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Die Presseschau von Montag, dem 6. Juli 2026

06.07.202608:30
US-Präsident Trump und Fifa-Präsident Infantino
US-Präsident Trump und Fifa-Präsident Infantino (Bild: Brendan Smialowski/AFP)

Heute Nacht werden die Roten Teufel bei der Fußball-WM im Achtelfinale gegen die Mannschaft der Vereinigten Staaten antreten. Das Spiel wird allerdings schon im Vorfeld von einer höchst kontroversen Fifa-Entscheidung überschattet. Außerdem befassen sich die Leitartikel mit Fanzonen, der Hitzewelle und dem Personalmangel im Gesundheitswesen.

"Fifa-Zündstoff vor dem Achtelfinale: US-Stürmer Balogun darf nun doch gegen die Roten Teufel auflaufen", titelt das GrenzEcho. "Nach Telefonanruf von Trump: Amerikanischer Topschütze, der Rot bekam, darf doch spielen – Garcia: 'Ich wusste nicht, dass bei der Fifa 1. April ist'", fasst Het Laatste Nieuws zusammen. "Gesperrter Stürmer darf doch spielen, mit Grüßen von Trump – ein Witz, aber ein ganz schlechter", schreibt Het Nieuwsblad. "Kurz vor dem entscheidenden Spiel zwischen Belgien und den Vereinigten Staaten lässt die Fifa die Maske fallen", titelt De Standaard. "Das riecht nach Einmischung", so Le Soir.

Dieses Wochenende scheint sich alles verschworen zu haben, um zu zeigen, wie es um die Vereinigten Staaten zu ihrem 250. Geburtstag bestellt ist, kommentiert sinngemäß Le Soir: Eine historische Hitzewelle und heftige Gewitter haben die Festlichkeiten von Donald "Bohr, Baby, bohr" Trump begleitet. Es war fast so, als ob auch das Klima eine Einladung bekommen hätte zu dieser Feier der alternativen Fakten. Ein paar Tage vorher wurde bekannt, dass sich Trump in der laufenden Amtszeit die Taschen schon mit 1,4 Milliarden Euro aus Kryptogewinnen vollgemacht hat. Und am Tag danach hat er, laut der New York Times, beim Präsidenten des Weltfußballverbands Fifa durchgesetzt, dass die Sperrung des wichtigsten Stürmers der US-Nationalmannschaft aufgehoben wird. Eine zumindest besorgniserregende Intervention am Vorabend des Spiels gegen Belgien, zählt Le Soir auf.

La Dernière Heure beschäftigt sich aus einem anderen Grund mit Fußball: Eine Fanzone ist viel mehr als eine große Leinwand, um ein Spiel mitzuverfolgen. Sie ist ein Ort, an dem sich Menschen anlässlich eines Spiels versammeln und die Einheit des Landes demonstrieren können. Warum also gibt es immer weniger? Ja, die Roten Teufel spielen dieses Mal mitten in der Nacht. Aber das ist wirklich eine Ausnahmesituation. Eine große Fußballnation muss sich auch an ihrer Fähigkeit messen lassen, in aller Sicherheit zu feiern. Indem sie die meisten öffentlichen Übertragungen abblasen, zeigen die lokalen Behörden, dass sie bereit sind, die Party der Angst vor Ausschreitungen zu opfern. Aber die belgischen Fans haben Besseres verdient, zum Beispiel Vertrauen und angepasste Maßnahmen. Mal abgesehen davon, dass es bisher keine größeren Zwischenfälle gegeben hat. Und was das Argument der Lärmbelästigung angeht: Es ist Juli, keine Prüfungszeit in den Schulen. Und es ist wie gesagt eine Ausnahme-Nacht. Das Gleiche gilt für den angeblichen Mangel an verfügbaren Sicherheitskräften: Mit etwas gutem Willen ließe sich da sicher eine Lösung finden, appelliert La Dernière Heure.

Warum soll Klimawandel unwichtiger sein als Verteidigung?

La Libre Belgique kommt auf die jüngste Hitzewelle zurück: Zwischen dem 18. und 29. Juni hat Belgien laut vorläufigen Zahlen eine Übersterblichkeit von 39 Prozent registriert, das sind mehr als 1.200 zusätzliche Tote. Über die Hälfte davon waren Über-85-Jährige. Das beschwört dunkle Erinnerungen herauf an die Covid-Zeit. Auch was die Hitze angeht, beschleicht uns ein vergleichbares Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl, dass das Land nicht vorbereitet ist auf eine Krise, die unvermeidbar schien. Die nächste Hitzewelle ist schon angekündigt. Und alle wissen, dass diese Phänomene immer häufiger werden. Es gibt nicht mehr den geringsten Zweifel: Anpassung an den Klimawandel ist nicht optional. Sonst werden wir den Preis zahlen – in immer mehr Menschenleben, warnt La Libre Belgique.

Wie immer werfen gewisse Menschen den Medien Alarmismus vor, wenn sie über Klimawandel und Hitzewellen berichten, hält Gazet van Antwerpen fest: Dabei reicht es doch, in unsere Lieblingsreiseländer zu schauen, Südeuropa brennt schon wieder. Wer kein Brett vor dem Kopf hat, kann nur zu dem Schluss kommen, dass es schief geht mit dem Klima. Umso unverständlicher, dass der Klimawandel politisch immer weniger eine Priorität scheint. Warum soll das Klima weniger wichtig sein als die Landesverteidigung? Wir sind dabei, den Krieg gegen die Erwärmung der Erde zu verlieren, prangert Gazet van Antwerpen an.

Die echte Frage muss doch lauten: Was hätten die Behörden machen können, um die Folgen der Hitzewelle zu begrenzen?, schreibt Het Laatste Nieuws. Eine andere Klimapolitik ist kurzfristig keine Antwort. Außerdem wären alle belgischen und europäischen Anstrengungen nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Unsere verbleibende Industrie zuzumachen würde das Wirtschaftswachstum zerstören – und damit auch alle Mittel, um gegen den Klimawandel zu kämpfen. Wir betreiben mal wieder Nabelschau, anstatt zu verstehen, dass die Lösungen für dieses Problem nicht in unserer Hand liegen. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Behörden durchaus mehr tun könnten, um den Menschen zu helfen. Zum Beispiel mit mehr Klimaanlagen in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern. Oder mit mehr Grün zum Kühlen der Städte. Und vor allem durch eine Verbesserung der gesellschaftlichen Kontrolle, fordert Het Laatste Nieuws.

Teufelskreis Personalmangel

Het Belang van Limburg befasst sich mit der schlechten Erreichbarkeit der Notrufnummern 112 und 1733 während der Hitzewelle: Die Schuld tragen für alle Deutlichkeit nicht die engagierten Mitarbeiter der Notrufzentralen, sondern die Politiker, die dafür sorgen sollten, dass die Zentralen wie vorgesehen funktionieren. Seit Monaten wird Alarm geschlagen, dass die Notrufzentralen unterbesetzt sind und dass der Arbeitsdruck immer unerträglicher wird. Ein Teufelskreis. Vom sogenannten "Masterplan" von MR-Innenminister Bernard Quintin für die 112 ist auch noch nicht viel zu spüren. Derweil hat Vooruit-Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke angekündigt, die Zuständigkeit für die 1733 übernehmen zu wollen, also die Nummer für den hausärztlichen Bereitschaftsdienst. Ob das was bringen wird, wird sich zeigen müssen. Es bräuchte vor allem mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Was zählt, ist, dass die Notrufnummern funktionieren. Welcher Minister dafür befugt ist, ist den Menschen in Not egal, giftet Het Belang van Limburg.

De Standaard befasst sich mit den Problemen Personalmangel und hoher Arbeitsdruck im Gesundheitswesen allgemein: Der Sektor ächzt und kracht. Als Reaktion fordert die christliche Gewerkschaft bessere Löhne, um die Jobs attraktiver zu machen. Sicher, mehr Geld in der Tasche kann helfen. Aber das ist definitiv nicht die einzige Lösung. Am häufigsten klagen Arbeitnehmer zum Beispiel in Krankenhäusern darüber, dass sie keinen Urlaub nehmen können, dass sie sich nicht auf Dienstpläne verlassen können, dass sie viele Überstunden machen müssen, die sie nicht abbauen können, über zu viel Bürokratie. Die Gehälter können noch so hoch sein, wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen, werden die Menschen krank, werfen das Handtuch beziehungsweise suchen sich von vornherein andere Jobs. Das A und O ist also, genug Menschen in den Sektor zu locken. Dafür wird aber nicht nur mehr Geld nötig sein, sondern auch Kreativität, glaubt De Standaard.

Boris Schmidt

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