"Schuldspruch im Prozess von Strépy: Todesfahrer Falzone für siebenfachen Totschlag verurteilt", meldet das GrenzEcho auf Seite eins. Paolo Falzone war der Fahrer des Wagens, der vor vier Jahren in Strépy-Bracquegnies im Hennegau in eine Karnevalistengruppe gerast war. Sieben Menschen starben, Dutzende weitere wurden teils schwer verletzt.
"Fahrer der vorsätzlichen Tötung schuldig", fasst Het Laatste Nieuws zusammen. "Es war kein Unfall", bringt es L'Avenir auf den Punkt. "Das Urteil, das Falzone erstarren lässt", titelt Le Soir. "Der Fahrer von Strépy ist des siebenfachen Totschlags schuldig, aber nicht des Mords - Paolo Falzone entgeht einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe", so La Dernière Heure.
Vier Jahre hat es gedauert, sechs Prozesswochen und zwei Tage Beratungen, bis das Urteil gefallen ist, hält La Dernière Heure in ihrem Leitartikel fest: Ein Urteil, auf das die Opfer und Hinterbliebenen seit dem 22. März 2022 gewartet hatten. Paolo Falzone ist des Totschlags schuldig. Sieben Mal sogar. Und des 24-fachen versuchten Totschlags. Die zwölf Bürger, die für die Jury ausgelost worden waren, haben entschieden: Wenn ein BMW mit 174 Kilometern pro Stunde in eine Karnevalistengruppe rast, ist das kein Unfall, kein Einschätzungsfehler und auch kein Unglück, das jedem hätte passieren können. Es ist die Folge bewusster Entscheidungen. Einen Vorsatz wollte die Jury zwar nicht sehen, deswegen muss sich Paolo Falzone auch nicht wegen vorsätzlichen Mordes verantworten. Aber Falzone habe absolut absehbare tödliche Folgen seines Verhaltens in Kauf genommen. Insbesondere, weil bekannt gewesen sei, dass Falzone ein Verrückter hinterm Steuer gewesen sei, der wieder und wieder Verkehrsbußen für sein gefährliches Fahrverhalten bekommen habe. Ein Mann, der sich selbst dabei filmte, wie er durch die Gegend raste und die Kinder in Angst und Schrecken versetzte, fasst La Dernière Heure zusammen.
Eine Botschaft an alle Autofahrer
Die zentrale Aussage des Urteils ist, dass Falzone, selbst unter der Annahme einer intellektuellen Beeinträchtigung, nicht bestreiten kann, dass er sich bewusst war, dass er mit seinem Verhalten vielleicht Menschen umbringen würde, unterstreichen die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe. Wer in einer 50er-Zone 170 Kilometer pro Stunde fährt, verhält sich wie ein Mörder. Das ist auch eine Botschaft an alle Autofahrer des Landes: Schluss mit den Vorwänden und Entschuldigungen! Wer zu schnell fährt oder sich nach Alkohol- oder Drogenkonsum hinters Steuer setzt, muss sich der möglichen Folgen bewusst sein. Solche Fahrer müssen wissen, dass sie so Menschen töten können. Hoffentlich wird dieser Prozess alle Autofahrer dazu bringen, mal in sich zu gehen und ihr Verhalten zu überdenken, nicht nur die notorischen Raser. Hoffen wir auch, dass das Urteil den Opfern und Hinterbliebenen bei der Bewältigung ihrer Trauer helfen wird, damit sie versuchen können, irgendwann ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen, so Sudinfo.
Die Frage war nicht, ob Falzone eines Tages einen tödlichen Unfall verursachen würde, sondern wann, bringt es Le Soir auf den Punkt. Die Jury hat in ihrer Urteilsbegründung keinen Zweifel daran gelassen, wie unmenschlich das Verhalten Falzones war. Der Mann sei in der Nachbarschaft als Verrückter hinterm Steuer berüchtigt gewesen, so die Jury ebenfalls noch. Falzone sammelte Verkehrsbußen wie andere Menschen Briefmarken. Um solche Dramen zu verhindern, bräuchte es allerdings einen grundlegenden Mentalitätswandel. Viele Menschen betrachten ihre "Karren" und deren Motorleistung immer noch als sichtbares Zeichen von Virilität. Und viele glauben immer noch, dass man Verkehrsregeln ignorieren darf, wenn man egoistischerweise meint, seine Maschine zu beherrschen. Vielleicht wird dieses Urteil zum notwendigen Mentalitätswandel beitragen, schreibt Le Soir.
"Too big to fail"
Ein anderes Thema, das große Schlagzeilen macht, ist der Börsengang von SpaceX: Eine Firma, die zwar Milliarden verdient mit Internet und Satelliten, aber noch viel mehr Geld verliert mit Investitionen in Künstliche Intelligenz, ist jetzt also über 2.000 Milliarden Dollar wert, konstatiert die Wirtschaftszeitung De Tijd. Das macht Gründer und Inhaber Elon Musk zum ersten Billionär in der Geschichte der Welt. Wenn auch nur auf dem Papier. Es scheint ein Fiebertraum, ein Traum, der auf höchst spekulativen, ja fantastischen Annahmen aufbaut. Etwas, das absolut absurd scheint und eigentlich nicht nachvollziehbar sein sollte. Aber trotzdem standen und stehen die Anleger Schlange, gerade kleine. Der Börsengang von SpaceX ist ein Triumph für einen Geschichtenerzähler, das ist sicher, kommentiert De Tijd.
Ein "Edison unserer Zeit", "unser Einstein", ein Mann mit geradezu göttlicher Aura - so sehen viele Elon Musk mittlerweile, merkt L'Echo an. Ein Mann, dessen Firmen und Visionen sich offenbar mit Gold aufwiegen lassen. Dafür sind sie bereit, alles andere zu übersehen: seine Eskapaden, seine Fake News, seine Hassbotschaften. Weil Musk hat sich nicht verändert, er war immer so. Aber er ist inzwischen offenbar zu systemrelevant geworden, "too big to fail", wie man sagt, als dass es noch jemand wagen würde, sich mit ihm anzulegen. Er hat eine neue Form des Kapitalismus geschaffen, in dem allein er bestimmt. Es ist eine nie dagewesene Machtkonzentration, sowohl industriell als auch finanziell und geopolitisch betrachtet. Und die Macht liegt in den Händen eines unvorhersehbaren Mannes. Eines Mannes, der ganze Teile der Welt mit sich in den Abgrund reißen kann. Auch das ist der Börsengang von SpaceX, warnt L'Echo.
Pogrom
De Morgen erwähnt Elon Musk ebenfalls, allerdings im Zusammenhang mit den Rassenunruhen in Nordirland: Was sich in Belfast ereignet hat, das war ein Pogrom - ein organisierter, gewalttätiger Angriff auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe. Ein Pogrom, das wie so oft in den sozialen Medien angeheizt wurde, von rechtsextremen Hetzern wie Tommy Robinson. Deren Botschaften durch Elon Musk regelmäßig verbreitet und beworben werden. Besonders besorgniserregend ist, dass niemand es wagt, Musk für sein Verhalten zur Verantwortung zu rufen. Stattdessen bestaunen alle nur seine selbstfahrenden Autos und den Börsengang seines Raumfahrtunternehmens, für das wir hier sicher keine Werbung machen wollen, prangert De Morgen an.
Boris Schmidt