"Das war richtig knapp", titelt La Dernière Heure. "Die Teufel können das Schlimmste verhindern", so die Schlagzeile von L’Avenir und La Capitale. "Fehlstart abgewendet", schreibt das GrenzEcho auf Seite eins.
Allgemeine Erleichterung heute bei den Zeitungen, nachdem die Roten Teufel in ihrem ersten WM-Gruppenspiel eine Niederlage doch noch abwenden konnten. Es war Stürmer Romelu Lukaku, der am Ende für das erlösende 1:1 sorgte. "Zum Glück war da noch Lukaku", titelt denn auch Het Nieuwsblad. "Lukaku rettet den Laden", so formuliert es Het Belang van Limburg. Het Laatste Nieuws blickt seinerseits resolut nach vorn: "Es ist noch nichts verloren", so die aufmunternde Schlagzeile.
Die meisten Leitartikler beschäftigen sich ihrerseits mit der Einigung zwischen den USA und dem Iran. Beide Seiten wollen Ende der Woche ein Abkommen unterzeichnen, das den Krieg erstmal beenden soll.
Ein Abkommen mit vielen Fragezeichen
"Es ist ein Abkommen, das erstmal nur dem Namen nach besteht", giftet L’Avenir in seinem Leitartikel. Was die Vereinbarung genau beinhaltet, das ist noch äußerst vage. Im Moment muss man den Eindruck haben, dass noch keine einzige der großen Fragen auch nur ansatzweise geklärt ist. Aber immerhin scheinen die Börsen beruhigt zu sein. Und auch der Ölpreis ist wieder im Sinkflug.
"Wenigstens könnte dieses Abkommen schon mal das Blutvergießen beenden", meint auch hoffnungsvoll La Libre Belgique. Das ist aber auch alles. Wie nicht anders zu erwarten, hat US-Präsident Donald Trump die Einigung gleich wieder als sensationellen Sieg verkauft. Dabei wurde doch bestenfalls die vorherige Situation wieder hergestellt. Ansonsten hat Washington wirklich keins der Ziele erreicht, die man sich gesteckt hatte: das Regime in Teheran sitzt immer noch fest im Sattel, das Atomprogramm wurde nicht definitiv vernichtet, und die Sicherheit des Staates Israel wurde auch nicht dauerhaft gestärkt. Vielmehr ist es so, dass sich das Ganze im Moment für den Iran wie ein Sieg anfühlen muss. Fakt ist, dass das Regime standgehalten und sich der militärischen Übermacht nicht gebeugt hat.
"Trump hat sein Geburtstagsgeschenk doch noch bekommen; doch es ist eine erniedrigende Aufmerksamkeit", ist De Standaard überzeugt. Man darf es ironisch nennen, wenn Trump jetzt die Öffnung der Straße von Hormus als Sieg feiert, wenn man doch weiß, dass die Meerenge vor dem Krieg offen war. Schlimmer noch: Man hat das Regime in Teheran gewissermaßen noch auf Ideen gebracht. Bislang galt die Schließung der Straße von Hormus eher als eine Art theoretische Option. Jetzt dürften die Mullahs definitiv erkannt haben, über welch mächtigen Hebel sie verfügen. Am schlimmsten ist aber, dass der Krieg das Regime und vor allem die Hardliner de facto noch gestärkt hat.
De Tijd sieht das ähnlich. Der Iran hat jetzt erkannt, dass die Schließung der Straße von Hormus keine abstrakte Drohung ist, sondern eine problemlos durchführbare Operation. Insgesamt dürfte sich das Regime in Teheran seines tatsächlichen Schadenspotenzials bewusst geworden sein. Es ist also nicht nur so, dass Trump keine Probleme gelöst hat, er hat auch noch neue geschaffen.
Die Büchse der Pandora
"Trump hat die Straße von Hormus geöffnet, aber auch die Büchse der Pandora", so formuliert es L’Echo. Dieser Krieg hat die Blaupausen geliefert und wurde damit zu einer Art Musterfall für Staatspiraterie. Allein die Schließung der Straße von Hormus kann auch anderen Regionalmächten als Vorbild dienen, die künftig auch wichtige Handelswege blockieren könnten, um ihren Willen durchzusetzen. Aber auch in der Golfregion selbst wird diese Episode Spuren hinterlassen. Die Anrainerstaaten sind nach dem wiederholten iranischen Beschuss angeschlagen. Und auf die Straße von Hormus wird die Welt künftig mit ganz anderen Augen blicken.
"US-Präsident Donald Trump hat bei alledem aber wieder alle vor den Bus geworfen", zischt auch Het Nieuwsblad. Trump hatte längst die Kontrolle über den Krieg verloren. Trotz der erdrückenden militärischen Übermacht liefen all seine Drohungen ins Leere. Längst war klar, dass sich der Präsident so schnell wie möglich aus diesem Morast befreien wollte. Und in seiner Verzweiflung hat er sogar seinem Freund und Super-Verbündeten Benjamin Netanjahu einen Dolch in den Rücken gestoßen. Die israelische Regierung wurde nicht konsultiert, nicht einmal über den Verlauf der Gespräche in Kenntnis gesetzt. Netanjahu hätte es wissen müssen: Auch schon als Geschäftsmann hat Donald Trump im Zweifel Verbündete und sogar beste Freunde verraten, um seine Haut zu retten. Jetzt hinterlässt er im Iran einen Scherbenhaufen. Der große Verlierer, das ist die iranische Bevölkerung.
Ein strategisches Desaster
"Wir stehen letztlich vor einem enormen, weltweiten Desaster", beklagt Le Soir. Das, was Donald Trump als grandiosen Sieg verkauft, ist ein einziger, kolossaler strategischer Irrtum: Die Großregion wurde nachhaltig destabilisiert, die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert, und ein mörderisches Regime de facto noch gestärkt. Sein "iranischer Ausflug", wie Trump den Krieg genannt hatte, ist zugleich die ultimative Demütigung für eine Supermacht, die nicht von einem stärkeren oder technologisch fortgeschritteneren Gegner in die Schranken gewiesen wurde, sondern weil sie eine Meerenge nicht auf dem Schirm hatte. All diese Toten, all diese Zerstörung, um am Ende was zu bekommen? Wenn überhaupt, dann ein Atomabkommen mit dem Iran, das schlechter ist, als das, was unter seinem Vorgänger Obama geschlossen wurde, und das Trump selbst zerrissen hatte.
"Es war einfach nur ein idiotischer Krieg", so das beißende Fazit von De Morgen. Der größte Verlierer ist das iranische Volk. Ihm wurde Erlösung und Freiheit versprochen; stattdessen wurde das Regime noch gestärkt. Mehr noch: Trump hat den Mullahs auch noch neue Waffen in die Hände gespielt, weil sie sich eben ihrer Hebel bewusst geworden sind. "Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerbrechen", so könnte man ein Grundprinzip der Realpolitik auf den Punkt bringen. In diesem schwachsinnigen Irankrieg hat man allerdings den Eierkarton einfach auf den Boden geschmissen.
Roger Pint