"Abkommen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten: Wer gewinnt? Und wer verliert?", fragt La Libre Belgique auf Seite eins. "Trump schließt einen Deal mit dem Iran aber holt kaum etwas heraus: 'Die Kriege waren absolut idiotisch'", liest man bei De Standaard. "Ein Abkommen, das das MAGA-Lager spaltet", merkt Le Soir an. "Große Skepsis bei den Iranern über Friedensabkommen mit den Amerikanern: 'Alle Vorteile werden für das iranische Regime sein, nicht für die Menschen'", liest man bei De Morgen. "Trump unterzeichnet ein Friedensabkommen mit dem Iran, das nach Kapitulation riecht", so L'Echo.
"Absurd, unglaubwürdig, surrealistisch"
"Absurd" – das ist das erste Wort, das einem in dem Sinn kommt beim Lesen des Abkommens, kommentiert Le Soir. Der Text beurkundet die Niederlage, und Kapitulation eines Präsidenten, der eine Zivilisation vernichten, ein Volk befreien, ein Regime stürzen und ein Atomwaffenarsenal zerstören wollte. Das Abkommen ist im Prinzip eine Liste, wie die USA wieder gutmachen sollen, was Trump auf Betreiben Netanjahus angerichtet hat: Trump soll ein neues Atomabkommen aushandeln – das es schon gab und das er 2018 zerrissen hat. Er soll eine Art Marshall-Plan ausarbeiten – um das Land wieder aufzubauen, das er von der Landkarte tilgen wollte. Er soll die Straße von Hormus wieder öffnen – die vor seinem Angriff offen war. "Unglaubwürdig" ist das zweite Wort, das einem in den Sinn kommt. Wie soll all das bitte erreicht werden? Und dann noch in so einem Zeitrahmen? "Surrealistisch" ist das dritte Wort. Als ob ausgerechnet die Golfstaaten, die am stärksten unter der iranischen Vergeltung zu leiden hatten, scharf darauf wären, 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau ihres gefährlichen Nachbarn auf den Tisch zu legen, fasst Le Soir zusammen.
Trump habe die USA nicht nur kapitulieren lassen vor dem Iran, er belohne das Land auch noch mit dem Ende der Sanktionen und der Aussicht auf 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung. So lässt sich die Kritik in den Vereinigten Staaten an Trumps Deal zusammenfassen, hält Gazet van Antwerpen fest. Und zwar aus beiden Lagern. Das Abkommen wird als größter politischer Patzer der letzten Jahrzehnte gesehen, immer weniger Menschen nehmen Trumps Außenpolitik noch ernst. Das Schlimmste ist aber, dass der Deal kaum Garantien bietet auf einen langfristigen Waffenstillstand. Sicher nicht zuletzt wegen Israel. Weil nichts weist darauf hin, dass Trump Netanjahu kontrollieren kann, hebt Gazet van Antwerpen hervor.
Es gibt keine "regionalen" Konflikte mehr
Ja, dieser mysteriöse "Wiederaufbau- und Entwicklungsfonds" von 300 Milliarden Dollar scheint auf den ersten Blick in der Tat besonders bizarr, räumt De Standaard ein: Erst das Land bombardieren und dann Milliarden reinstopfen? Und das, obwohl das autokratische und mörderische Regime kaum geschwächt ist? Das klingt wirklich nicht besonders logisch. Aber bekanntermaßen betrachtet Trump alles aus der Sicht eines Geschäftsmanns. Und das bedeutet, dass er auch im Iran nach Möglichkeiten sucht, um Geld zu machen, auf einem Markt, der seit Jahren unter Sanktionen leidet. Er hat ja auch schon mehr als hinlänglich bewiesen, dass er keine Probleme mit repressiven Regimen hat, solange der Dollar rollt. Siehe Venezuela. Man sollte auch nicht vergessen, dass es Trump war, der 2018 alle Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und dem Iran abwürgte. Jetzt könnte er wieder dafür sorgen, dass die Europäer das Nachsehen haben, warnt De Standaard.
Wer glaubt, dass wir die Entspannung im Nahen Osten unmittelbar in unseren Portemonnaies spüren werden, irrt, so derweil Het Belang van Limburg. Und vor allem sollten wir endlich aufhören, von "regionalen Konflikten" zu sprechen. So etwas gibt es nicht mehr. Als ob Kriege beziehungsweise ihre Folgen heutzutage noch an Landesgrenzen Halt machen würden. Die Globalisierung hat zwar nie dagewesenen Wohlstand kreiert, uns aber auch verwundbarer denn je gemacht. Kaum ist ein Konflikt vorbei, ist schon der nächste da: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine geht weiter, die Spannungen um Taiwan nehmen zu, in anderen Regionen fliegen auch schon die Funken. Und das Schicksal der Welt hängt von den Launen einer Handvoll Machthaber ab, für die Macht wichtiger ist als Stabilität, giftet Het Belang van Limburg.
Die Tankstelle brennt
Er solle Danke sagen, schnauzten die Amerikaner den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an, erinnert Het Laatste Nieuws. Die Ukraine macht seit Jahren fast nichts anderes, als sich zu bedanken für die Hilfe gegen die russischen Invasoren. Aber sie zeigt auch immer mehr, dass sie auch ohne US-Hilfe kräftig zurückschlagen kann. Der amerikanische Politiker John McCain hat Russland mal eine Tankstelle genannt, die so tut, als ob sie ein Staat wäre. Nun, die Tankstelle brennt. Die Ukrainer haben sie in Brand gesetzt. Sie treffen die Russen immer häufiger da, wo es ihnen wirklich weh tut – sie greifen die Ölraffinerien an, die die Grundlage der russischen Wirtschaft sind. Aber die Ukrainer tun noch mehr: Sie bringen den Krieg zurück zu den Russen: Moskau brennt, alle Welt sieht, wie wenig die angeblich unüberwindbare Luftverteidigung Putins taugt. Die Ukraine ist kein passives Opfer mehr, das auf gute Laune bei Trump warten muss. Wer hätte noch vor ein paar Jahren geglaubt, dass wir Moskau mal in Flammen sehen würden, schreibt Het Laatste Nieuws.
De Morgen beschäftigt sich mit der Nato beziehungsweise den Beziehungen zwischen Amerikanern und Europäern: Wer nach dem G7-Treffen gehofft hatte, dass sich die Beziehungen wieder etwas entspannen würden, hat eine kalte Dusche bekommen. Bei einer scharfen Rede in Brüssel hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wieder gegen die europäischen Nato-Partner vom Leder gezogen. Und er hat angekündigt, dass die Vereinigten Staaten schon in sechs Monaten Truppen und Waffensysteme aus Ländern abziehen werden, die nach Meinung der USA zu wenig beitragen zum Bündnis. Die Botschaft an sich ist natürlich keine Überraschung, wie schnell es gehen soll allerdings schon. Ein halbes Jahr ist nichts, wenn man sich vor Augen hält, dass die Beschaffung neuer Waffensysteme Jahre dauert. Das bringt eine neue Gefahr mit sich: Je schneller es gehen muss, desto größer die Gefahr, dass die europäischen Länder in Versuchung kommen, auf nationale Lösungen zurückzugreifen, anstatt ihre Kräfte und Anstrengungen zu bündeln. Dabei sollte doch deutlich sein, dass wir als Europäer gemeinsam stark sein müssen, mahnt De Morgen.
Boris Schmidt