"Das Nationale Krisenzentrum kommt zusammen vor der wärmsten Nacht aller Zeiten", meldet De Standaard auf Seite eins. "Nationales Krisenzentrum sitzt wegen Hitzewelle zusammen - reale Chance, dass Code Rot angekündigt wird", schreibt Het Laatste Nieuws. "Warum die Nächte bei Hitzewellen am gefährlichsten sind", so die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. "Das Land überhitzt", schlägt Le Soir Alarm. "Die Schulen, die der Klimaerwärmung nicht mehr standhalten können", liest man bei La Libre Belgique. "Belgien ist nicht vorbereitet auf Hitzewellen", unterstreicht L'Avenir.
"Ja, Hitzewellen hat es auch früher gegeben", räumt Le Soir in seinem Leitartikel ein, "aber die Hitze, die Westeuropa gerade erlebt, ist durch den von der Menschheit verursachten Klimawandel viel schlimmer gemacht worden. Das ist für die Wissenschaft ganz klar. Aber trotz der massiven Folgen scheinen wir politisch einer Aufführung von Taubstummen zuzuschauen. Schon bei der Hitzewelle letztes Jahr war eine proaktivere Politik gefordert worden, visionäre Haushaltsentscheidungen, klare Ansagen und ein Weg vorwärts. Passiert ist quasi nichts. Und dieses Jahr sieht es nicht viel besser aus. Nein, das ist keine "Panikmache", wie die üblichen Verdächtigen wieder behaupten, um jede Diskussion im Kern zu ersticken. Die sich im Übrigen einen Dreck scheren um die Menschen, die am stärksten unter der Hitze leiden, die Schwächsten der Gesellschaft, die in ihren Behausungen gekocht werden, die überhitzte und überfüllte öffentliche Transportmittel nutzen müssen. Diese Menschen wissen, wie sich ein paar Grad mehr anfühlen im Alltag. Es geht nicht um Panikmache, es geht darum, der Realität ins Auge zu schauen, das Schweigen zu brechen und endlich etwas zu unternehmen. In verantwortungsvoller Weise und zum Wohl der Allgemeinheit. Das wäre Politik, die diesen Namen verdienen würde", giftet Le Soir.
Verdrängen ist keine Lösung
"Genießt doch endlich das tolle Wetter und lebt! Mann, Mann, Mann, dass Journalisten aber auch immer was zum Schlechtmachen finden", paraphrasiert Het Laatste Nieuws Äußerungen von N-VA-Verteidigungsminister Theo Francken zur Hitzewelle. "Viele Flamen haben offenbar das Gefühl, dass die Medien mal wieder Panikmache betreiben, dass der Staat wieder erwachsene Menschen bevormundet und man nicht mal mehr die Sonne genießen kann, ohne mit Präventionskampagnen genervt zu werden. Es mag ja sein, dass manchmal etwas übertrieben wird. Aber das ändert nichts daran, dass Klimawandel eine Tatsache ist. Mit potenziell tödlichen Folgen. So zu tun, als ob die Hitzewelle etwas zum Genießen ist, ist eine sehr bequeme Sichtweise. Eine Sichtweise für Menschen mit Klimaanlage, Garten, Schwimmbad. Lebt doch mal!, sagen sie. Aber in einer brütend heißen Wohnung in Brüssel oder Antwerpen, ohne Terrasse, ohne Schatten und ohne Ausweg heißt es eher: Überleben!", stellt Het Laatste Nieuws klar.
"Lange klangen die Warnungen über die Auswirkungen der Klimaerwärmung wie schlechte Science Fiction", hält Gazet van Antwerpen fest. "Aber mittlerweile sind verschiedene der unheilvollen Szenarien Wirklichkeit geworden, selbst hier bei uns. Seit dreißig Jahren wird auf internationalen Klimagipfeln versucht, zu Vereinbarungen zu kommen, um die Erwärmung der Erde zu bremsen. Auch unsere Regierungen haben ihre Klimapläne. Aber das Klima steht längst nicht mehr oben auf der Prioritätenliste. Es ist verdrängt worden von anderen Krisen wie Kriegen, geopolitischer Unsicherheit, wirtschaftlichen Problemen, Milliardenlöchern im Haushalt. Aber auch wenn die Politik keine Lust hat, sich damit zu beschäftigen: Der Klimawandel kann nicht ignoriert werden. Er kann uns nämlich Milliarden kosten, das sagt sogar das föderale Planbüro. Die Politik kann nicht mehr weiter so tun, als ob der Klimawandel ein Problem für morgen wäre", appelliert Gazet van Antwerpen.
Großbritannien zahlt noch immer die Brexit-Zeche
Zweites großes Thema ist der Rücktritt des britischen Labour-Premierministers Keir Starmer: "Als er im Juli 2024 an die Macht kam, versprach Starmer Veränderung", erinnert La Libre Belgique. "Zwei Jahre später muss er das Feld auf Druck seiner eigenen Partei schon wieder räumen, nachdem ihm die Öffentlichkeit schnell das Vertrauen entzogen hatte. Das lag nicht nur an seinen politischen Fehlern, sondern auch an seinen strategischen: Er wollte Großbritannien regieren, ohne sich mit dem auseinanderzusetzen, was seit zehn Jahren alles bestimmt auf der anderen Seite des Kanals: Der Brexit und seine Folgen", ist La Libre Belgique überzeugt.
"Und wieder ist ein britischer Premier gescheitert bei den Brexit-Löscharbeiten", schreibt De Standaard. "Beides, die schnellen Stimmungswechsel und das Brexit-Referendum, das sich heute zum zehnten Mal jährt, sind untrennbar miteinander verbunden. Das Vereinigte Königreich zahlt noch immer die Zeche dafür, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Und die Anheizer von damals beherrschen noch immer die politische Agenda", so De Standaard.
Exit Keir Starmer
"Seit dem Brexit-Referendum wird Großbritannien von Instabilität geplagt", bringt es L'Avenir auf den Punkt. "Die Bilanz ist auch bitter: Die Wirtschaft steht deutlich schlechter da, als sie es in der EU getan hätte. Die vollmundigen Versprechen der Brexit-Befürworter sind an den Klippen der Realität zerschellt. Gleichzeitig werden die Spannungen und die Polarisierung über Einwanderung und nationale Identität immer heftiger und immer zentraler im öffentlichen Diskurs. Zehn Jahre nach dem Referendum verdient es die Lehre Großbritanniens, auch in Belgien und im Rest Europas gehört zu werden: Großmäulige Versprechen können Referenden und Wahlen gewinnen. Aber sie ersetzen nicht das Regieren. Wenn die Versprechen von der Wirklichkeit eingeholt werden, bleibt dauerhaftes Misstrauen übrig, ein für Populisten geebneter Weg und oft ein langer politischer Kater", resümiert L'Avenir.
"Politik kann schon ein hartes und brutales Schauspiel sein", merkt De Morgen an. Aber was wir da in Großbritannien sehen ist besonders extrem. Das Ende von Keir Starmer als Premierminister erinnert an einen Stierkampf: Unter dem lauten Gejohle der Zuschauer schleppte sich der durch die interne Opposition schwer verwundete Starmer weiter durch die Arena. Und als der Stier wirklich ins Wanken geriet, kam der Matador und versetzte ihm den Gnadenstoß. Exit Keir Starmer", fasst De Morgen zusammen.
Boris Schmidt