"Nach der Hitzewelle die Gewitter", meldet L'Avenir auf Seite eins. "Hilfskräfte überlastet: ein Toter, enorme Schäden", so La Dernière Heure. "Verschiedene Festivals gestoppt, Hitzeunwetter mit mindestens 17.000 Blitzen, ein Toter durch umgestürzten Baum – aber ab heute endlich normaler Sommer", fasst Het Laatste Nieuws zusammen. "Gefährdet das Klima die Sommerfestivals?", fragt Le Soir. "Die Hitzewelle macht eine Sache deutlich: Europa ist nicht dafür gebaut", titelt De Standaard.
"Die Hitzewelle klingt in Belgien langsam ab", konstatiert L'Avenir in seinem Leitartikel. "Wir können wieder etwas durchatmen – während wir auf die nächsten Hitzewellen warten. Und die Hitzewellen werden immer intensiver und häufiger werden, wie uns die Wissenschaft bereits seit Jahrzehnten warnt. Das hält die Leugner des Klimawandels natürlich nicht davon ab, in den sozialen Medien sofort wieder zu behaupten, dass das eben der Sommer ist und dass es sowas früher auch schon gab. Während der letzten Tage haben wir aber vor allem auf die politisch Verantwortlichen geflucht, die nichts gegen die Klimaerwärmung tun. Wenn sie sie nicht sogar aktiv fördern. Und die dann allen Ernstes behaupten, dass man die Folgen doch nicht habe voraussehen können. Wenn nicht endlich etwas gegen den Klimawandel unternommen wird, könnte es auch sein, dass das Thermometer der gesellschaftlichen Wut den Siedepunkt erreichen wird", warnt L'Avenir.
Klima als neuer Headliner bei Festivals
"Das Wetter ist nicht mehr nur das Dekor für unsere Sommerfestivals, es ist zum Headliner geworden", kommentiert Le Soir: Es hat nämlich dafür gesorgt, dass diversen Konzerten und Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen der Strom abgedreht werden musste. Das war auch richtig und wichtig, niemand will eine Wiederholung des Pukkelpop-Dramas. Aber es kann nicht nur darum gehen, Festivals rechtzeitig abzusagen oder zu unterbrechen. Es muss über eine dauerhafte Anpassung an die neuen Realitäten und gestiegenen Risiken gesprochen werden. Schluss mit dem Improvisieren, wir brauchen eine Harmonisierung der Protokolle zwischen den verschiedenen Festivals, den Behörden und dem Königlichen Meteorologischen Institut, auch was Grenzwerte für Entscheidungen angeht, die Vorbereitung von Schutzräumen, Evakuierungsszenarien inklusive ausreichenden öffentlichen Transportmitteln, flexiblere Zeitpläne für die Konzerte. Versicherungen und Erstattungsregeln müssen ebenfalls angepasst werden. Der Skandal ist nicht, dass Konzerte abgesagt oder unterbrochen worden sind. Der Skandal ist, dass weiter so getan wird, als ob alles wie früher wäre", prangert Le Soir an.
Schluss mit den Spielchen
"Für die Schüler ist Zeugniszeit", schreibt Gazet van Antwerpen. "Aber wenn die Föderalregierung auch mit einem guten Zeugnis in den Sommer gehen will, dann wird sie in den nächsten Wochen ranklotzen müssen. Seit Monaten tut sich kaum etwas in puncto große Reformen und Haushaltsverhandlungen, die Regierung muss endlich Knoten durchhacken", fordert Gazet van Antwerpen.
"Es gibt keine finanziellen Spielräume, die Regierung steht vor einer riesigen Herausforderung", erinnert La Libre Belgique. "Egal, was kommt, es wird schmerzhaft werden. Und das bedeutet vor allem eines: Die politisch Verantwortlichen müssen einen kühlen Kopf bewahren. Leider eine Eigenschaft, die in der Politik immer mehr zur Mangelware geworden ist. Wir brauchen Zurückhaltung und kein Getöse, das gilt insbesondere für die Parteipräsidenten. Sie müssen der Versuchung widerstehen, ständig Slogans und unerfüllbare Forderungen in die Welt hinauszuposaunen und Tabus anzuhäufen, es bringt nichts, jede Verhandlung zum existenziellen Armdrücken zu machen, Schluss mit den Spielchen", mahnt La Libre Belgique.
"Den Haushalt in der Spur zu halten, wird in jedem Fall eine komplexe Angelegenheit sein", heben die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe hervor. "Aber um eine Feststellung kommt man schon jetzt nicht herum: Eine ganze Reihe von Berufen und damit Hunderttausende Menschen werden die Auswirkungen in ihrer Kaufkraft zu spüren bekommen. Beziehungsweise spüren sie schon jetzt. Und das ist das Paradoxe beziehungsweise hier liegt die Inkohärenz der Politik: Man kann nicht einerseits auf die Zukunft vertrösten, wenn es um potenziell positive Effekte geht, während die negativen sofort sichtbar werden. Die Arizona hatte der arbeitenden Bevölkerung viel versprochen. Aber bisher sehen viele Menschen vor allem, was sie verlieren könnten", fasst Sudinfo zusammen.
Feiern mit bitterem Beigeschmack
La Dernière Heure kommt zurück auf die pompöse Feier, die US-Botschafter Bill White gestern im Brüsseler Jubelpark organisiert hatte anlässlich des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung: "Abgesehen von den am 4. Juli in Washington geplanten Feierlichkeiten war das möglicherweise die größte Party zu Ehren der USA überhaupt. Man muss es zugeben: Die Amerikaner wissen zu feiern. Und die amerikanisch-belgische Freundschaft hatte es verdient, gefeiert zu werden. Aber White ist ein oft grenzwertiger Trump-Provokateur, er repräsentiert einen Präsidenten, der den Klimawandel leugnet und sich schon zahllose Entgleisungen geleistet hat. Das macht das Feiern ohne bitteren Beigeschmack schwierig. Abgesehen davon hat Belgien auch andere treue Verbündete beziehungsweise tiefe Beziehungen zu anderen Ländern und Gemeinschaften. Die nie den Jubelpark zum Feiern bekommen haben", unterstreicht La Dernière Heure.
Het Belang van Limburg blickt in Richtung Naher Osten: "Es sah doch so gut aus. Mit vielen Zugeständnissen hatten die Vereinigten Staaten den Iran dazu gebracht, einer Rahmenvereinbarung für weitere Verhandlungen zuzustimmen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus kam langsam wieder in Gang, die Ölpreise begannen sich zu normalisieren. Mittlerweile wird am Golf aber wieder geschossen und bombardiert Israel erneut den Libanon, von einem Waffenstillstand ist kaum noch etwas zu spüren. Und die Ölpreise gehen wieder in die Höhe", seufzt Het Belang van Limburg.
Boris Schmidt