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Die Presseschau von Samstag, dem 4. Juli 2026

04.07.202608:30
250 jAHRE usa/ gROßE bUCHSTABEN IN bRÛSSEL
Bild: John Thys/AFP

Die Leitartikel beschäftigen sich mit dem 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeitserklärung – auch im Zusammenhang mit Donald Trump. Weitere Themen sind die Verteidigungspolitik, der Ukrainekrieg, der Senat sowie der Tod des ehemaligen Brügger Bischofs und Sexualstraftäters Roger Vangheluwe.

"Vor 250 Jahren hat die amerikanische Unabhängigkeit das Recht auf das Streben nach Glück verankert", erinnert La Libre Belgique auf Seite eins, dass heute ein besonderer 4. Juli ist. "Trumps Amerika, 250 Jahre Geschichte in den Händen eines einzigen Mannes", liest man bei L'Echo. "Wie Trump die Geschichte instrumentalisiert", titelt Le Soir. "250 Jahre Unabhängigkeit: Wie Donald Trump versucht, die Geschichte umzuschreiben", so die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. "250 Jahre Geschichte, aber in der Trump-Version", heben auch Het Nieuwsblad und Gazet van Antwerpen hervor.

250 Jahre, ein Vierteljahrtausend: Am 4. Juli wird der Geburtstag der ältesten Demokratie der Welt gefeiert, schreibt L'Echo in seinem Leitartikel. Und der mächtigsten, zumindest, was Wirtschaft, Militär und Wissenschaft angeht. Was hätte das für eine Feier sein können, wenn nur nicht Donald Trump Präsident geworden wäre. Ein Mann, der selbst seine transatlantischen Partner als Beute betrachtet, der die Nachkriegsweltordnung auf den Kopf gestellt hat, der sein Land effektiv zu einer Plutokratie gemacht hat, in der selbst essenzielle demokratische Institutionen mit Füßen getreten werden, ein Mann, der persönliche Bereicherung auf neue Spitzen getrieben hat. Ein Mann, der so selbstverliebt ist, dass er sein Gesicht sogar auf Banknoten sehen will, der sich selbst die Geschichte seines Landes kaufen will. Ein Mann, der sich für noch größer hält als Wilhelm der Eroberer, weil der, Zitat Trump, "keine Flugzeuge hatte". Bleibt die Frage, was er noch mit seiner Macht anstellen wird. Noch zeigt ihm der Oberste Gerichtshof ab und zu Grenzen auf. Aber wie lange noch?, fragt L'Echo.

Der Totengräber der Vereinigten Staaten

Trump ist der Totengräber der Vereinigten Staaten, so die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. Man muss sich mittlerweile wirklich Sorgen machen, in welchem Zustand er sein Land eines Tages hinterlassen wird, sein geistiger Gesundheitszustand bereitet immer mehr Experten ernsthafte Sorgen. Kein Wunder, jeder kann ja auf seinem Netzwerk "Truth Social" nachlesen, welche Wahnvorstellungen der mächtigste Mann der Welt hat. Selbst seine treuesten Anhänger haben immer mehr Mühe, ihm noch zu folgen. Eine Umfrage zeigt, dass 61 Prozent der Amerikaner mittlerweile nicht mehr glauben, dass das Land seinen Werten von 1776 noch treu ist. Die Unabhängigkeitserklärung beinhaltet übrigens auch das Recht, eine Regierung zu ersetzen, die die grundlegenden Prinzipien mit Füßen tritt. Donald Trump täte gut daran, den entsprechenden Satz noch mal zu lesen, empfiehlt Sudinfo.

Enorme Herausforderungen

De Standaard blickt voraus auf den anstehenden Nato-Gipfel im türkischen Ankara: Die Europäer werden besonders wenig Spielraum zum Manövrieren haben. Es gibt keine Margen mehr, um sich bei Trump einzuschleimen oder um sich noch mehr öffentlich von ihm erniedrigen zu lassen. Zumindest nicht, wenn man wahltechnisch keinen Suizid begehen will. Und Trump wird den Europäern die Rechnung für ihren Widerstand gegen seinen Irankrieg präsentieren wollen. Die Europäer werden innerhalb sehr kurzer Zeit lernen müssen, verteidigungstechnisch auf eigenen Beinen zu stehen. Eine enorme Herausforderung, um es noch diplomatisch auszudrücken, betont De Standaard.

Europa gibt zwei bis drei Mal mehr für Verteidigung aus als Russland, merkt Het Laatste Nieuws an: Geld, das vor allem für die total zersplitterten Verteidigungsinvestitionen draufgeht, denn Protektionismus ist nach wie vor an der Tagesordnung. Aber allein mit politischer Rhetorik baut man keine schlagkräftigen Armeen, die militärischen Flickenteppiche, die wir haben, sind ein Albtraum für jeden General, wettert Het Laatste Nieuws.

Laut diversen Experten steht der Krieg in der Ukraine vor entscheidenden Wochen und Monaten, kommentiert Het Belang van Limburg. Nicht nur gelingt es den von den Russen überfallenen Ukrainern immer häufiger, bis tief in Putins Reich zurückzuschlagen. Es gibt auch mehr und mehr Hinweise, dass der russische Machthaber innenpolitisch immer isolierter dasteht. Nun, da sein Angriffskrieg gegen die Ukraine auch im eigenen Land immer spürbarer wird, wenden sich die russischen Eliten zunehmend enttäuscht von ihm ab. Selenskyjs neue Strategie scheint Früchte abzuwerfen, hält Het Belang van Limburg fest.

Der Deal Putins mit seinen Untertanen war klar, resümiert La Libre Belgique: Die russische Bevölkerung muss so wenig wie möglich von seinem Krieg zu spüren bekommen. Das war die große Wette Putins. Und er hat sie verloren. Deswegen führt Russland auch immer häufiger reine Terrorangriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung, das ist nicht etwa ein Zeichen von wiedergefundener Stärke, sondern der Beweis, dass sich das Regime in eine Sackgasse manövriert hat. Es wäre ein Fehler, die Bedeutung dieser Wende zu unterschätzen, die Veränderungen, die wir gerade sehen, sind strategisch, hebt La Libre Belgique hervor.

Die DG fordert kein Privileg, nur Konsequenz

Ganz anderes Thema beim GrenzEcho: Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob der belgische Senat verschwindet. Sie lautet, was an seine Stelle tritt. Wer den Senat abschafft, beseitigt zugleich die einzige verfassungsrechtlich garantierte Vertretung der DG auf föderaler Ebene. Jetzt ist die Föderalregierung am Zug. Premierminister Bart De Wever will den belgischen Staat reformieren. Dann muss er auch beweisen, dass es ihm nicht nur um schlankere Institutionen geht, sondern auch um einen funktionierenden Föderalstaat. Die Deutschsprachige Gemeinschaft fordert kein Privileg. Sie verlangt lediglich Konsequenz – nicht mehr und nicht weniger. Belgien hat ihr über Jahrzehnte immer mehr Zuständigkeiten übertragen und sie zu einem eigenständigen Gliedstaat entwickelt. Wer das ernst meint, muss ihr auch dort eine garantierte Stimme sichern, wo die politischen Entscheidungen auf föderaler Ebene getroffen werden. An der Lösung dieser Frage wird sich zeigen, wie ernst es Belgien mit seiner kleinsten Gemeinschaft – und letztlich mit dem Prinzip des Föderalismus – tatsächlich meint, unterstreicht das GrenzEcho.

Ein Symbol für das Versagen der Kirche

Verschiedene flämische Zeitungen greifen den Tod von Roger Vangheluwe im Alter von 89 Jahren auf: Roger Vangheluwe ist tot, wenige Menschen werden ihm nachtrauern, bringt es Gazet van Antwerpen auf den Punkt. Der ehemalige Bischof von Brügge war die Scheinheiligkeit in Person. Er missbrauchte seine Machtposition auf die ekelerregendste Weise, nämlich, um zwei Kinder zu vergewaltigen. Die einzige positive Folge seiner Taten war, dass die Kirche danach endlich begann, gegen Missbrauch vorzugehen. Auch wenn nur sehr zögerlich. Der Kampf gegen Missbrauch fordert Entschlossenheit und Transparenz. An beidem mangelt es noch immer, prangert Gazet van Antwerpen an.

Der gefallene Bischof steht für alles, was in der Kirche falsch lief in puncto Kindesmissbrauch, fasst Het Nieuwsblad zusammen: Vangheluwe wurde 2010 das, was Harvey Weinstein für die #MeToo-Bewegung war: der Tropfen, der den Damm des Schweigens zum Bersten brachte. Mit einem Schlag wurde offensichtlich, wie weitverbreitet sexueller Missbrauch in der Kirche war, überall meldeten sich die Opfer. Vangheluwe war aber auch das perfekte Beispiel für mangelnde Schuldeinsicht und für die Bemühungen der Kirchenhierarchie, Missbrauch unter den Teppich zu kehren. Dank ihm konnte endlich offen über den Missbrauch gesprochen werden. Was ihm natürlich ganz sicher nicht als Verdienst angerechnet werden darf angesichts seiner furchtbaren Taten, stellt Het Nieuwsblad klar.

Boris Schmidt

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