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Die Presseschau von Mittwoch, dem 17. Juni 2026

17.06.202609:31
G7-Treffen in Évian
Bild: Mandel Ngan/AFP

Eine drohende Koalitionskrise um die Abtreibungsfrist steht heute im Mittelpunkt. Die Leitartikler befassen sich derweil mit dem G7-Gipfel in Frankreich, den Folgen des Iran-Konflikts für Europas internationale Rolle sowie dem umstrittenen Zollabkommen zwischen der EU und den USA. Auch die Diskussion um Nationalspieler Jérémy Doku wird kommentiert.

"Vooruit droht bei der Verlängerung der Abtreibungsfrist mit der Opposition zu stimmen", das ist heute die Aufmachergeschichte von Het Nieuwsblad und Het Belang van Limburg. In der Abtreibungsdebatte droht also offensichtlich ein handfester Koalitionsstreit. Bislang ist ein straffreier Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche möglich. Vom Terrain kommt die Forderung, diese Frist auf 18 Wochen anzuheben. Ein unabhängiges Expertengremium kam zu demselben Schluss.

Die CD&V will ihrerseits nicht über 14 Wochen hinausgehen. Vooruit droht jetzt, sich über die Christdemokraten hinwegzusetzen und sich einem Vorschlag der Opposition anzuschließen. Mit einer solchen Wechselmehrheit würden die flämischen Sozialisten allerdings eine Bombe unter die Koalition legen.

"Heilige Allianz" gegen Putin

"Die G7 stehen geschlossen hinter der Ukraine", so derweil die Schlagzeile von Le Soir. Die Vertreter der sieben größten Industrienationen der Welt sind gestern im französischen Évian zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammengekommen. Und gemeinsam haben sie ihre Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland bekundet.

"Alle hinter Selenskyj, und das gilt sogar für Donald Trump", freut sich Le Soir in seinem Leitartikel. Selten genug, um es nicht zu erwähnen, aber die G7 haben ihren Job gemacht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj konnte in Évian jedenfalls einen unerwarteten Erfolg verbuchen: eine – nennen wir es mal – "Heilige Allianz" gegen Putin. Insbesondere den Europäern ist es also offensichtlich gelungen, Donald Trump von Alleingängen abzuhalten. Im Vorfeld hatte man befürchtet, dass der US-Präsident auf Rache sinnen könnte, weil er sich bei seinem Iran-Abenteuer von den Verbündeten im Stich gelassen fühlte. Umso überraschender war es, dass sich Trump den G7-Kollegen anschloss und sich in seltener Deutlichkeit hinter die Ukraine stellte. Klar: Niemand weiß, wie lange dieser Zustand andauern wird. Da kann man nur sagen: "Daumen drücken!".

Europa darf die Reihe von Chancen nicht liegen lassen

Einige der G7-Vertreter haben sich in Évian wohl ein hämisches Grinsen verkneifen müssen, frotzelt De Standaard. US-Präsident Donald Trump ist nämlich aktuell nicht unbedingt in einer Position der Stärke. Die Europäer waren von Anfang an gegen die amerikanisch-israelischen Militärschläge gegen den Iran. Inzwischen ist deutlich, dass sich Trump und Netanjahu grandios verkalkuliert haben. Das ist – könnte man sagen – die "süße Rache" des Völkerrechts. Einmal abgesehen davon, dass das Regime in Teheran dadurch nur noch gestärkt wurde, so stellt sich hier für die Europäer doch eine grundlegende Frage: Welches Kapital kann der Alte Kontinent aus dem amerikanischen Debakel schlagen? Jetzt wäre jedenfalls der Moment, um Europa wieder auf dem geopolitischen Schachbrett zu positionieren. Zum Beispiel, indem man eine gemeinsame Militärmission auf die Beine stellt, die in der Straße von Hormus die Versorgung Europas mit fossilen Brennstoffen gewährleistet. Eins ist sicher: Der enorme Glaubwürdigkeitsverlust, den insbesondere die USA im Iran erlitten haben, der bietet eine ganze Reihe von Chancen, die Europa nicht liegen lassen darf.

"Bis zum Beweis des Gegenteils"

"In der Zwischenzeit ist Europa aber immer noch dazu gezwungen, Kröten zu schlucken", konstatiert L'Echo. Zum Beispiel musste das Europaparlament gestern den so genannten "Zoll-Deal" mit den USA absegnen. Es war Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Abmachung im Juli vergangenen Jahres mit US-Präsident Donald Trump auf dessen Golfplatz in Schottland ausgehandelt hatte. Demnach dürfen die USA europäische Einfuhren mit einer Abgabe von 15 Prozent belegen, während amerikanische Importe in die EU zollfrei werden. Fair kann man das nicht nennen, aber Europa hatte keine Wahl. Ohne diesen Deal wäre alles nur noch schlimmer geworden. Jetzt wurde das Abkommen also durch das Parlament besiegelt. Dies vor allem im Namen der Stabilität, nach dem Motto also: Selbst wenn sie unvorteilhaft sind, Hauptsache, es gibt Regeln. "Bis zum Beweis des Gegenteils", muss man da aber gleich hinzufügen. Denn Trump droht ja immer wieder mit neuen Handelsbeschränkungen. Hoffentlich müssen wir bald nicht wieder neue Kröten schlucken.

"Der Fußball gehört allen"

Het Laatste Nieuws beschäftigt sich seinerseits mit dem amerikanischen Umgang mit der Fußball-Weltmeisterschaft, die ja gerade unter anderem in den USA stattfindet. Jedes andere Gastgeberland würde sich hier wohl von seiner Schokoladenseite zeigen und sich als offener und freundlicher Staat präsentieren. Die US-Regierung macht das Gegenteil. Das beginnt bei der Visa-Vergabe. Für Fußballfans aus Senegal, Tunesien oder den Kapverden gelten Auflagen, die de facto unerreichbar sind; einem somalischen Schiedsrichter, der als äußerst kompetent und talentiert gilt, wurde die Einreise verweigert. "Der Fußball gehört allen", heißt es doch eigentlich. Diesmal nicht! Diesmal wird er zum Spielball der Politik. Man darf sich die Frage stellen, ob belgische Politiker überhaupt noch willkommen wären, wenn doch der amerikanische Botschafter behauptet, dass hierzulande eine antisemitische Politik etabliert wird. Fußball bleibt die wichtigste Nebensache der Welt, doch auch hier drückt Trump seinen politischen Stempel auf.

"Es ist nur Fußball"

De Morgen greift die Debatte über die Vaterschaft des Nationalspielers Jérémy Doku auf. Der 24-jährige Mittelfeld-Star ist aktuell im Internet mit massiver Kritik konfrontiert, die teilweise sehr weit geht. Der Grund: Weil er bei der Geburt seines Sohns dabei sein will, könnte er das mögliche Achtelfinalspiel der Roten Teufel verpassen. "Mal ehrlich", meint De Morgen: Jérémy Doku mag ein fürstlich bezahlter Fußballspieler sein, er ist aber immer noch ein Mensch. Die Geburt, zumal des ersten Kindes, ist auch für Väter ein zutiefst emotionales Erlebnis. Und wenn Jérémy Doku bei der Geburt dabei sein will, dann darf es nichts geben, was ihn daran hindert. Kein WM-Spiel ist wichtiger als dieser Moment. Denn, bei aller Begeisterung darf man Eins nicht vergessen: "Es ist nur Fußball".

Roger Pint

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