"Alarmstufe Rot", warnt Het Belang van Limburg auf Seite eins. "3,5 Grad der aktuellen Hitzewelle sind dem Klimawandel geschuldet", so die Schlagzeile von De Standaard. "Garagen und Keller werden zu neuen Schutzräumen gegen die Hitze", heißt es bei La Dernière Heure auf Seite eins.
Aspekte rund um die aktuelle Hitzewelle greifen die Zeitungen auch in ihren Leitartikeln auf.
Le Soir behauptet: "Das, was wir gerade erleben, wird in wenigen Jahren ganz normal sein. Berechnungen der Universität Lüttich zeigen, dass es in einem normalen Sommer ab 2040 regelmäßig zwischen zehn und 15 Tagen geben wird, an denen die Temperaturen über 30 Grad liegen. Kommenden Montag werden wir bereits zwölf solcher Tage durchlebt haben. Wir erleben also gerade unsere Zukunft. Dabei ist es erschreckend zu sehen, wie wenig wir darauf vorbereitet sind. Niemand kommt mit dieser Hitze zurecht. Warnende Stimmen hat es schon seit Langem gegeben. Aber alle Pläne, um unser Zusammenleben auf solche Hitzewellen vorzubereiten, sind in den Schubladen geblieben. Die Unfähigkeit, sich auf die Zukunft vorzubereiten, lässt es einem kalt den Rücken hinunterlaufen. Und das hat nichts Erfrischendes an sich", ärgert sich Le Soir.
Warum erst jetzt?
Ähnlich kommentiert L'Avenir: "Klimaminister Jean-Luc Crucke möchte mit zwölf Prioritätsmaßnahmen etwas gegen die extreme Hitze tun. Die entsprechende Arbeitsgruppe soll sich am ersten Juli treffen. Das ist eigentlich ein guter Plan. Frage nur: Warum erst jetzt? Denn egal, ob man den Klimawandel als vom Menschen gemacht oder als natürlich ansieht, seine Auswirkungen sind längst zu spüren. Dass bislang so wenig konkrete Maßnahmen umgesetzt wurden, um die negativen Effekte aufzufangen, fliegt uns jetzt um die Ohren", stellt L'Avenir fest.
Het Nieuwsblad bemerkt: "Die Experten der Risikomanagementgruppe haben bei der Analyse der aktuellen Hitzephase etwas Beachtliches geleistet. Als Ergebnis haben sie nämlich keine Verbote ausgesprochen, sondern lediglich Ratschläge erteilt. Das ist eine Art Paradigmenwechsel. Die Experten scheinen aus den Erfahrungen der Corona-Zeit gelernt zu haben. Damals sind viele Verbote schlecht aufgenommen worden. Tatsächlich ist es sinnvoller, an die eigene Verantwortung jedes Einzelnen zu appellieren. Denn die größte Verantwortung, wenn es um Gesundheit geht, liegt bei den Bürgern selbst", findet Het Nieuwsblad.
Menschenverstand vs. Dogmatismus
La Dernière Heure bemerkt: "Die Hitzewelle steigt uns allen zu Kopf und führt zu neuen nationalen Debatten: Darf man sich eine Klimaanlage kaufen, ohne sich schuldig zu fühlen? Diese Frage erhitzt nicht nur die Gemüter in Frankreich, sondern auch bei uns. Klimaanlagen sind nämlich nicht gut für die Umwelt, kühlen zwar Räume, leiten die Hitze aber nach draußen und sorgen damit für weiter steigende Temperaturen. Extreme Positionen bei diesem Streit sind fehl am Platz. Klimaanlagen in Krankenhäusern und Altenheimen sind unbedingt nötig. Und allgemein sollte gelten: Wenn man zu stark unter Hitze leidet, ist der gesunde Menschenverstand effizienter als Dogmatismus", meint La Dernière Heure.
De Tijd analysiert: "Die Debatte um die Klimaanlagen verweist auf Schwachpunkte bei unserer Energieversorgung. Auch dieser Sektor ist auf solche Hitzewellen nicht vorbereitet. Es muss sich noch viel ändern, damit Spitzen beim Strompreis wegen des Gebrauchs der Klimaanlagen in Zukunft vermieden werden. Batterieparks, in denen die Energie aus Sonne und Wind gespeichert werden, müssen massiv gebaut werden. Das ist aber nur ein Beispiel von vielen anderen Änderungen, die jetzt unbedingt in Angriff genommen werden sollten", mahnt De Tijd.
Die Stunde der Wahrheit
La Libre Belgique beschäftigt sich mit den Atomkraftwerken und notiert: "Im aktuellen geopolitischen Kontext ist es verständlich, dass die Föderalregierung den Atompark nationalisieren möchte. Die Entscheidung darüber sollte allerdings nicht überstürzt getroffen werden. Anfang Oktober, so hat es Premier Bart De Wever angekündigt, soll die Entscheidung der Regierung fallen. Sie wäre gut beraten, sich mehr Zeit einzuräumen, wenn bis dahin noch nicht alle Analysen und Einschätzungen zum Sinn der Maßnahme vorliegen. Es geht immerhin um Milliarden", erinnert La Libre Belgique.
Het Laatste Nieuws schreibt mit Blick auf das letzte Gruppenspiel bei der WM für die Roten Teufel: "Die Stunde der Wahrheit hat geschlagen. Ein Fiasko wäre mit nichts zu entschuldigen. Vor der WM war der Gruppensieg das Ziel, das Viertelfinale wurde bereits ins Auge gefasst. Jetzt könnte es sogar sein, dass die Teufel ausscheiden. Allein der Gegner Neuseeland scheint nicht wirklich sehr bedrohlich. Von den letzten 13 Spielen hat Neuseeland nur eins gewonnen. Ein einziges! Die Chancen für ein Weiterkommen sind also da. Ausscheiden verboten", befiehlt Het Laatste Nieuws.
Kay Wagner