat erneut gnadenlos die Korruption im Fußball entlarvt und wie lächerlich die Rechtsprechung ist, prangert De Standaard an.
Vielleicht währt ehrlich doch am längsten
Das war schon ein bisschen wie David gegen Goliath, kommentiert Het Nieuwsblad: Die Glanzleistung der Roten Teufel hat allerdings wenig zu tun mit dem Eingreifen der Fifa. Hier ging es vor allem um den Glauben an sich selbst. An sich selbst zu glauben ist übrigens ganz und gar nicht das Gleiche wie Selbstüberschätzung. Leider wird man in diesem Land ja sehr schnell als arrogant und irritierend abgestempelt, wenn man sich mal ehrgeizige Ziele setzt. Aber wir könnten uns ruhig mal eine Scheibe abschneiden von der Motivation unserer Nationalmannschaft. Natürlich reicht Wollen nicht immer. Aber ohne Wollen, Träumen und Ehrgeiz geht gar nichts, das ist die Botschaft dieses Spiels, unterstreicht Het Nieuwsblad.
Das war eindeutig versuchter sportlicher Betrug, stellt De Morgen klar. Der nicht funktioniert hat, der Fußball hat die Korruption mit 4:1 besiegt. Das Ganze illustriert auch, dass Fußball, wie Politik, die Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln ist. Immerhin hat jetzt auch das letzte Kind im Fan-Outfit gesehen, dass wir von diesen Vereinigten Staaten mit ihrem korrupten Präsidenten wirklich nichts Gutes mehr zu erwarten haben. Aber es hat noch etwas gezeigt: Zu seiner eigenen Überraschung bekam das kleine, langweilige Belgien plötzlich Unterstützung aus der ganzen Welt. Es gibt einen neuen Mittelmächte-Block, der noch liberale Demokratie und internationales Recht respektiert und sich gegen die autoritäre Welle stemmt. Und noch eine politische Lehre: Wir, die Europäer und Belgier, sollten uns von anderen keine Komplexe einreden lassen. Es könnte nämlich durchaus sein, dass ehrlich immer noch am längsten währt, so De Morgen.
Le Pen darf antreten beim Rennen zum Elysee
Ansonsten richten sich die Blicke aber vor allem nach Frankreich: Was für ein Paukenschlag, kommentiert Le Soir: Gegen alle Erwartungen, selbst aus ihrem eigenen Lager, hat das französische Berufungsgericht entschieden, dass Marine Le Pen nächstes Jahr doch planen kann, Emmanuel Macron zu beerben. Die drei Richter haben die Strafe der Unwählbarkeit des Erstinstanzgerichts für Le Pen reduziert von fünf Jahren auf 15 Monate. Und die sind schon verbüßt. Damit steht ihrer Präsidentschaftskandidatur rechtlich betrachtet nichts mehr im Weg. Von den drei Jahren Haft sind zwei zur Bewährung ausgesetzt, das verbleibende Jahr darf sie zu Hause verbringen, muss allerdings eine elektronische Fußfessel tragen. Dagegen zieht Le Pen nun vor den Kassationshof, sie pokert, um auch die Fußfessel noch loszuwerden. Dennoch wäre es falsch, das als reinen Triumph für Le Pen zu bewerten: Das Gericht war eindeutig – die Ex-Vorsitzende des Rassemblement National bleibt schuldig, was die Veruntreuung von öffentlichen beziehungsweise EU-Geldern angeht, stellt Le Soir klar.
Der Kassationshof wird sich nicht über die Taten an sich aussprechen, erinnert L'Avenir. Er wird lediglich prüfen, ob das Recht korrekt angewandt worden ist. Da kann Marine Le Pen noch so lang behaupten, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat. Ein Schuldeingeständnis wäre politisch natürlich auch nicht möglich gewesen. Aber es wäre falsch, das als reine juristische Prozedur abzutun. Den Kassationshof anzurufen ist eine bewusste Strategie von Le Pen, um Zeit zu gewinnen. Und so möglichst lange hinauszuzögern, im Wahlkampf eine Fußfessel tragen zu müssen, bringt es L'Avenir auf den Punkt.
Ein salomonisches Urteil
Was Le Pen getan hat, das war keine Lappalie, hebt La Libre Belgique hervor: Sie ist rechtskräftig verurteilt, Steuergelder veruntreut zu haben, um nicht nur enge Mitarbeiter und Leibwächter zu bezahlen, sondern sogar den Hausmeister ihres Vaters. Das macht es schwierig, sich weiter als hehres Vorbild zu präsentieren und als gnadenlose Kämpferin gegen verurteilte Politiker. Daran wird auch ihr Gang zum Kassationshof nichts ändern. Politisch betrachtet begeben wir uns auf unbekanntes Terrain: Sie muss die Franzosen überzeugen, dass sie geeignet ist, das höchste Amt im Staat auszuüben, während sie eine elektronische Fußfessel trägt und ihr Fall weiter vor Gericht verhandelt wird, fasst La Libre Belgique zusammen.
Es ist ein salomonisches Urteil, schreibt De Tijd. Die französischen Richter haben das richtige Gleichgewicht gefunden zwischen zwei essenziellen Grundprinzipien. Sie haben gezeigt, dass niemand über dem Gesetz steht. Popularität darf nie juristische Unantastbarkeit bedeuten. Aber sie halten auch fest, dass es die Wähler sind, die darüber entscheiden müssen, ob jemand würdig ist, ein öffentliches Amt zu bekleiden, führt De Tijd aus.
Boris Schmidt