"38 Grad und es wird noch heißer", titelt das GrenzEcho. "39,97 Grad Celsius – kein Rekord trotzdem glühend heiß", notiert Het Belang van Limburg auf Seite eins. "Klimaanlagen und Ventilatoren ausverkauft", meldet La Libre Belgique auf ihrer Titelseite.
Die Rekordtemperaturen von gestern und die anhaltende Hitzewelle beschäftigen die Zeitungen auch weiter auch in ihren Leitartikeln.
L'Echo meint: Das Gute an dieser Woche ist, dass das Thema Klimapolitik wieder in aller Munde ist. Sie zeigt, dass nicht nur Menschen und Tiere unter anhaltend äußerst hohen Temperaturen leiden, sondern auch die Wirtschaft. Das sollte ein Weckruf an unsere Politiker sein. Alles so lassen, wie es ist, wäre fatal. Denn wenn in Zukunft immer häufiger solche Hitzewellen über uns rollen, wird das eine zusätzliche Belastung für Europas Wirtschaft bedeuten. Die steht im Vergleich zu anderen Teilen der Welt überdies unter Druck. Zusätzliche Belastungen durch Hitzewellen kann sie sich nicht leisten, unterstreicht L'Echo.
Der gesunde Menschenverstand…
Auch Het Belang van Limburg findet: Es ist allerhöchste Zeit für unsere Politiker, um dafür zu sorgen, unser Zusammenleben besser gegen große Hitzeperioden zu wappnen. Bislang ist bei uns fast alles gut gegangen. Aber jetzt kommt das Wochenende mit vielen Festivals, die nicht verboten wurden. Wer weiß, wie danach die Bilanz aussieht. Das Mindeste, das unsere Politiker als Lehre aus dieser Woche tun sollten, wäre dafür zu sorgen, dass zumindest die Schwächsten unserer Gesellschaft künftig besser vor großer Hitze geschützt werden. Verpflichtend Klimaanlagen in Schulen und Altersheimen einzubauen, wäre eine Maßnahme, um das zu gewährleisten, fordert Het Belang van Limburg.
De Standaard berichtet: Premierminister Bart De Wever hatte diese Woche einen weisen Rat, wie wir am besten mit der großen Hitze umgehen sollten. "Gebraucht Euren gesunden Menschenverstand", sagte er. Das hört sich zunächst gut an und es kann sein, dass die Erfahrung aus der Corona-Pandemie dazu führt, dass unsere Politiker keine Verbote aussprechen wollen. Aber diese fast schon gleichgültige Haltung gegenüber den Sorgen der Menschen erinnert auch ein bisschen daran, wie gleichgültig unsere Politiker – und nicht nur sie – mit der Klima-Frage umgehen. Sie wird nämlich nicht wirklich ernst genommen. Dabei sagt uns der gesunde Menschenverstand, dass man das tun sollte. Denn immerhin ist die aktuelle Hitzewelle um 3,5 Grad heißer als die bisherige Rekordwelle von 1976, erinnert De Standaard.
Einfach nur "Theo-logisch"!
Het Laatste Nieuws ist sarkastisch: Jahrelang war es ein unlösbares Problem, aber diese Woche brachte endlich die Lösung. Klimaminister Theo Francken hat uns die Erleuchtung geschenkt. Auf einem Instagram-Post hat er uns erklärt, wie am besten mit der Hitze umgehen sei: Gebt jedem ein Schwimmbad und ein frisches Stella, schrieb er da. "Theo -logisch", nennen wir seitdem die neue erfrischende Klimapolitik. Viel berichten werden wir aber nicht darüber, denn in seinem nächsten Post schrieb Francken, dass die Hitzewelle vor allem von alarmistischen Medien gemacht wird. Das heißt: Wenn man nicht mehr über Temperaturen bis 40 Grad berichtet, ist es auch plötzlich nicht mehr so heiß. Wir sind begeistert von so viel Erkenntnis und wollten von Francken mehr darüber wissen. Aber für ein Interview mit unserer Zeitung zu Tipps gegen die Hitze war er nicht bereit, bedauert Het Laatste Nieuws.
La Dernière Heure stellt fest: Für die Grünen von Ecolo kommt diese Hitze-Krise gerade ganz passend. Plötzlich sind sie wieder diejenigen, die immer schon vor solchen Zuständen gewarnt hatten. Ecolo bekommt jetzt viel Zustimmung zu spüren, vor allem in sozialen Medien. In Frankreich passiert genau das Gleiche. Da ist man schon so weit, das Thema Klimapolitik zentral für die Präsidentschaftswahlen 2027 zu setzen. Doch die Chance ist groß, dass die Sorge um das Klima und damit auch die Unterstützung für die Grünen nach der Hitzewelle wieder schnell verpuffen, prophezeit La Dernière Heure.
Mega-Party mit Geschmäckle
La Libre Belgique kündigt an: Am Sonntag wird US-Botschafter Bill White eine Mega-Party zu 250 Jahren USA im Brüsseler Jubelpark feiern. 5.000 Gäste sind geladen, ein Feuerwerk wird es geben, Drohnen und Flugzeuge werden fliegen. Alles mega, alles groß. Was ja auch nicht anders zu erwarten war von einem Botschafter, der sich wie ein Avatar von Trump verhält. Die Feier hat dann auch wenig mit Diplomatie zu tun, sondern viel damit, die Größe der USA zu zeigen und Geschäfte zu machen mit den geladenen Politikern und Unternehmensbossen, analysiert La Libre Belgique.
De Morgen blickt mit Sorge nach Italien. Premierministerin Giorgia Meloni ist dabei, das Wahlsystem zu verändern. Ihr Vorhaben: Sollte eine mögliche Regierungskoalition bei Wahlen mindestens 42 Prozent erhalten, bekommt sie einen Mehrheitsbonus von maximal 17,5 Prozent. Dadurch soll eine klare Mehrheit der Regierung im Parlament sichergestellt werden. Solche Mehrheitsboni hat es früher in Italien schon gegeben. Der Faschist Mussolini kam so an die Macht. 2005 führte Silvio Berlusconi den Bonus ein, der aber 2013 durch das Verfassungsgericht gekippt wurde. Die Opposition kritisiert Melonis Vorhaben heftig und sieht darin ein Manöver, ihre Mehrheit bei den Wahlen im nächsten Jahr zu sichern. Eins ist auf jeden Fall klar: Solche Mehrheitsboni können schlimme Folgen haben. In Ungarn hat ein solcher Bonus Viktor Orban 16 Jahre an der Macht gehalten, warnt De Morgen.
Kay Wagner