"Das Fußball-Fest hat begonnen", jubelt Gazet van Antwerpen zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den Vereinigten Staaten. "Jetzt hat die Party wirklich begonnen", freut sich Het Belang van Limburg. "Das größte Fußball-Fest aller Zeiten hat nun wirklich begonnen", unterstreicht Het Laatste Nieuws. "Der Ball rollt", bringt es das GrenzEcho auf den Punkt. "Auftaktspiel: Mexiko startet ideal in seine Weltmeisterschaft", hat La Dernière Heure das Ergebnis des ersten Spiels des Co-Gastgebers gegen Südafrika.
Für die Leitartikel spielt der Beginn des Turniers allerdings keine Rolle. Stattdessen blicken sie unter anderem auf eine aufsehenerregende Entscheidung in puncto Mobilität in der Region Brüssel-Hauptstadt: Die Brüsseler Regierung hat entschieden, Miet-E-Roller aus der Stadt zu verbannen.
"Endlich!", kommentiert De Morgen. Bei den Ausschreitungen letzte Woche haben die Krawallmacher Barrikaden aus den Miet-E-Scootern gebaut und sie angezündet – nicht zum ersten Mal. Das war aber höchstens der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Nein, es gab mehr als genug Gründe, einen Schlussstrich zu ziehen unter dieses Kapitel. Die Roller lagen überall herum und blockierten Straßen und vor allem Bürgersteige. Ein nicht hinnehmbares Hindernis für schwächere Verkehrsteilnehmer. Ihre anonyme Nutzung machte sie besonders attraktiv für Jugendliche und Kinder. Für diverse Nutzer schienen Verkehrsregeln sowieso nicht zu existieren. Mit entsprechenden Folgen für die Unfallstatistik. Und da haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass Miet-E-Roller das Lieblingsfortbewegungsmittel von Drogendealern sind. Andere Metropolen wie Paris und Madrid hatten den Schritt schon gemacht, aus den gleichen Gründen. Also Tschüss Miet-E-Roller, manche werden dich vermissen, aber wohl nicht lange, giftet De Morgen.
Eingeständnis des Scheiterns
Sieben Jahre Anarchie mussten wir erdulden, gefährliche Slaloms und verdrehte Knöchel, bis die Regionalregierung etwas beschlossen hat, hält La Dernière Heure fest. Und sie greift zu einer Radikallösung, die zweifelsohne Fußgänger, Menschen mit Kinderwagen und Personen mit reduzierter Mobilität aufatmen lassen wird. Die Verkehrsteilnehmer, die lange auf dem Altar der sogenannten "neuen Mobilität" geopfert wurden. Aber die Entscheidung ist eigentlich das Eingeständnis eines Scheiterns: Brüssel hat es nicht geschafft, regulierend einzugreifen, also kommt ein Verbot. Und die Region verbietet ja nur die Miet-Roller, die privaten Maschinen, selbst die illegal modifizierten, sind nicht betroffen, sie werden ihren Siegeszug fortsetzen. Das wahre Problem ist die asoziale Weise, wie manche Roller fahren. Es darf also bezweifelt werden, dass Brüssel das Problem so wirklich lösen wird, kritisiert La Dernière Heure.
De Standaard beschäftigt sich aus einem anderen Grund mit Brüssel und Mobilität: Die Region Brüssel zieht gegen die Föderalregierung vor Gericht wegen der Verlegung der Anflugrouten auf den Flughafen in Zaventem. Die Flugrouten sind schon seit vielen Jahren ein Zankapfel, aber seit Kurzem leiden die am dichtesten bevölkerten Brüsseler Stadtgemeinden noch stärker unter dem Flugverkehr. Tatsächlich ist das aber eigentlich keine Frage für die Justiz, sondern natürlich für die Politik. Sie muss entscheiden, was schwerer wiegt: die Wirtschaft oder die Lebensqualität der Menschen. Das Problem dabei ist natürlich, dass die betroffenen Politiker dabei vor allem Rücksicht auf die Herkunft ihrer Wähler nehmen. Gerichtsurteile werden das Problem jedenfalls nicht lösen. Aber vielleicht werden sie die Suche nach einem Kompromiss beschleunigen, hofft De Standaard.
Es gibt keinen "Durchschnittspatienten"
Ganz anderes Thema bei Het Nieuwsblad: Das föderale Arbeitsministerium hat gerade einen Referenzrahmen für Ärzte veröffentlicht. Darin ist unter anderem aufgeführt, wie lange Menschen im Schnitt arbeitsunfähig sind nach verschiedenen medizinischen Eingriffen beziehungsweise mit unterschiedlichen Gesundheitsbeschwerden. An so einem Referenzrahmen ist grundsätzlich nichts auszusetzen, es wurde auch viel Arbeit und Zeit darin investiert. Aber das Problem ist, dass hier individuelle Fälle verallgemeinert werden, so etwas wie "den Durchschnittspatienten" gibt es aber nicht. Außerdem wird Druck auf die Ärzte ausgeübt und droht die Stigmatisierung von Menschen, indem sie verwaltungstechnisch quasi als "Profiteure und Hypochonder" katalogisiert werden. Das Schlimmste aber ist, dass Menschen darauf reduziert werden, wie wichtig sie für die Wirtschaft sind, klagt Het Nieuwsblad an.
Het Laatste Nieuws blickt auf neue Fälle von möglichem Betrug bei Hauspflegern: In gerade mal vier Monaten haben drei Hauspfleger schon das Limit dessen erreicht, was sie an angeblich erbrachten Leistungen bei den Krankenkassen einreichen dürfen. Das bedeutet, dass jeder von ihnen mindestens 58.000 Euro im Monat abgerechnet hat. Wie konnte sowas denn bitte schön nicht auffallen? Unser ganzes Gesundheitssystem ist im Endeffekt auf Vertrauen aufgebaut, es gibt so gut wie keine effektiven Kontrollen. Selbst der Verband der Hauspfleger fordert eindringlich, dass Kontrollen in das System eingebaut werden. Vertrauen mag ja eine gute Basis für das Gesundheitswesen sein, aber blinde Naivität macht es unbezahlbar. Die Politik muss handeln, fordert Het Laatste Nieuws.
Die Grenzen der Methode Trump
L'Avenir fasst die Lage im Nahen Osten zusammen: Am Dienstag hat Donald Trump zum mittlerweile sage und schreibe 38. Mal seit Beginn des Angriffskriegs einen unmittelbar bevorstehenden Deal mit dem Iran verkündet. 24 Stunden später wieder die totale Kehrtwende, die Waffen donnern wieder. Eine Einigung ist weit und breit nicht in Sicht. Die wichtigste Lehre aus dem Ganzen ist vielleicht, dass zwischen den Worten aus dem Weißen Haus und den Tatsachen Welten liegen. Donald Trump war überzeugt, seine Agenda diktieren zu können, stattdessen ist es der Iran, der das heute macht. Wir sehen die Grenzen der Methode Trump, was natürlich auch keine echte Überraschung ist. Und wir sehen noch etwas: Die Vereinigten Staaten sind offenbar unfähig, aus der Geschichte zu lernen, urteilt L'Avenir.
Boris Schmidt