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Die Presseschau von Mittwoch, dem 1. Juli 2026

01.07.202609:10
Hände eines Mannes in Nahaufnahme, der gerade ein Bier am Tresen einer Kneipe zapft
Illustrationsbild: Vadimphoto/Smarterpix

Heute treten gleich mehrere wichtige Neuerungen in Kraft – von der Ausweitung der Flexi-Jobs bis hin zu neuen Abgaben auf Billigimporte aus China. Die Zeitungen bewerten diese Änderungen unterschiedlich. Außerdem sorgt in Flandern das Vorgehen der Antwerpener Polizei gegen eine pro-palästinensische Kundgebung für kontroverse Kommentare.

"Macht uns jetzt stolz!", titelt Het Laatste Nieuws. "Das darf jetzt kein Endpunkt sein", so die Schlagzeile von Het Nieuwsblad. "Zeigt die Zähne!", fordert La Dernière Heure auf Seite eins. Viele Zeitungen blicken heute schon mit Spannung auf das Sechzehntelfinalspiel der Roten Teufel gegen Senegal, das heute Abend stattfinden wird. Das wird kein einfaches Match, da sind sich alle einig. "Der Senegal, das ist der schwerste Gegner, den wir kriegen konnten", das sagt auch Nationaltrainer Rudi Garcia auf Seite eins von La Libre Belgique.

Flexi-Jobs: Vom Sonderfall zum Massenmodell?

Einige Blätter beleuchten aber auch die verschiedenen Neuerungen, die heute in Kraft treten. Zum Beispiel sollen ja die sogenannten Flexi-Jobs auf nahezu alle Sektoren ausgedehnt werden.

"Jetzt wird also die Ausnahme zur Regel", konstatiert L'Avenir in seinem Leitartikel. Als das System der Flexi-Jobs vor 10 Jahren eingeführt wurde, da galt es noch ausschließlich für den Horeca-Sektor. Und jetzt wird diese Option also zu einem vollwertigen Bestandteil des Arbeitsmarktes. Zur Erinnerung: Über einen Flexi-Job bekommt man die Möglichkeit, sich etwas hinzuzuverdienen. Das Angebot richtet sich an Rentner, oder an Menschen, die mindestens zu vier Fünfteln beschäftigt sind. Im vergangenen Jahr haben 260.000 Menschen das System genutzt. Und durch die Ausweitung kann diese Gruppe schon sehr bald sehr viel größer werden. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine klassische Win-Win-Situation: Der Flexi-Jober zahlt keine Steuern auf seine Bezüge; und der Arbeitgeberbeitrag fällt auch deutlich geringer aus. Frage ist allerdings, ob dadurch nicht auf Dauer unser ganzes System ausgehöhlt werden könnte.

Het Belang van Limburg sieht auch diese Gefahr. Wenn produktive Arbeitnehmer künftig an einem ihrer fünf Arbeitstage in einem Flexi-Job arbeiten, dann geht nicht nur Produktivität verloren, sondern dann nimmt auch der Staat weniger ein. Und gerade in der jetzigen Situation kann man sich eigentlich kein sinkendes Steueraufkommen leisten. Außerdem kann es passieren, dass den niedrig qualifizierten Arbeitnehmern noch die Jobs weggenommen werden. Denn: Flexi-Jobber sind kostengünstiger, flexibler einsetzbar und leicht kündbar. Man sieht es: Die Ausweitung des Systems ist doch mit einer ganzen Reihe von Risiken und Unwägbarkeiten verbunden. Der Staat begibt sich hier auf unbekanntes Terrain. Und im Moment sieht das Ganze eher nach einem Zuckerbrot für die Arbeitgeber aus als nach einer wirklich zu Ende gedachten Reform.

"Aber lasst es uns erstmal angehen", appelliert sinngemäß La Dernière Heure. Die linken Parteien und die Gewerkschaften malen gleich schon wieder den Teufel an die Wand. Dabei scheint der Erfolg der Flexi-Jobs der Regierung doch erstmal recht zu geben. Offensichtlich gibt es da eine Nachfrage, bei den Nutzern und auch bei den Arbeitgebern. Natürlich darf man hier auch nicht naiv sein: Es gibt Risiken. So befürchten Zeitarbeitsagenturen unlautere Konkurrenz; und auch für die Staatskasse ist die Ausweitung der Flexi-Jobs nicht die beste Neuigkeit. Sagen wir mal so: Die Regierung hat ein nützliches Ventil geöffnet; jetzt muss sie dafür sorgen, dass nicht das ganze System überschwemmt wird…

SNCB und China-Importe: Neue Regeln, offene Fragen

La Libre Belgique beschäftigt sich mit der neuen Bestimmung bei der Nationalen Eisenbahngesellschaft SNCB, wonach keine Fahrkarten mehr an Bord eines Zuges gekauft werden können. Das mag erstmal logisch klingen, doch ist das wenig nutzerfreundlich, kritisiert das Blatt. Was ist mit denen, die überstürzt abreisen mussten? Oder mit älteren Menschen, die mit dem Fahrkartenautomaten nicht klarkommen? Nicht jeder Fahrgast ohne gültiges Ticket ist automatisch ein Schwarzfahrer. Zwar ist es richtig und nachvollziehbar, dass die SNCB den Kampf gegen Schwarzfahrer verschärft. Die Staatsbahn darf dabei aber nicht vergessen, dass sie immer noch ein Öffentlicher Dienst ist.

L'Echo greift seinerseits die Drei-Euro-Abgabe auf, die ab heute auf kleine Pakete aus Nicht-EU-Staaten mit einem Warenwert von unter 150 Euro fällig wird. "Hoffentlich bekommt der heutige Tag einen Ehrenplatz in den Wirtschaftsgeschichtsbüchern", meint das Blatt. Als der Beginn einer neuen Ära, als der Tag, an dem Europa die Kontrolle über die China-Importe zurückgewonnen hat. Denn genau darum geht es bei dieser Drei-Euro-Abgabe. Um Plattformen wie Temu, Shein oder Alibaba, die insbesondere Europa mit Billigartikeln fluten, die oft gegen sämtliche Sozial- und Umweltnormen verstoßen. Die EU musste da reagieren. Doch ist es wohl wie mit jeder Regel: Hintertüren gibt es immer. Deswegen haben's am Ende die Kunden in der Hand. Sie müssen sich über die Folgen ihres Kaufs bewusst werden. Nicht nur, weil eben viele Normen mit Füßen getreten werden. Sondern auch, weil sie mit jedem Klick auf diesen Plattformen letztlich genau dieses System am Laufen halten.

Antwerpen: Streit um Polizeieinsatz und Israel-Flagge

In Flandern sorgen derweil die jüngsten Ereignisse rund um pro-palästinensische Proteste für Diskussionsstoff. Die Antwerpener Polizei war sehr entschlossen gegen eine Kundgebung vorgegangen, weil die Demonstranten den ihnen zugewiesenen Bereich verlassen hatten. Einige Teilnehmer wurden festgenommen; darunter war auch der neue Groen-Vorsitzende Aimen Horch.

"Jetzt kennt zumindest jeder den Namen des neuen Groen-Chefs", giftet Het Laatste Nieuws. Da hat Aimen Horch schon mehr erreicht als sein Vorgänger, den niemand wirklich auf dem Schirm hatte. Für eine Umweltpartei wäre es aber wohl geschickter gewesen, wenn sie jetzt -nach der jüngsten Hitzewelle- den Klimaschutz wieder auf die politische Agenda gesetzt hätte.

"Die Antwerpener Stadtverantwortlichen, und vor allem Bürgermeisterin Els Van Doesburg, haben hier aber auch überreagiert", ist Het Nieuwsblad überzeugt. Man hat die Demonstranten quasi gezielt dazu provoziert, die Grenzen zu überschreiten, um dann gegen sie vorgehen zu können. Und dann hat Van Doesburg noch einen draufgesetzt: Um durchzusetzen, dass die israelische Flagge am Rathaus hängen bleiben durfte, setzte sie sich über ihren Koalitionspartner hinweg und ließ sich stattdessen vom rechtsextremen Vlaams Belang unterstützen. Das Verhalten aller Beteiligten ist einfach nur noch beschämend...

Roger Pint

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