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Die Presseschau von Dienstag, dem 7. Juli 2026

07.07.202608:30
Bild: Dirk Waem/Belga

Die Roten Teufel stehen im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft – nach einem überzeugenden 1:4-Sieg gegen die US-Nationalmannschaft. Der kam zwar zu spät für die Zeitungen, aber das Verhalten von Präsident Donald Trump und Fifa sorgt trotzdem dafür, dass sich heute fast alles um Fußball dreht.

Die Roten Teufel haben im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft Co-Gastgeber USA mit 1:4 vom Platz gefegt. Da das Spiel aber erst am frühen Morgen unserer Zeit stattfand, verweisen die Zeitungen die Leser dafür auf ihre Liveticker. "Plötzlich stand fast die ganze Welt hinter den Roten Teufeln", hält aber De Standaard auf Seite eins fest. "Und plötzlich waren alle für Belgien", schreiben Het Nieuwsblad und Gazet van Antwerpen. "Alle Belgier", titelt in riesigen Buchstaben La Dernière Heure vor dem Bild eines Fußballs in den Nationalfarben, das die ganze Titelseite einnimmt. "Wie Trump und Infantino die ganze Welt hinter die Roten Teufel bekamen", fasst Het Belang van Limburg zusammen.

Ceci n'est pas un carton rouge

Nach vielen Aufregern und Kopfschüttel-Momenten rund um diese WM schafft es der Weltverband Fifa, sich trotz seiner ohnehin von Skandalen geprägten Geschichte selbst zu übertreffen, schreibt das GrenzEcho in seinem Leitartikel. Wer hätte das gedacht? WM-Gastgeber USA freute sich am späten Sonntagabend darüber, dass Stürmer Folarin Balogun, der nach seinem Platzverweis gegen Bosnien-Herzegowina eigentlich für das Achtelfinale gegen die Roten Teufel gesperrt war, nun doch auflaufen durfte. Der bis dato für seine Verhältnisse fast besorgniserregend unsichtbare US-Präsident soll durch direkte Kontakte zur Fifa-Spitze mit dafür gesorgt haben, dass eine fest im Regelwerk des Weltverbandes verankerte Regel fällt: Wer die Rote Karte sieht, wird seit Jahrzehnten für ein Spiel gesperrt. Das war bis jetzt – und in der normalen Welt – unumstößlich. Nicht aber in der von Gianni Infantino und dessen Kumpel Donald Trump. Wenn das der Weg ist, den der Fußball unter Gianni Infantino gehen will – wo hört er auf? Werden in Zukunft auch Tore, Sperren oder Siege neu bewertet oder einkassiert, sobald es gewissen Leuten nicht passt?, befürchtet das GrenzEcho.

Ceci n'est pas un carton rouge, reibt sich Het Laatste Nieuws die Augen. Was hat sich die Fifa dabei bloß gedacht? Dass Belgier schon kein Problem haben werden mit Absurdität? Das ist auch kein Fußball-Streit mehr, wir reden über diplomatische Konsequenzen, wenn sich selbst Außenminister Prévot genötigt gesehen hat, die Integrität des Sports zu verteidigen. Der US-Botschafter in Belgien hat wie von der Wespe gestochen auf die neue Kontroverse reagiert und bestritten, dass sein Präsident sich irgendwo eingemischt habe. Obwohl der sich selbst öffentlich damit rühmte. Ups! Selbst die Europäische Kommission hat sich eingeschaltet. Fast scheint es, als ob wir Europäer gegen Trump spielen müssten, David gegen Goliath ist nichts dagegen. Die Reaktion von Thibaut Courtois war richtig: Trump entscheidet nicht, wer gewinnt, das tun die Spieler auf dem Rasen. Erfolg zu haben nach dieser versuchten politischen Einflussnahme, das macht den Sieg nur noch süßer, streut Het Laatste Nieuws genüsslich Salz in die Wunde.

Der große Verlierer ist die Fifa

Wir wussten alle, dass Donald Trump absolut schamlos ist und keine Grenzen kennt, halten die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe fest: Sein Vorgehen ist bekannt, es zieht sich wie ein roter Faden durch seine zweite Amtszeit: Es gibt nur ein Gesetz, das Gesetz des Stärkeren, wer Macht hat, hat Recht. Druck, Einschüchterung, Drohungen, Erpressung – das sind die Mittel, die Trump jeden Tag und überall einsetzt. Hat also wirklich jemand etwas anderes erwartet für die WM? Der große Verlierer ist in jedem Fall die Fifa. Es hat offenbar nicht gereicht, dem US-Machthaber aus der Hand zu fressen, sie musste sich auch noch öffentlich von ihm demütigen und vorführen lassen. Was für eine Schande, so Sudinfo.

Schon vor dem Anpfiff des Spiels heute Morgen stand ein Verlierer fest – die Fifa, schlägt La Dernière Heure in die gleiche Kerbe: Sie hat den kleinen Rest an Glaubwürdigkeit, den sie vielleicht noch hatte, verspielt nach einem Telefonanruf von Trump, der sich auch noch damit gebrüstet hat. Das war ein historisch einmaliger direkter Eingriff der Politik in den Sport. Welche Botschaft sendet das an Millionen Fans? Dass die Regeln je nach Land angepasst werden können? Es ist skandalös. Die Fifa hat nicht nur das Achtelfinale verzerrt, sie hat verscherbelt, was noch von ihrer Seele übrig war, wettert La Dernière Heure.

Trump schreibt jeden Tag Regeln um, die ihm nicht passen, hält Het Belang van Limburg fest. Warum sollte er das also nicht auch für den Fußball tun? Er schämt sich ja noch nicht mal dafür. Wenn die Fifa die Rote Karte nicht hätte verschwinden lassen, wäre das seiner Ansicht nach Betrug gewesen. So wie laut Trump ja auch bei den US-Wahlen 2020 betrogen wurde, stichelt Het Belang van Limburg.

Trump macht sogar den Fußball kaputt

Trump und Infantino haben Vieles gemeinsam, kommentiert Het Nieuwsblad: Beide sind absolut machthungrig und nepotistisch. Und alles was sie tun, hat vor allem ein Ziel: Selbstbereicherung. Der einzige Unterschied ist, dass Infantino nur der Boss der Fifa ist und Trump der Chef des mächtigsten Landes der Welt. Der Ausverkauf des internationalen Fußballs durch Infantino ist eine Schande, ja. Aber wenn sich Infantino für Trump prostituiert, kostet das keine Menschenleben. Wenn Trump das internationale Recht ins Abseits stellt, ist das sehr wohl der Fall, prangert Het Nieuwsblad an.

Für viele Menschen ist Fußball etwas, um dem hässlichen Alltag zu entkommen, es ist ihre bevorzugte Form des Eskapismus, hebt De Tijd hervor: Aber US-Präsident Donald Trump hat ihnen das kaputt gemacht. Wie der englische Fußballer Gary Lineker mal sagte: Fußball ist ein einfaches Spiel – 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen. Jetzt scheint es so, als ob nach 90 Minuten der amerikanische Präsident die Regeln ändert und seine Mannschaft zum Sieger erklärt, seufzt De Tijd.

Boris Schmidt

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