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Die Presseschau von Dienstag, dem 30. Juni 2026

30.06.202609:25
Frau kühlt sich vor einem Ventilator ab
Illustrationsbild: Hay Dmitriy/Smarterpix

Belgien ist, wie viele andere Länder auch, noch vollauf damit beschäftigt, die Folgen der jüngsten Hitzewelle zu verarbeiten. Das ist auch in den Leitartikeln unübersehbar. Weitere Themen sind die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern, die Lage im Nahen Osten und Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.

"Krankenhäuser kämpfen gegen die Hitze: Hohe Temperaturen setzen belgisches Gesundheitssystem massiv unter Druck", titelt das GrenzEcho auf Seite eins. "Sorgen in den Notfalldiensten um alleinstehende ältere Menschen nach 'nie dagewesenem' Hitzewochenende", so der Aufmacher bei De Standaard. "Die Hitzewelle in den Krankenhäusern ist vor allem eine soziale Krise", liest man bei Le Soir. "Auffällig mehr Flamen während der Hitzewelle zu Hause gestorben", schlägt Het Laatste Nieuws Alarm.

"Noch haben wir keine offiziellen Angaben zu Übersterblichkeit während der Hitzewelle", merkt De Standaard in seinem Leitartikel an. "Aber es besteht kein Zweifel daran, dass Hitzestress ein stiller Killer ist. Europa ist für das Klima von gestern gebaut, hatte ein Spitzenmann der Weltgesundheitsorganisation WHO gewarnt. Und das ist in der Tat unübersehbar: Schulen mussten schließen, Krankenhäuser mussten Operationen verschieben, Züge wurden gestrichen. Einen Vorteil haben die heißen Tage immerhin: Jeder hat sie persönlich erlebt. Das wird zweifellos dazu beitragen, dass sich die Menschen bewusster werden, was für ein Problem die Klimaerwärmung ist. Sich Sorgen über das Klima zu machen ist nicht mehr länger ein Monopol für Aktivisten, auch immer mehr gewöhnliche Bürger begreifen, wie wichtig es ist, etwas zu unternehmen. Ein Bewusstsein, das sich früher oder später auch politisch niederschlagen wird", meint De Standaard.

Antworten müssen vor allem aus der Politik kommen

"Auch in Belgien sind Menschen an der Hitze gestorben", unterstreichen die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. Ganz zu schweigen von den zahllosen Gesundheitsproblemen und den höllischen Nächten. Natürlich müssen wir uns auch individuell an den Klimawandel anpassen. Aber die Antwort muss vor allem aus der Politik kommen: Wir brauchen mehr Bäume in den Städten, nicht mehr Beton, Wohnungen und Häuser müssen besser isoliert werden, wir brauchen Klimaanlagen für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, für Schulen. Das sind alles budgetäre und damit politische Entscheidungen. Die Hitzewelle illustriert, wo investiert worden ist. Beziehungsweise wo all die Jahre eben nicht investiert worden ist, trotz der eindringlichen Warnungen der Experten. Und was ist mit den Schwächeren der Gesellschaft, was wird getan, um sie besser gegen die Hitze zu schützen? Auch das ist eine Frage, die unsere Politiker beschäftigen sollte. Aber passiert das? Theo Francken bestand ja darauf, die Welt wissen zu lassen, dass er einen Pool hat und einen Kühlschrank voller Bier", giftet Sudinfo.

"Nein, wir sind nicht alle gleich vor der Hitze", prangert Le Soir an: gesellschaftliche Position, Wohn- und Lebenssituation, Wohnort, geistiger Zustand, Alter – all das spielt eine wichtige Rolle bei der Frage, wie die Menschen im Land den hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Und es gibt Personen, die besonders gefährdet sind, etwa allein lebende ältere Menschen, alleinerziehende Mütter, Menschen, die auf der Straße leben. Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, die die Schwächsten einfach krepieren lässt?", klagt Le Soir an.

Strukturelles Problem Lohnungleichheit

Het Nieuwsblad beschäftigt sich mit der Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen: "Eine neue große Studie ist eindeutig – Frauen, die mit gleichem Abschluss die gleiche Arbeit wie Männer machen, bekommen im Schnitt brutto immer noch zwei Prozent weniger Lohn. Das mag nicht nach viel klingen, aber umgerechnet auf eine ganze Karriere kommt da schon einiges zusammen. Die Forscher bleiben betont vorsichtig mit ihren Schlussfolgerungen, sie sprechen von "möglicher Diskriminierung". Aber wir reden hier über ein strukturelles Problem. Die Zahlen beweisen, wie wichtig die Umsetzung der europäischen Verpflichtungen zur Lohntransparenz ist. Verpflichtungen, denen sich die europäischen Arbeitgeber erbittert widersetzt hatten. Und sie zeigen auch, wie scheinheilig all die populistischen und rechtsextremen Parteien sind, die durch die Bank über eine Vorzugsbehandlung von Frauen fantasieren", kommentiert sinngemäß Het Nieuwsblad.

Konsequenzen

L'Avenir greift die Frage auf, ob die belgische Marine helfen soll, in der Straße von Hormus Minen zu räumen: "Belgien ist, gemeinsam mit den Niederlanden, ein ausgewiesener Experte, was die Räumung von Minen angeht. Unser Verteidigungsminister Theo Francken würde das auch liebend gerne im Nahen Osten beweisen, wie er nicht müde wird zu betonen. Aber das würde bedeuten, dass wir in die Spannungen der Region hineingezogen würden, wenn nicht direkt, dann zumindest indirekt. Abgesehen davon ist von einem Friedensabkommen, das für einen NATO-Einsatz nötig wäre, weit und breit nichts zu sehen. Unter solchen Bedingungen darf die belgische Marine nicht in die Straße von Hormus geschickt werden, um Donald Trump aus dem Schlamassel zu helfen, den er selbst verursacht hat", findet L'Avenir.

De Tijd blickt nach Moskau: "Von einem mea culpa kann bei Diktatoren wie Wladimir Putin natürlich keine Rede sein. Aber die Botschaft, die Putin den Russen im Staatsfernsehen präsentieren musste, sprach Bände: Zum ersten Mal seit dem Beginn seines großangelegten Überfalls auf das Nachbarland Ukraine musste Putin öffentlich zugeben, dass Russland Probleme hat. Die Ukrainer sind dabei, mit Tausenden Drohnen die Öl- und Energieinfrastruktur der Russen in Schutt und Asche zu legen, überall in Putins Reich werden die Schlangen vor den Tankstellen immer länger. Ein weiteres Zeichen, dass die russischen Aggressoren gerade schwer einstecken müssen, nach der panischen Angst vor ukrainischen Angriffen auf die jährliche Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau. Putins Angriffskrieg ist in eine neue Phase eingetreten. Ohne dass ein Ende oder ein Sieg für eine der beiden Seiten in Sicht wäre", konstatiert De Tijd.

Boris Schmidt

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