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Die Presseschau von Montag, dem 15. Juni 2026

15.06.202609:07
Die Roten Teufel bei einer Trainingseinheit in ihrem Basecamp in Seattle
Die Roten Teufel bei einer Trainingseinheit in ihrem Basecamp in Seattle (Bild: Dirk Waem/Belga)

Mit dem Auftaktspiel der Roten Teufel gegen Ägypten beginnt für Belgien das WM-Turnier – und die Zeitungen begleiten den Start mit viel Hoffnung und einigen Erwartungen. Daneben befassen sich die Leitartikler mit dem jüngsten Politbarometer, das Fragen über das Verhältnis zwischen Bürgern und Politik aufwirft.

"Unsere WM beginnt", titelt Het Belang van Limburg. "Jetzt sind die Teufel dran", so die Schlagzeile von Gazet van Antwerpen. "Heißer WM-Auftakt für die Roten Teufel", schreibt das GrenzEcho auf Seite eins.

Nahezu alle Zeitungen fiebern schon dem ersten WM-Gruppenspiel der Roten Teufel entgegen. Die Nationalmannschaft spielt ja heute Abend gegen Ägypten.

Jetzt sind die Teufel dran

"Und spätestens ab heute Abend dürfte dann wirklich der Fußball im Vordergrund stehen", ist Gazet van Antwerpen in ihrem Leitartikel überzeugt. Klar: Über diese WM kann man sehr viel sagen. Vor allem über die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump. Und dann reden wir noch nicht von FIFA-Boss Gianni Infantino. Aber, wenn wir ehrlich sind: Das hat inzwischen fast schon Tradition. Kontroverse Diskussionen und endlose Kritik könnte man wohl nur vermeiden, wenn man einem Land wie der Schweiz den Zuschlag für die Austragung der WM geben würde. Das alles dürfte in vielen Köpfen spätestens heute Abend vergessen sein. Denn der Fußball macht seltsame Dinge mit den Menschen, die selbst Soziologen nicht immer erklären können. In zwei Worten: Emotionen und Zusammengehörigkeitsgefühl. Eigentlich schön…

La Dernière Heure sieht das genauso. Eine Fußball-WM schenkt uns etwas, das wirklich selten geworden ist: gemeinsam gelebte und geteilte Emotion. Und deswegen sollte man auch jetzt nicht den Miesepeter spielen. Ab heute Abend zählen keine persönlichen Befindlichkeiten mehr, nicht die Muttersprache, nicht der Wohnort, nicht die politischen Überzeugungen. In gewisser Weise sollte das auch für die Spieler auf dem Platz gelten. Erfahrungsgemäß sind die Roten Teufel immer am stärksten, wenn sie ihr eigenes Ego zurückstellen und sich ganz in den Dienst der Sache stellen. Was das alles vereinfachen dürfte: Die Belgier gehen mit einem Status in das Turnier, der ihnen am besten liegt, nämlich als Außenseiter. In früheren Zeiten haben die Roten Teufel sich in der Rolle des Geheimfavoriten oft schwergetan. Die schönsten Geschichten beginnen nie mit Gewissheiten oder mit vermeintlich unbesiegbaren Helden.

Der Mix macht Hoffnung

"Die Roten Teufel haben was gutzumachen", ist sogar La Capitale überzeugt. Sie müssen die letzten beiden großen Turniere vergessen machen: Sowohl die WM 2022 als auch die EM 2024 endeten ja in einem peinlichen Fiasko. Für ein Land, das sich an große Ambitionen gewöhnt hatte, war das ein tiefer und schmerzhafter Fall. All die Fans, die sich damals enttäuscht abgewendet hatten, sind inzwischen aber wieder zurück. Nationaltrainer Rudi Garcia hat die Mannschaft wieder auf Kurs gebracht mit seinem Mix aus jungen Talenten und den letzten Vertretern der sogenannten "Goldenen Generation". Und eben diese Mischung kann der Schlüssel sein. Heute Abend gegen Ägypten hat die Mannschaft die erste Gelegenheit, das zu beweisen.

"Heute Abend muss ein Sieg her!", fordert derweil L’Avenir. Vor allem müssen die Roten Teufel wieder lernen, bei einem großen Turnier auch Tore zu machen. Bei den letzten Turnieren war man allzu fokussiert auf die angeblich schwächelnde Abwehr. Und man hat dabei offensichtlich vergessen, nach vorne zu spielen. Selbst wenn es wegen der neuen Formel nicht schwer sein dürfte, sich für das Sechzehntelfinale zu qualifizieren, so wäre ein überzeugender Sieg im Auftaktspiel doch wünschenswert. Und ein paar Tore mehr wären auch nicht verkehrt.

Der Graben wird tiefer

Wenn König Fußball regiert, dann gibt es nur wenig Platz für andere Themen. Einige Zeitungen kommen aber noch einmal zurück auf die Ergebnisse des neuesten Politbarometers, das ja am Samstag veröffentlicht wurde.

"Eine der wohl wichtigsten Erkenntnisse ist die Feststellung, dass der Graben zwischen den Bürgern und ihren Politikern immer tiefer wird", analysiert etwa Le Soir. Diese Diagnose kann man jedenfalls ableiten aus den Antworten der Menschen auf einige Fragen in Bezug auf die nötige Haushaltssanierung. Sparmaßnahmen? Nein danke! Mehrwertsteuererhöhung? Kommt nicht in Frage! Jagd auf Langzeitkranke? Vielleicht, aber auf jeden Fall mit Augenmaß! Für die Regierung ist das eine denkbar schlechte Ausgangsposition. Denn auf der anderen Seite blinken erwiesenermaßen sämtliche Alarmleuchten. Frage also: Warum blenden so viele Bürger den Ernst der Lage aus? Hier muss sich die Arizona-Koalition an die eigene Nase fassen. Erstens: Die Maßnahmen wurden furchtbar schlecht kommuniziert und waren zudem häufig unausgereift. Und zweitens: Sie werden viel zu oft als ungerecht empfunden. Genau bei diesen beiden Punkten wird man den Hebel ansetzen müssen. Denn der Graben darf nicht noch tiefer werden.

Het Laatste Nieuws macht eine ähnliche Analyse. Der Belgier scheint an einer neuen Krankheit zu leiden. Bislang hieß es: "Nicht in meinem Vorgarten", jetzt lautet die Maxime: "Nicht in meinem Portemonnaie". Anders gesagt: sparen, ja, aber nicht bei mir. Das Politbarometer offenbart also das Minenfeld, auf dem sich die Regierung De Wever in den nächsten Wochen bewegen muss. Nicht vergessen: Sie muss mindestens sieben Milliarden Euro finden, um den Haushalt in die Spur zu bringen; die Nationalbank spricht sogar von 13 Milliarden. Hier sind tiefe Einschnitte nötig, und die werden zwangsläufig schmerzhaft sein. Für die Regierungsparteien wird das umso schwieriger, als das Politbarometer ja auch darauf hindeutet, dass sie für ihre Sanierungspolitik nicht belohnt werden. Dazu nur so viel: Wenn wir jetzt nicht eingreifen, dann werden die Folgen für unser Portemonnaie noch viel gravierender sein.

Roger Pint

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