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Die Presseschau von Montag, dem 22. Juni 2026

22.06.202608:56
Hitze
Hitze (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / NewAfrica)

Die Titelseiten stellen die nicht gerade berauschende Leistung der Roten Teufel in ihrem zweiten Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in den Mittelpunkt. Die Leitartikel beschäftigen sich hingegen mit der Hitze, mit den ethischen Dossiers der Föderalregierung und mit den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.

"Teufelfrust in der Engelsstadt – zweites Spiel, zweites Unentschieden, Belgien spielt nur 0:0 gegen den Iran", fasst das GrenzEcho das gestrige WM-Gruppenspiel der Roten Teufel zusammen. "Das Match der Ernüchterung: Belgier kommen nicht über ein 0:0 gegen den Iran hinaus", schreibt De Standaard. "Blasse Teufel enttäuschen schon wieder", reibt Gazet van Antwerpen Salz in die Wunde. "Beschämend", so die große Überschrift bei Het Laatste Nieuws. "Alarmstufe Rot", macht La Dernière Heure klar, dass es jetzt wirklich um alles geht.

Wir brauchen Entscheidungen, nicht sinnlose Diskussionen

Die Leitartikel befassen sich allerdings mit ganz anderen Themen: Die Temperaturen in unserem Land erreichen ungeahnte Höhen, möglicherweise steht uns die heißeste Woche aller Zeiten bevor, kommentiert Het Belang van Limburg. Jahr um Jahr purzeln die Rekorde, die Hitzewellen kommen früher, dauern länger und werden heftiger. Was früher die absolute Ausnahme war, wird immer mehr zum Normalzustand. Frankreich, das mehr Erfahrung mit extremen Temperaturen hat, handelt: Es aktiviert Hitzepläne, schließt Schulen und verbietet Alkohol auf Musikfesten. Hitze ist nicht mehr eine Unannehmlichkeit, sie ist eine echte Gefahr, ein potenziell tödliches Gesundheitsrisiko, sie beeinträchtigt das Stromnetz, die Wasserqualität und die Lebensqualität in Städten, ganz zu schweigen von den verheerenden Unwettern. Und niemand weiß, welche Folgen noch auf uns zukommen könnten, zum Beispiel für die Landwirtschaft oder für unsere Straßen- und Schienennetze. Können wir noch etwas gegen den Klimawandel tun? Ja, können wir. Aber nicht, wenn wir weiter Zeit damit verschwenden, darüber zu diskutieren, ob es ihn gibt. Die Wissenschaft hat das längst und klar beantwortet. Was wir brauchen, das sind Entscheidungen. Und zwar langfristige Entscheidungen, fordert Het Belang van Limburg.

Profilierungssucht statt inhaltlicher Debatten

Innenpolitisch geht es um die sogenannten ethischen Dossiers der Föderalregierung: Wenn eine Regierung sich in einer explosiven Debatte festgefahren hat und schnell raus will aus der Sackgasse, um sich noch explosiveren Themen zu widmen, hilft normalerweise nur eine Sache, schreiben die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe: ab in den Kühlschrank damit, wir reden später drüber. Genau das ist am Samstag passiert: Premier De Wever und seine wichtigsten Minister konnten sich auf keine gemeinsame Position einigen über diverse ethische Dossiers, darunter über eine Verlängerung der Abtreibungsfristen. Dabei hatten sich Experten – auf explizite Anweisung der damaligen Regierung – schon vor über drei Jahren mit dem Dossier beschäftigt und sich für die Verlängerung ausgesprochen. Aber weder die Regierung De Croo noch die aktuelle wollen sich wirklich damit befassen. Und es stand den Haushaltsverhandlungen im Weg, bei denen die Regierung mindestens sieben Milliarden Euro finden muss, erinnert Sudinfo.

Es ging nicht etwa um Inhalte am Samstag, hebt Het Laatste Nieuws hervor, es ging nur um den Zeitpunkt, wann die zuständigen Minister mit Vorschlägen zu den ethischen Dossiers kommen sollen. Ja, richtig gehört: Es ging nur um das "wann". Die Regierungsparteien gönnen einander nichts mehr, keinen Millimeter. Und es tut weh zu sehen, wie Spitzenpolitiker, die ja Berufsdebattierer sind, die Meinungen anderer beiseitefegen. Hier wird versucht, wahlkampftechnisch zu punkten mit Dossiers, von denen alle fromm geschworen hatten, dass es nicht um Parteipolitik gehen dürfe, giftet Het Laatste Nieuws.

Ethische Dossiers fallen wieder der Profilierungssucht zum Opfer, schlägt De Standaard in die gleiche Kerbe: Was ein Primat der Politik sein müsste, ist wieder zu einem Primat der Parteipolitik geworden, wobei alle Beteiligten sich eingeigelt haben. Dass hier gleich vier ethische Dossiers aneinandergekoppelt werden, nämlich die Verlängerung der Abtreibungsfristen, das Recht auf Euthanasie für Menschen, die nicht mehr selbst entscheiden können, etwa Demenzkranke, Leihmutterschaft und die Möglichkeit von anonymen Geburten, das ruft ebenfalls Stirnrunzeln hervor. Aber anscheinend ist das der einzige Weg, um einen Durchbruch bis Dezember zu garantieren, seufzt De Standaard.

Wer glaubt noch an schnellen Frieden im Nahen Osten?

L'Avenir blickt auf die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran in der Schweiz: Der amerikanische Vizepräsident hat die Verhandlungen zur Beendigung des Irankriegs als "historisch" bezeichnet. Gleichzeitig hat US-Präsident Trump aber schon wieder mit schweren Angriffen auf den Iran gedroht und gefordert, dass der seine Verbündeten im Libanon davon abhalte, "Probleme zu verursachen". Teheran seinerseits hat angesichts der anhaltenden Kämpfe im Libanon die Straße von Hormus wieder geschlossen. Wer kann da auch nur eine Sekunde glauben, dass die Friedensverhandlungen in den kommenden Tagen oder Wochen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden können? Beide Seiten spielen auf Zeit, weil sie glauben, dass das zu ihrem Vorteil ist. Die Welt und vor allem die Bevölkerung des Libanon und des Iran zahlen den Preis dafür, prangert L'Avenir an.

Die ganze Geschichte hat vor allem einen Haken, erinnert La Libre Belgique: Israel. Während Washington einen schnellen Ausweg sucht aus dem festgefahrenen Konflikt, hat Israel nicht das geringste Interesse an einem Ende des Kriegs. Was Israel mit der Fortführung seiner Angriffe auf die Hisbollah im Libanon auch unmissverständlich deutlich macht. Dabei ist ein Ende der Kämpfe im Libanon ja eine der Vorbedingungen des Iran, um mit den "technischen Diskussionen" beginnen zu können. Wird Trump Netanjahu die Stirn bieten können? Er selbst scheint überzeugt davon, die Israelis nach seiner Pfeife tanzen lassen zu können. Damit die Verhandlungen wirklich eine Chance haben, müssen sich alle ihrer Verantwortung stellen – die Amerikaner, indem sie Druck auf Israel ausüben; die Iraner, indem sie das Gleiche mit der Hisbollah tun, unterstreicht La Libre Belgique.

Boris Schmidt

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