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Die Presseschau von Donnerstag, dem 18. Juni 2026

18.06.202608:55
Paolo Falzone nach seiner Verurteilung
Paolo Falzone nach seiner Verurteilung (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Nach dem Urteil im Prozess um das Karnevalsdrama von Strépy-Bracquegnies, bei dem Paolo Falzone zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde, kommentieren die Leitartikler heute unter anderem die Lehrerproteste in der Französischen Gemeinschaft, China, das Iran-Abkommen, den Haushalt sowie KI bei Banken und Versicherungen.

"27 Jahre Gefängnis", titelt L'Avenir über einem Foto von Paolo Falzone. Falzone war vor rund vier Jahren mit seinem Auto in Strépy-Bracquegnies in eine Karnevalistengruppe gerast und hatte ein Blutbad angerichtet. "27 Jahre für Paolo Falzone, die Opfer sind erleichtert: 'Es hat Gerechtigkeit gegeben'", schreibt La Dernière Heure. "27 Jahre, die Erleichterung der Familien", formuliert es Le Soir ähnlich. "Paolo Falzone, zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt, behält seinen Führerschein", merkt La Libre Belgique an. "27 Jahre Gefängnis, Paolo Falzone könnte in fünf Jahren freigelassen werden", so die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe.

Ein Auto ist kein Spielzeug

27 Jahre, überhaupt keine mildernden Umstände, hebt L'Avenir in seinem Leitartikel hervor. Nach sieben Wochen Assisenprozess ist mit der Verkündung des Strafmaßes eines der schmerzhaftesten Gerichtsverfahren der letzten Jahre zu Ende gegangen. Das Urteil wird die tiefen Wunden nicht schließen können, aber es liefert etwas, worauf viele gewartet hatten: eine schwere, der Tragödie angemessene Strafe. Es sendet auch eine Botschaft an die Gesellschaft: Viel zu lange wurden Dramen wie das von Strépy als Folge von Unvorsichtigkeit betrachtet, von Nachlässigkeit, als etwas Unvermeidbares. Aber mit diesen Lesarten ist jetzt Schluss: In einigen Monaten wird das neue Strafgesetzbuch in Kraft treten. Dann wird es auch den Straftatbestand des Totschlags im Straßenverkehr geben. Diese Reform zeugt von der Einsicht, dass solche Unfälle nicht unvermeidbar sind. Die Justiz erinnert damit daran, dass ein Fahrzeug kein Spielzeug und die Straße kein Spielplatz ist. Und dass die Freiheit zu fahren auch eine enorme Verantwortung anderen gegenüber bedeutet, so L'Avenir.

La Dernière Heure greift die jüngste Episode der Lehrerproteste in der Französischen Gemeinschaft auf: Wir hätten nicht geglaubt, dass die Lehrer so weit gehen würden, aber sie haben es getan – gestern haben sie in der Provinz Lüttich Schulen blockiert, die für die Verteilung der zentralen Pflichtprüfungen verantwortlich sind. Prüfungen, auf die sich Zehntausende Kinder seit Wochen vorbereiten. Damit haben die Lehrer eine rote Linie überschritten. Ja, man kann ihre Wut verstehen, man kann sie sogar unterstützen. Aber dieser Schritt ist der Schritt in die Radikalität, um nicht zu sagen in die Wegelagerei. Damit senden die Lehrer auch eine fatale Botschaft an die Schüler: Wenn euch Autoritäten nicht passen, ignoriert sie; blockiert die Regeln, die euch stören. Das könnten die Lehrer in den Klassenzimmern schnell bereuen, warnt La Dernière Heure.

Zahlen, die Übelkeit verursachen

Die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe blicken auf die Staatsfinanzen: Sieben? Neun? Vierzehn? Wir haben ein bisschen den Überblick verloren, wie viele Milliarden die Regierung De Wever dieses und nächstes Jahr noch finden muss für den Haushalt. Die entsprechenden Verhandlungen scheinen ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit mit so einer Regierungskoalition. Und noch eine Zahl lässt uns schwindlig werden. Mehr noch: Sie verursacht uns Übelkeit: Fast 500 Milliarden Euro haben belgische Betriebe beziehungsweise hier ansässige Firmen 2023 in Steuerparadiese geschickt. Zusätzlich zu den Hunderten Milliarden in anderen Jahren. Angesichts solcher Zahlen muss der Staat härter denn je gegen Steuerflucht vorgehen. Nicht nur aus budgetären Gründen, sondern auch aus Gründen der Steuergerechtigkeit und damit der sozialen Gerechtigkeit, meint Sudinfo.

L'Echo beschäftigt sich mit dem Vormarsch der Künstlichen Intelligenz im Banken- und Versicherungssektor: Sich darüber zu empören, wäre absurd, das ist einfach der Lauf der Geschichte, nach den Revolutionen der Elektrizität, der Informatik und des Internets ist die der KI eben die nächste. Und sie kann ja auch enorm helfen. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch die Sorgen der Kunden berücksichtigen sollte. Sie fragen sich zu Recht, wo denn der Faktor Mensch bleibt in Zukunft. Wo bleibt der menschliche Ermessensspielraum, was ist mit Nuancen und Verhandlungen? Deswegen ist es wichtig, dass KI ein Werkzeug bleibt, um die Interaktion mit den Kunden zu verbessern. Sonst droht den Banken und Versicherern der Verlust des Vertrauens ihrer Kunden, befürchtet L'Echo.

Der Trump-Berg kreißte und gebar eine Maus

De Tijd kommentiert anlässlich des heute beginnenden EU-Gipfels die Handelsbeziehungen zwischen Europa und China: Jeden Tag kommen am Lütticher Flughafen 3,8 Millionen Päckchen an, die meisten davon aus China. Der Verkauf von Autos in unserem Land ist letztes Jahr um sieben Prozent gesunken, der Verkauf chinesischer Modelle ist um zwei Drittel gestiegen. Hier geht es nicht darum, dass chinesische Produkte besser wären. Sie werden massiv vom chinesischen Staat subventioniert. Und es ist für chinesische Händler viel einfacher, in Europa zu verkaufen, als umgekehrt. Wir können es uns zwar nicht erlauben, China als Wirtschaftspartner zu verlieren, aber es ist wirklich nötig, härter aufzutreten und deutlichere Linien zu ziehen. Wenn wir uns nicht selbst schützen, untergraben wir mit jedem Produkt, das wir in China bestellen, unseren Wohlstand weiter, betont De Tijd.

Het Belang van Limburg analysiert das gestern an die Presse geleakte Vorabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Siehe da: Der Trump-Berg kreißte und gebar eine Maus. Eigentlich steht nichts in dem Vorabkommen drin. Über so ungefähr alle Punkte muss noch verhandelt werden. Es gibt nur eine Einigung, dass man eine Einigung anstrebt. Und zwar innerhalb von 60 Tagen, Frist verlängerbar. Und dann ist da sowieso noch die Frage beziehungsweise Angst, wie Netanjahu reagieren wird. Weil das Iran-Abkommen beinhaltet auch, dass der Krieg im Libanon beendet wird. Nein, dieses Vorabkommen mit seinen vierzehn Punkten ist noch kein Abkommen, es ist höchstens ein Waffenstillstand, alles andere muss erst noch kommen. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass. Das werden wir auch weiter an den Zapfsäulen merken, ist sich Het Belang van Limburg sicher.

Boris Schmidt

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